Post-Covid-SyndromPost-Covid: Blutwäsche in Studie ohne Nutzen für Betroffene

Zwar lassen sich mittels Blutwäsche Autoantikörper aus dem Blut entfernen. Die Beschwerden der Betroffenen verbesserten sich dadurch jedoch nicht, so eine Studie.

Erschöpfte Frau sitzt auf dem Boden, draußen am Fenster ein Coronavirus
Jeerasak/stock.adobe.com - Stockphoto. Posed by a Model.
Viele Patient*innen leiden noch Monate oder Jahre nach einer SARS-CoV-2-Infektion unter anhaltender Erschöpfung, Konzentrationsstörungen und eingeschränkter körperlicher Belastbarkeit.

Das Wichtigste in Kürze

  • In einer Studie wurde der Nutzen der Immunadsorption - einer speziellen Blutwäsche - beim Post-Covid-Syndrom untersucht.
  • Ergebnisse:
    • Zwar konnten die als mögliche Krankheitsauslöser diskutierten Autoantikörper entfernt werden.
    • Die Symptome der Betroffenen blieben jedoch bestehen.
  • Fazit: Nach aktuellem Kenntnisstand sei die Immunadsorption bei Post-Covid nicht als allgemeine Therapie geeignet, so die Forschenden.

Immunadsorption bei Post-Covid-Syndrom

Die Ursachen des Post-Covid-Syndroms sind bislang nicht vollständig verstanden, weshalb intensiv nach biologischen Auslösern gesucht wird. Im Fokus stehen dabei unter anderem Autoantikörper gegen G-Protein-gekoppelte Rezeptoren (GPCR), die möglicherweise an den anhaltenden Beschwerden beteiligt sein könnten. 

Die Vermutung, dass solche Autoantikörper eine Rolle spielen könnten, hat bei vielen Betroffenen Hoffnungen auf spezielle Blutwäsche-Verfahren geweckt. Bei der Immunadsorption und der Plasmapherese wird das Blut außerhalb des Körpers über Filtersysteme geleitet, um bestimmte Antikörper zu entfernen.

„Zahlreiche Patient*innen haben sich bereits diesen aufwendigen Behandlungen unterzogen – oft in der Hoffnung auf eine Linderung ihrer Beschwerden. Ob die Entfernung der Autoantikörper tatsächlich einen therapeutischen Nutzen bringt, war bislang jedoch nicht durch kontrollierte Studien belegt“, erklärt die Heidelberger Nephrologin und Initiatorin der Studie Prof. Julia Weinmann-Menke.

Autoantikörper entfernt – Beschwerden bleiben bestehen

Die nun veröffentlichte IAMPOCO-Studie liefert erstmals belastbare Daten zur Wirksamkeit der Immunadsorption bei Post-Covid. An der Untersuchung nahmen 40 Betroffene teil, die sowohl eine echte Behandlung als auch eine Scheintherapie erhielten.

Das Ergebnis: Die Immunadsorption entfernte die untersuchten Autoantikörper zwar erfolgreich aus dem Blut. Die Beschwerden der Patient*innen verbesserten sich dadurch jedoch nicht:

Im Vergleich zur Scheinbehandlung wurden weder die ausgeprägte Erschöpfung noch Konzentrationsprobleme, körperliche Belastbarkeit oder Einschränkungen im Alltag durch die Behandlung positiv beeinflusst.

„Diese Ergebnisse zeigen, dass die Mehrheit der an Post-COVID leidenden Patient*innen eher nicht von einer Immunadsorption profitieren wird“, so Weinmann-Menke.

Wichtige Orientierung für Betroffene und weitere Forschung

Die Ergebnisse sind auch deshalb bedeutsam, weil Immunadsorption und Plasmapherese aufwendige Eingriffe sind. Die Behandlungen dauern mehrere Stunden und sind nicht frei von Risiken: In der Studie traten unter der Immunadsorption mehr Nebenwirkungen auf als unter der Scheinbehandlung.

Hinzu kommt, dass die untersuchten Autoantikörper nicht nur bei Menschen mit Post-Covid vorkommen, sondern auch bei anderen Erkrankungen und sogar bei gesunden Personen nachweisbar sind. Da Antikörper fortlaufend neu bildet werden, führt ihre vorübergehende Entfernung somit nicht zwangsläufig zu einer dauerhaften Besserung der Beschwerden. Stattdessen müssen die Behandlungen häufig wiederholt werden.

Die Autor*innen der Studie kommen zu dem Schluss, dass sich die Immunadsorption nach aktuellem Kenntnisstand nicht als allgemeine Therapie für das Post-Covid-Syndrom eignet. Gleichzeitig unterstreichen die Ergebnisse die Notwendigkeit weiterer Forschung.

„Post-Covid ist ein komplexes und heterogenes Krankheitsbild“, so Weinmann-Menke. „Um wirksame Behandlungen für die vielen Betroffenen zu entwickeln, müssen die zugrunde liegenden biologischen Mechanismen weiter systematisch untersucht werden.“

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Nephrologie 

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