Candida albicansScheidenpilz: Backhefe hat Potenzial bei hartnäckigen Infektionen

Die Backhefe - Saccharomyces cerevisiae - könnte ein wirksamer Verbündeter gegen hartnäckigen Scheidenpilz sein, zeigt eine Forschungsarbeit am Mausmodell. 

2 Mikroskopische Aufnahmen: links Co-Kulturen von S. cerivisiae mit C. albicans (rot). Rechts: Abgestorbene Immunzellen (grün) in Co-Kultur; deutlich verringerte Zahl von Candida-Zellen durch S.
Karen Cheng/Leibniz-HKI
S. cerevisiae bremst den Krankheitserreger C. albicans aus. Co-Kulturen von S. cerivisiae mit C. albicans (rot). Abgestorbene Immunzellen (grün) in Co-Kultur mit deutlich verringerter Anzahl von Candida-Zellen durch S.

Saccharomyces cerevisiae (Backhefe) könnte den Krankheitserreger Candida albicans schwächen. Das hat ein internationales Forscherteam gezeigt.

Millionen Frauen weltweit leiden unter Scheidenpilzinfektionen. Die Beschwerden werden meist durch den Hefepilz Candida albicans verursacht und reichen von Juckreiz und Brennen bis hin zu wiederkehrenden Entzündungen. Candida albicans gehört zur natürlichen Mikroben-Ausstattung des Menschen. Unter bestimmten Bedingungen kann sich der Pilz jedoch über Gebühr vermehren und bringt damit das mikrobielle Gleichgewicht durcheinander. Entzündliche Infektionen der Schleimhäute sind häufig die Folge.

Mikroorganismen anstatt Medikamente?

In der Studie wurde ein Stamm von Saccharomyces cerevisiae identifiziert. Dieser kann das Wachstum und die krankheitsauslösenden Faktoren von Candida albicans deutlich hemmen. Gleichzeitig reduziert die Hefe entzündliche Reaktionen des Immunsystems, die maßgeblich zu den belastenden Symptomen beitragen.

Das Forschungsteam untersuchte mithilfe moderner Live-Cell-Imaging-Verfahren, wie die Bäckerhefe mit Immunzellen interagiert.

Für ihre Untersuchungen testete Erstautorin Dr. Mart Sillen aus dem Labor von Prof. Patrick van Dijck an der KU Leuven zunächst 70 verschiedene Stämme von Saccharomyces cerevisiae. Ein Stamm, ein Vaginalisolat, erwies sich dabei als besonders wirksam: Er hemmte das Wachstum von Candida albicans, verringerte dessen Fähigkeit, an Schleimhautzellen anzuhaften, und störte die Bildung von Biofilmen – schützenden Strukturen, die den Krankheitserreger besonders widerstandsfähig machen.

Die Forschenden beobachteten, dass Immunzellen trotz einer geringeren Entzündungsreaktion sogar effizienter gegen den Krankheitserreger vorgingen.

In einem Mausmodell führte die Behandlung zu einer geringeren Pilzbelastung und weniger entzündlichen Prozessen.

„Viele Menschen denken bei Mikroorganismen zuerst an Krankheitserreger“, sagt Dr. Mark Gresnigt vom Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie. „Unsere Ergebnisse zeigen eindrucksvoll, dass Mikroben auch Verbündete sein können. Bestimmte Hefen können krankmachende Pilze ausbremsen und gleichzeitig helfen, überschießende Entzündungsreaktionen zu verhindern.“

Vielversprechende Grundlage für mikrobenbasierte Therapien

Die Ergebnisse liefern eine vielversprechende Grundlage für neue mikrobenbasierte Therapien. Anstatt Krankheitserreger ausschließlich mit Medikamenten zu bekämpfen, könnten künftig gezielt nützliche Mikroorganismen eingesetzt werden, um das mikrobielle Gleichgewicht wiederherzustellen und gleichzeitig schädliche Entzündungen einzudämmen.

Bevor die Hefe für die Therapie eingesetzt werden kann, sind weitere klinische Studien erforderlich. Die Forschenden sehen jedoch großes Potenzial darin, mikrobiologische Helfer gezielt zur Bekämpfung von Infektionen einzusetzen – und damit die positiven Seiten der mikrobiellen Welt nutzbar zu machen.

Länderübergreifende Expertise in internationaler Forschungsarbeit

Die Studie entstand aus einer Zusammenarbeit zwischen Forschenden der Katholischen Universität Leuven (KU Leuven) in Belgien und dem Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie (Leibniz-HKI) in Jena und wurde durch den Microverse Exchange Fund des Exzellenzclusters „Balance of the Microverse“ unterstützt. 

Die Studie zeigt auch den Mehrwert internationaler Forschungsaufenthalte. Der Microverse Exchange Fund des Exzellenzclusters „Balance of the Microverse“ unterstützt Wissenschaftler*innen dabei, Expertisen über Länder- und Disziplingrenzen hinweg zusammenzubringen. Die Zusammenarbeit zwischen dem Labor von Patrick van Dijck in Leuven und dem Labor von Mark Gresnigt in Jena zeigt beispielhaft, wie daraus neue Erkenntnisse über die komplexen Wechselwirkungen zwischen Mikroorganismen und ihrem Wirt entstehen können.

„Mart hatte bereits detailliert untersucht, wie die Hefe den Krankheitserreger direkt beeinflusst“, erklärt Gresnigt. „In Jena konnten wir unsere Expertise zur Immunologie von Pilzinfektionen einbringen. Gemeinsam fanden wir heraus, dass die Hefe nicht nur den Erreger schwächt, sondern auch Entzündungsreaktionen reduziert und die Fähigkeit von Immunzellen verbessert, die Infektion zu beseitigen.“

Juliane Seeber/Exzellenzcluster “Ballance of the Microverse”/Ni

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