FastenWie gut hilft Intervallfasten beim Abnehmen?

Menschen mit Übergewicht nehmen möglicherweise nicht mehr ab als durch andere Diäten – aber wahrscheinlich etwas mehr als ohne gezielte Ernährungsintervention. 

Schriftzug "Intervallfasten" auf blauem Hintergrund
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Ist der (Social-Media-)Hype ums Intervallfasten gerechtfertigt? Vorliegende Daten sind vielversprechend, aber die Belege sind noch nicht ausreichend.

Intervallfasten liegt seit einiger Zeit sehr im Trend: Es soll Gewicht reduzieren und den Stoffwechsel positiv beeinflussen. Ein jetzt veröffentlichter Cochrane Review geht der Frage nach: Wie stark nehmen Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas durch Intervallfasten ab? Vereinfacht zusammengefasst zeigt er:

  • Sie nehmen durch Intervallfasten möglicherweise nicht mehr ab als durch andere Diäten.
  • Aber sie nehmen wahrscheinlich etwas mehr ab als ohne gezielte Ernährungsintervention.

„Für manche Menschen kann Intervallfasten vielleicht eine sinnvolle Option sein“, so Luis Garegnani, einer der Review-Autoren.

Intervallfasten im Vergleich zu anderen Diäten

Der neue Review fasst verschiedene Formen von Intervallfasten zusammen und zeigt anhand der Auswertung von 21 randomisiert kontrollierten Studien mit insgesamt 1430 Teilnehmenden: Im Vergleich zu anderen Diäten reduziert Intervallfasten das Körpergewicht bei Menschen mit Übergewicht oder Adipositas möglicherweise nicht oder nur minimal.

Die Formulierung “möglicherweise” ist aus wissenschaftlicher Sicht deshalb wichtig, weil dieses Review-Ergebnis mit einer relativ großen Unsicherheit behaftet ist. Die Autor*innen bewerten seine Vertrauenswürdigkeit als „niedrig“ – das ist die zweitunterste von vier möglichen Stufen im so genannten GRADE-System, mit dem sich die Zuverlässigkeit wissenschaftlicher Erkenntnisse bewerten lässt. Viele der ausgewerteten Untersuchungen waren nämlich klein und hatten methodische Mängel.

Neue Studienergebnisse könnten durchaus dazu führen, dass sich die Evidenz zu Intervallfasten noch ändert.

Die Review-Autor*innen haben das Intervallfasten verglichen mit:

  • anderen Diätformen,
  • keiner strukturierten Ernährungsintervention (keine Diät bzw. die eigenen Essgewohnheiten wurden weitgehend beibehalten).

Dafür wurden 6 Studien mit 427 übergewichtigen oder adipösen Teilnehmenden ausgewertet. Hier zeigt sich wahrscheinlich ein kleiner Effekt: Bei Intervallfastenden sinkt das Körpergewicht wahrscheinlich durchschnittlich um 3,4 Prozent mehr als bei Menschen ohne eine gezielte Ernährungsintervention. Die Autor*innen stufen die Vertrauenswürdigkeit dieser Zahlen als „moderat“ ein. (Das entspricht im GRADE-System der zweithöchsten von vier Stufen.) Auch dieses zweite Review-Ergebnis ist aus wissenschaftlicher Sicht also mit einer gewissen, aber geringeren Unsicherheit behaftet.

Ein intervallfastender Mensch mit 100 kg Körpergewicht würde demnach im Mittel wahrscheinlich etwa 3,4 kg mehr abnehmen als jemand, der nicht aktiv intervallfastet. Klinische Leitlinien empfehlen für Menschen mit Übergewicht und Adipositas allerdings einen Gewichtsverlust von mindestens 5 Prozent, da erst ab dieser Schwelle gesundheitliche Risiken sinken.

Einschränkungen bei den Studien

Bei dem aktuellen Review sei einschränkend zu beachten: Fast alle ausgewerteten Studien wurden nur über einen Zeitraum von 6 bis 12 Monaten durchgeführt. “Man kann auf Basis der vorliegenden Evidenz keine verlässliche Aussage treffen, ob es übergewichtigen und adipösen Menschen mit Intervallfasten langfristig gelingt, ihr Gewicht so deutlich zu reduzieren, dass sie dadurch gesünder werden”, sagt Prof. Jörg Meerpohl. “Zudem fehlen Daten dazu, wie zufrieden die Menschen mit dem Intervallfasten sind, ob sie es mittel- und langfristig im Alltag gut durchhalten können und ob es unerwünschte Wirkungen hat. Unklar bleibt außerdem, wie sich Intervallfasten auf Begleiterkrankungen von Übergewicht auswirkt und ob es beispielsweise hilft, einen Typ 2-Diabetes zu verhindern. Auch dazu fehlen bislang die Daten.”

In den Studien, die der Cochrane Review einschließt, wurden im Wesentlichen folgende Formen des Intervallfastens untersucht:

  • Zeitlich begrenztes Essen (Time-restricted feeding): Die tägliche Nahrungsaufnahme ist auf ein festes Zeitfenster beschränkt, meist auf höchstens 8 bis 10 Stunden pro Tag. Die restliche Zeit wird gefastet, oft über Nacht für mindestens 14 Stunden.
  • Periodisches Fasten: An ein bis zwei Tagen pro Woche wird gefastet oder kaum gegessen. An den übrigen fünf bis sechs Tagen wird normal gegessen.
  • Alternierendes Fasten (Alternate-day fasting): Fastentage und Tage mit normaler Nahrungsaufnahme wechseln sich ab. An Fastentagen wird entweder gar nichts oder nur sehr wenig gegessen.
  • Modifiziertes alternierendes Fasten (z.B. 5:2-Diät): An zwei Tagen pro Woche wird die Kalorienzufuhr stark reduziert, an den übrigen fünf Tagen wird normal gegessen. An den Fastentagen wird nicht vollständig auf Nahrung verzichtet.

Hintergrund: Übergewicht und Adipositas in Deutschland

Hierzulande sind laut Robert Koch-Institut fast die Hälfte aller Frauen und mehr als die Hälfte aller Männer von Übergewicht (einschließlich Adipositas) betroffen – haben also einen Body Mass Index von 25 und mehr. Fast ein Fünftel der Erwachsenen in Deutschland sind adipös, haben also einen Body Mass Index von 30 und mehr. (Diese Zahlen stammen aus den Jahren 2019/2020.)

Quelle: Cochrane Deutschland