DemenzPrognosen zeigen deutlichen Anstieg von Demenz bis 2060

Demenzfälle werden bei steigender Lebenserwartung von heute etwa 1,3 Mio. auf bis zu 2,1 Mio. zunehmen - bei gleichzeitigem Rückgang der Erwerbsbevölkerung.

Kopf in Form eines Puzzles, einige Puzzlesteine fehlen
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Forschende empfehlen angesichts der steigenden Demenzzahlen das enorme Potenzial der Prävention zu nutzen.

Die Zahl der Demenzfälle wird bei steigender Lebenserwartung von heute etwa 1,3 Millionen auf bis zu 2,1 Millionen im Jahr 2060 zunehmen. Das zeigen aktuelle Prognosen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) in Kooperation mit den Universitäten Trier, Rostock und Köln.

Die regionale Entwicklung ist den Prognosen zufolge unterschiedlich: Die höchsten Erkrankungszahlen werden mit 6,2 Prozent im brandenburgischen Elbe-Elster-Kreis vorhergesagt. In München dagegen beträgt die prognostizierte Zahl 1,7 Prozent.

Enormes Potenzial der Prävention

Durch bessere Präventionsmaßnahmen könnten vermutlich etwa die Hälfte der Demenz-Neuerkrankungen vermieden werden. Die Demenz-Fallzahlen könnten sich demnach zwischen 1,3 und 1,5 Millionen Fällen stabilisieren.

„Schon vergleichsweise kleine Verbesserungen bei den Neuerkrankungsraten können langfristig sehr große Effekte haben“, so Helmut Schröder vom WIdO. Als wichtigste konkrete Maßnahmen nach dem heutigen Stand der Wissenschaft nennt er:

  • gute Behandlung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
  • Verzicht auf das Rauchen,
  • mehr Bildung,
  • Behandlung von Hörstörungen,
  • Vermeidung sozialer Isolation.

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Welche Regionen besonders betroffen?

Für ländliche Regionen im Osten Deutschland werden die meisten Demenzfälle prognostiziert. In der Auswertung auf Ebene der 400 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland zeigt sich:

  • Die bereits heute bestehenden Unterschiede zwischen städtischen Regionen mit relativ junger Bevölkerung und ländlichen Regionen mit relativ alter Bevölkerung werden deutlich zunehmen.
  • Im Jahr 2020 reichte die Spanne der Demenz-Prävalenz von 1,0 Prozent in Tübingen bis 2,6 Prozent in der brandenburgischen Prignitz.
  • Für 2060 wird eine Spanne von 1,7 Prozent in München bis zu 6,2 Prozent im Landkreis Elbe-Elster in Brandenburg prognostiziert.
  • Der Unterschied zwischen der Region mit der höchsten und der niedrigsten Demenz-Prävalenz beträgt damit mehr als das 3,5-Fache.
  • Hohe Demenz-Prävalenzen werden insbesondere für ländliche Regionen im Osten Deutschlands prognostiziert.

Weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter pro Demenzfall

Mit steigender Lebenserwartung zeigen die Prognosen im gesamten Bundesgebiet jedoch auch einen Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter: Der steigenden Demenz-Fallzahl werde eine geringere Zahl an Personen im Alter von 20 bis 65 Jahren gegenüberstehen, die die Versorgung gewährleisten können.

Im Jahr 2020 standen 2,6 Menschen mit Demenz 100 Personen im erwerbsfähigen Alter gegenüber. Rechnerisch stand also einem Demenzfall eine Zahl von ca. 38 Personen im erwerbsfähigen Alter für die Versorgung gegenüber.

Diese Kennzahl wird bis zum Jahr 2060 auf einen Wert von 4,7 ansteigen, sodass auf einen Demenzfall nur noch 21 Personen im erwerbsfähigen Alter kommen werden. Es werden also deutlich mehr Demenzfälle von weniger Personen zu versorgen sein.

Selbst im optimalen Präventionsszenario, in dem sich die Demenz-Fallzahlen stabilisieren, wird sich das Verhältnis zur Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter verschlechtern, sodass auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter immer noch 2,9 Demenzfälle kommen. Im Vergleich zum Wert von 2,6 im Jahr 2020 entspricht das einer relativen Zunahme um mehr als 10 Prozent des Versorgungsbedarfs.

Regionale Unterschiede auch bei Menschen im erwerbsfähigen Alter

Auch in der Prognose zu den erwerbstätigen Personen pro Demenzfall zeigt sich eine große regionale Spanne:

  • So wird die Kennzahl zum Verhältnis der Demenzfälle zu 100 Personen im erwerbsfähigen Alter je nach Region Werte zwischen 2,6 und 20,9 erreichen.
  • Bei einem Wert von 20,9 stehen rechnerisch weniger als 5 Personen im erwerbsfähigen Alter für die Versorgung eines Demenzfalles in der Region zur Verfügung.

„Unsere Ergebnisse zeigen klar: Demenz ist eine ganz konkrete Herausforderung auf kommunaler Ebene. Die regionalen Unterschiede werden größer. Darauf müssen sich Versorgungsstrukturen, Pflegeangebote und Kommunalpolitik einstellen“, betont Helmut Schröder.

Die Ergebnisse zu der regionalen Entwicklung der Demenz-Fallzahlen und der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ermöglichten die frühzeitige Planung der notwendigen Anpassungen der Versorgungsstrukturen. „Die Prävention von Demenz ist nicht nur gesundheitspolitisch sinnvoll, sondern auch sozial- und wirtschaftspolitisch dringend geboten – bei gleichzeitigem Aufbau von Versorgungsstrukturen, damit sich abzeichnende regionale Engpässe in der Versorgung vermieden werden können,“ so Schröder.

Prognoseverfahren auf Basis einer eng gefassten Falldefinition

Für das neu entwickelte Prognoseverfahren ist das sog. MikroSim-Modell, das die demografische Entwicklung Deutschlands simuliert, weiterentwickelt worden: Hinzu kamen epidemiologische Kennzahlen zu Demenz-Häufigkeiten, Demenz-Neuerkrankungen sowie Demenz-Sterblichkeit. Die Entwicklung der verschiedenen Szenarien erfolgte mithilfe der Expertise von Forschenden im Bereich der Demographie und der neurodegenerativen Erkrankungen an den Universitäten Rostock und Köln.

Die Prognosen basieren auf einer eng gefassten Demenz-Falldefinition, in der reversible Fälle ausgeschlossen wurden. Es handelt sich also um konservative Schätzungen, die eher die untere Grenze der erwartbaren Fallzahlen darstellen dürften.

Quelle: Wissenschaftliches Institut der AOK

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