DepressionPsilocybin und Psychotherapie: Antidepressiver Effekt auch längerfristig

Die antidepressiven Effekte von Psilocybin mit begleitender Psychotherapie hielten bis zu 12 Monate an, zeigt eine Langzeitnachbeobachtung der EPIsoDE-Studie.

Kapseln mit braunem Pulver und getrocknete magic mushrooms als Supplement
Cannabis_Pic/stock.adobe.com
Psilocybin ist in Magic Mushrooms enthalten. Eine Therapie mit Psilocybin ist in Deutschland aufgrund der Risiken nur im Rahmen von Studien erlaubt.

Psilocybin mit begleitender Psychotherapie kann bei Menschen mit therapieresistenter Depression zu langfristigen Verbesserungen der depressiven Symptomatik führen. Das zeigt eine Langzeitnachbeobachtung des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit, der Charité und der MIND Foundation.

Die antidepressiven Effekte hielten über einen Zeitraum von bis zu 12 Monaten an.

Studie: Haben Psychedelika antidepressive Effekte?

Ob antidepressive Effekte psychedelischer Therapien auch langfristig Bestand haben, ist bislang kaum untersucht. Die Langzeitdaten der EPIsoDE-Studie deuten darauf hin, dass die antidepressiven Effekte einer Behandlung mit Psilocybin und begleitender Psychotherapie über 12 Monate hinweg bestehen bleiben können.

An der Studie nahmen 144 Patient*innen mit therapieresistenter Depression teil. 126 von ihnen wurden in die Langzeitanalysen über 6 und 12 Monate einbezogen. Alle Teilnehmenden hatten in der klinischen Studie mindestens eine Behandlung mit 25 mg Psilocybin in Kombination mit einer psychotherapeutischen Begleitung erhalten.

Langfristige Effekte auch nach Berücksichtigung späterer Antidepressiva-Einnahmen stabil

Die depressive Symptomatik blieb über den gesamten Beobachtungszeitraum im Durchschnitt deutlich reduziert. Erfasst wurde dies unter anderem mit der international etablierten Hamilton Depression Rating Scale (HAMD17), einem klinischen Instrument zur Bewertung depressiver Symptome. Auch nach 12 Monaten waren die depressiven Symptome auf der HAMD17-Skala im Durchschnitt um etwa 8 Punkte geringer als vor der Behandlung. Dies gilt als klinisch bedeutsame Verbesserung der Symptomatik.

Die beobachteten antidepressiven Effekte blieben auch dann bestehen blieben, wenn statistisch berücksichtigt wurde, ob Teilnehmende nach der Studientherapie erneut klassische Antidepressiva einnahmen.

Hoher Bedarf an neuen Behandlungsansätzen

„Die langfristige Stabilität der antidepressiven Effekte ist ein besonders wichtiger Befund unserer Studie“, sagt Prof. Dr. Gerhard Gründer vom Zentralinstitut für Seelische Gesundheit. „Gerade bei therapieresistenten Depressionen besteht ein hoher Bedarf an neuen Behandlungsansätzen, die über kurzfristige Verbesserungen hinausgehen.“

Die Daten stammen aus der EPIsoDE-Studie, die zwischen 2021 und 2024 in Mannheim und Berlin durchgeführt wurde. Die Behandlung umfasste neben den Psilocybin-Sitzungen auch ein strukturiertes psychotherapeutisches Setting mit Vorbereitungs- und Integrationssitzungen.

„Anders als klassische Antidepressiva wird Psilocybin nicht dauerhaft eingenommen, sondern in wenigen Sitzungen mit begleitender Psychotherapie eingesetzt. Das macht die Ergebnisse besonders bemerkenswert“, sagt Erstautorin Lea Mertens vom ZI. „Die psychotherapeutische Einbettung dürfte dabei eine zentrale Rolle für die langfristige Verarbeitung und Integration der Erfahrungen spielen. Das genaue Zusammenspiel der psychologischen und biologischen Wirkfaktoren der Therapie muss jedoch noch weiter untersucht werden.“

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Ergebnisse müssen vorsichtig interpretiert werden

Die Forschenden betonen zugleich, dass die Ergebnisse vorsichtig interpretiert werden müssen. Bei der jetzt veröffentlichten Auswertung handelt es sich um eine Langzeitnachbeobachtung ohne zusätzliche Kontrollgruppe über den gesamten Zwölf-Monats-Zeitraum. Die Teilnehmenden konnten nach Abschluss der eigentlichen Studie wieder reguläre Behandlungen in Anspruch nehmen und es gab die Möglichkeit an einer fortlaufenden monatlichen Integrationsgruppe teilzunehmen.

„Die Erfahrungen während der Behandlung waren für viele Teilnehmende sehr intensiv und persönlich bedeutsam. Deshalb haben wir eine monatliche Integrationsgruppe angeboten, die von vielen genutzt wurde“, sagt Dr. Michael Koslowski, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Laut den Forschenden seien weitere randomisierte Langzeitstudien notwendig, um die Ergebnisse zu bestätigen und die langfristige Wirksamkeit im Vergleich zu bestehenden Therapieverfahren zu untersuchen.

Psilocybin ist ein psychedelischer Wirkstoff, der in der EPIsoDE-Studie ausschließlich unter kontrollierten klinischen Bedingungen und mit intensiver psychotherapeutischer Begleitung eingesetzt wurde. Die Studie wurde vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR; ehemals BMBF) gefördert.

Quelle: Zentralinstitut für Seelische Gesundheit

 

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