SportWie Bewegung und Wohlbefinden zusammenhängen

Bei den meisten Menschen steigt die Stimmung durch Bewegung im Alltag. Gleichzeitig sind Menschen körperlich aktiver, wenn sie sich gerade besser fühlen.

Frau steigt Treppen
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Bereits Alltagsaktivitäten wie Treppensteigen können zu besserer Stimmung führen.

Bewegung tut gut – so weit so bekannt. Dennoch sind viele Menschen im Alltag zu wenig körperlich aktiv. Das Wissen um die positiven Auswirkungen von Bewegung genügt offenbar nicht, um Verhaltensänderungen zu initiieren. Deshalb rücken Stimmung und Emotionen in den Fokus der Wissenschaft.

Forschende haben dazu Datensätze von rund 8000 Personen analysiert. Sie wollten untersuchen, wie körperliche Aktivität mit guter Stimmung und positiven Emotionen zusammenhängt. Mit folgendem Ergebnis:

Bei den meisten Menschen steigt die Stimmung durch Bewegung im Alltag. Gleichzeitig sind Menschen körperlich aktiver, wenn sie sich gerade besser fühlen.

Smartphone und Co. messen Bewegung im Alltag

Der Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität und Wohlbefinden kann unter natürlichen Alltagsbedingungen mithilfe von Smartphones und ähnlichen Systemen untersucht werden. Alltagsaktivitäten wie Spazierengehen, Treppensteigen und Hausarbeiten können so erforscht werden. Zudem lässt sich zwischen Zusammenhängen innerhalb einer Person („wenn ich mich mehr bewege, geht es mir besser“) und zwischen Personen („wenn ich mich mehr bewege als andere, geht es mir besser als anderen“) unterscheiden.

Die Ergebnisse aus den Studien seien aber unklar und teilweise sogar widersprüchlich gewesen, so Prof. Markus Reichert. „Uns war es wichtig, die Ergebnisse zusammenzufassen – auch, um die Größe der Zusammenhänge für verschiedene Aspekte des affektiven Wohlbefindens wie positive und negative Gefühle, Energiegeladenheit und Wachheit, Ruhe und Gelassenheit, einschätzen zu können und gegebenenfalls Unterschiede zwischen Personen zu identifizieren“, erklärt Doktorandin Johanna Rehder.

Gute Gefühle vor und nach körperlicher Aktivität

„Diese Synthese einer großen Menge von Forschungsdaten aus dem Alltag erforderte innovative und komplexe Metaanalysetechniken“, ergänzt Dr. Julian Packheiser. 

Bei ihren Analysen stellte sich heraus:

  • Das emotionale Wohlbefinden allgemein weist einen positiven Zusammenhang mit vorausgegangener und nachfolgender körperlicher Aktivität auf.
  • Lediglich Ruhe und Gelassenheit zeigten einen negativen Zusammenhang mit körperlicher Aktivität. Das heißt, Personen waren vor bzw. nach körperlicher Alltagsaktivität weniger ruhig und entspannt, als wenn sie sich nicht bewegten.

Personen mit niedrigem Wohlbefinden profitieren besonders

Die Analysen legten auch offen, dass sich die Zusammenhänge von körperlicher Aktivität und affektivem Wohlbefinden zwischen Personen stark unterscheiden.

  • Der Großteil der untersuchten Personen wies eine bessere Stimmung bei körperlicher Aktivität auf.
  • Manche zeigten vor oder nach körperlicher Aktivität eine verringerte Stimmung.
  • Am konsistentesten waren die Ergebnisse für Energiegeladenheit als Form des affektiven Wohlbefindens: Mehr als 95 Prozent der analysierten Personen fühlten sich vor oder nach körperlicher Aktivität energiegeladener.

„Unsere Studie zeigt zudem, dass Personen mit niedrigem Wohlbefinden besonders stark von körperlicher Aktivität profitieren“, sagt Prof. Onur Güntürkün. Das unterstreicht das Potenzial von Bewegung im Alltag für psychisch vulnerable Gruppen.

Ausblick

„Es ist jetzt unsere Aufgabe für die kommenden Jahre, weitere personenbezogene und Kontext-Faktoren zu identifizieren, die die Unterschiede in den Zusammenhängen erklären können“, so Reichert.

Auch lasse sich aus den Daten nicht auf eine Kausalität der Zusammenhänge schließen. Diese müsse zum Beispiel durch Interventionsstudien im Alltag von Personen überprüft werden. Nur so lasse sich das volle Potenzial der Zusammenhänge von körperlicher Aktivität und affektivem Wohlbefinden für gesundheitsfördernde Interventionen in der Versorgung nutzen.

Größte Analyse zu Stimmung und Bewegung im Alltag

Die Forschenden bezogen Daten von 67 internationalen Arbeitsgruppen in ihre Auswertung ein. Sie schlossen allerdings nur solche Studien ein, die die körperliche Aktivität und das affektive Wohlbefinden wiederholt im Alltag der Studienteilnehmenden erfasst hatten. Es ergab sich ein Datensatz von mehr als 300.000 Stimmungsabfragen von über 8.000 Teilnehmenden. Das ist die bisher größte und umfassendste Analyse zu Bewegungs-Stimmungszusammenhängen im Alltag.

Quelle: Ruhr-Universität Bochum