SpermidinSpermidin könnte Immunantwort bei Impfungen im Alter erhöhen

Spermidin konnte in einer Pilotstudie die Antikörperreaktion nach einer Impfung bei älteren Menschen verbessern.

Schale mit Weizenkeimlingen, Flasche mit Weizenkeimöl
Elena/stock.adobe.com
Spermidin ist in bestimmten Lebensmitteln wie Weizenkeimlingen enthalten, aber auch in gereiften Käsesorten und Pilzen.

Die nachlassende Impfantwort älterer Menschen lässt sich mit einer Einnahme von Spermidin womöglich verstärken. Forschende um Prof. Katja Simon vom Max Delbrück Center und Prof. Ghada Alsaleh von der University of Oxford haben in einer Studie gezeigt:

Die tägliche Einnahme von Spermidin kann die Immunantwort auf eine COVID-19-Impfung verbessern.

Demnach reduziert die natürlich vorkommende Substanz molekulare Marker für die Alterung des Immunsystems.

Immunsystem im Alter

Mit steigendem Alter wird unser Immunsystem schwächer. Seine Reaktionen auf Infektionen und Impfstoffe lassen zunehmend nach. Dieser Immunoseneszenz genannte Prozess trägt dazu bei, dass ältere Menschen schneller und oft schwerer erkranken und dass Impfungen bei ihnen häufig weniger wirksam sind.

Spermidin ist ein natürlich vorkommendes Molekül, das unsere Zellen selbst herstellen, das aber auch in Lebensmitteln wie Weizenkeimen, Pilzen und einigen gereiften Käsesorten wie Parmesan oder Cheddar enthalten ist. Frühere Studien deuten darauf hin, dass es zelluläre Erhaltungsprozesse unterstützen kann, die mit zunehmendem Alter nachlassen.

„Viele ältere Menschen sprechen zwar gut auf Impfstoffe an“, sagt Alsaleh. „Manche aber entwickeln selbst nach wiederholten Impfungen keinen starken Schutz.“ Die biologische Alterung ihrer Immunzellen könne ein Grund dafür sein. „Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass Spermidin dazu beitragen könnte, bestimmte Aspekte der Immunfunktion bei den Betroffenen wiederherzustellen“, berichtet die Wissenschaftlerin.

Mehr Antikörper als mit Placebo

Während der COVID-19-Pandemie wurde deutlich, dass Impfungen entscheidend dazu beitragen, schwere Krankheitsverläufe und Todesfälle zu reduzieren. Allerdings produzierten ältere Menschen nach der Impfung oft geringere Mengen an schützenden Antikörpern und T-Zellen. Ähnliches ist nach einer Grippeimpfung zu beobachten.

Simon und ihre Kolleg*innen rekrutierten für ihre Studie 40 gesunde Erwachsene im Alter von mindestens 65 Jahren. Nach der dritten COVID-19-Impfung erhielten diese 13 Wochen lang jeden Tag entweder 6 mg Spermidin oder ein Placebo.

Die Forschenden stellten fest, dass rund ein Viertel der Teilnehmenden trotz der 3-maligen Impfung am Ende nur sehr schwache Antikörperreaktionen zeigte. Die Immunzellen dieser Menschen wiesen deutliche Anzeichen biologischer Alterung auf. Dazu zählten unter anderem vermehrte DNA-Schäden und biologische Marker, die mit der zellulären Seneszenz in Verbindung stehen. Bei diesem Prozess stellen beschädigte oder alternde Zellen ihre normale Funktion ein und sammeln sich an.

Ergebnisse

  • Nahmen diese Menschen Spermidin ein, stieg ihre durch die Impfung induzierte Immunität messbar. Zum Beispiel konnten die Wissenschaftler*innen bei ihnen tendenziell höhere Konzentrationen von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 sowie höhere neutralisierende Aktivitäten gegen mehrere Virusvarianten beobachten als in der Placebogruppe.
  • Zudem reduzierte Spermidin bestimmte Marker der Immunseneszenz und die Autophagie wurde angeregt. Die Autophagie ist ein natürlicher zellulärer Recyclingprozess, der den Zellen hilft, beschädigte Bestandteile zu entfernen und ihre gesunde Funktion aufrechtzuerhalten.
  • Das Nahrungsergänzungsmittel erwies sich als sicher und gut verträglich, Nebenwirkungen im Zusammenhang mit seiner Einnahme traten nicht auf.

„Unsere Untersuchung war als Pilotstudie konzipiert und hatte daher eine relativ geringe Zahl an Teilnehmenden“, sagt Simon. „Nun sind größere Studien erforderlich, um zu überprüfen, wie gut Spermidin die Impfantwort tatsächlich verbessern kann. Und ob ähnliche Effekte auch bei anderen Impfstoffen, etwa gegen die saisonale Grippe, zu beobachten sind.“

Quelle: Max Delbrück Center

Wenn Sie Nachrichten aus Natürlich Medizin! als bevorzugte Quelle für Meldungen in der Schlagzeilen-Box der Google Suche festlegen möchten, dann klicken Sie bitte hier.