GerstenkornHagel- und Gerstenkorn: Wann harmlos, wann gefährlich?

Eine Augenärztin erklärt, was bei Hagel- und Gerstenkorn helfen kann und wann eine ärztliche Untersuchung indiziert ist.

Schmuckbild: Collage in Form eines Auges
D. Sonntag/Thieme

Gersten- und Hagelkörner zählen zu den häufigsten Augenleiden überhaupt. Bei vielen Menschen treten sie mindestens einmal im Leben auf. Meist sind die korngroßen Schwellungen an Ober- oder Unterlid zwar lästig und schmerzhaft, aber harmlos, und sie heilen von allein ab. Doch bei Menschen unter anderem mit Hauterkrankungen, allergischer Neigung, Diabetes oder einem geschwächten Immunsystem können sich die Lider immer wieder neu entzünden. In seltenen Fällen kann eine hartnäckige Schwellung auch auf eine erste Tumorerkrankung hinweisen.

Wie Betroffene mit Gersten- und Hagelkörnern am besten umgehen, erklärt eine Expertin der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft (DOG).

Gersten- oder Hagelkorn?

Hordeolum und Chalazion - Gersten- und Hagelkörner - entstehen in den Drüsen, die am Lidrand sitzen. „Es handelt sich in beiden Fällen um Entzündungen“, sagt Dr. med. Philomena Alice Wawer Matos Reimer vom Zentrum für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Köln. Doch es gibt einen Unterschied:

  • „Das Gerstenkorn entsteht aufgrund einer bakteriellen Infektion, eitert oft ähnlich wie ein Pickel und schmerzt.“
  • Das Hagelkorn ist dagegen meist die Folge eines Sekret-Staus in einer Meibomdrüse. „Es eitert nicht, ist abgekapselt, entwickelt sich eher langsam und ist in der Regel deutlich weniger schmerzhaft“, so Wawer Matos Reimer.

Antibiotische Augensalben nur beim Gerstenkorn

Gerstenkörner klingen meist innerhalb weniger Tage ab, Hagelkörner dagegen erst nach mehreren Wochen oder sogar Monaten. „Beim Gerstenkorn kann bei ausgeprägter bakterieller Entzündung eine antibiotische Augensalbe sinnvoll sein, die der Augenarzt oder die Augenärztin verschreibt, beim Hagelkorn helfen Antibiotika in der Regel nur im akuten Entzündungsintervall“, erläutert Wawer Matos Reimer. In beiden Fällen unterstützen desinfizierende und entzündungshemmende, meist kortisonhaltige Salben.

Lidkantenpflege und Kompressen mit schwarzem Tee

Besonders hilfreich sind warme Kompressen kombiniert mit Lidkantenpflege.

Zunächst die geschlossenen Augenlider für 5 bis 10 Minuten durchgehend warm behandeln, am besten mit einem warmen Kirschkernkissen oder einer Wärmemaske; dann mit einem Wattepad das Lid sanft zum Rand hin massieren und mit einem Wattestäbchen die Lidränder reinigen.

„Womit wir sehr gute Erfahrungen machen, ist ein altes Hausmittel: Kompressen mit schwarzem Tee“, so Wawer Matos Reimer: „Dafür einen schwarzen Tee zubereiten, abkühlen lassen, einen Lappen mit lauwarmem Teewasser tränken und auf das Auge legen.“ Fertige Tücher mit Schwarztee-Extrakt oder Teebaumöl gibt es in Apotheken.

Heilt das Hagelkorn partout nicht ab, kommt ein kleiner Eingriff in Betracht. „Wir machen unter lokaler Betäubung je nach Lokalisation der Läsion von der Innen- bzw. Außenseite des Lides aus einen winzigen Schnitt und entfernen das entzündliche Gewebe samt Kapsel“, erklärt die Kölner Augenärztin.

Hormonelle Umstellungsphasen triggern Hagelkörner

Täglich einige Minuten Lidkantenpflege ist auch die beste Vorbeugung, sollten Hagel- oder Gerstenkörner immer wieder auftreten. „Wir wissen, dass dies bei Menschen mit Hauterkrankungen wie seborrhoischem Ekzem, Rosazea, Neurodermitis, allergischer Neigung oder auch Diabetes, Lidrandentzündungen, chronisch-entzündlichen Erkrankungen und Immunsuppression häufiger der Fall ist“, berichtet die DOG-Expertin. Auch bei Frauen, die sich in hormonellen Umstellungsphasen wie Schwangerschaft oder Wechseljahre befinden, kann sich die Funktion der Meibomdrüsen verändern und die Neigung zu Hagelkörnern steigen.

Tipp: Tägliche Lidkantenpflege unter der warmen Dusche

„Unser Tipp ist, die Lidkantenpflege konsequent durchzuführen und in die tägliche Routine einzubauen, beispielsweise unter der warmen Dusche“, rät die Augenärztin. Hilfreich sind zudem Gelmasken aus Apotheke oder Drogerie, die man erwärmen kann – oder auch Doxycyclin, ein verschreibungspflichtiges Medikament, das die Sekrete verflüssigt und insbesondere bei Rosazea oder in hartnäckigeren Fällen notwendig werden kann. Auch eine professionelle Ausreinigung von Meibomdrüsen kann bei spezialisierten Augenärzt*innen erfolgen.

Faktoren meiden, die Entzündungen begünstigen

Darüber hinaus sollten Dauergeplagte unbedingt Faktoren vermeiden, die Entzündungen begünstigen und das Immunsystem weiter schwächen. „Dazu gehören aktives und passives Rauchen, chronischer Stress und Schlafmangel“, so Wawer Matos Reimer. Wichtig sind außerdem konsequente Hygiene an Händen und Lidrändern, sorgfältige Kontaktlinsenpflege, gründliches Abschminken an den Augen und das Vermeiden von Augenreiben.

Warnzeichen für tumoröse Veränderungen

In seltenen Fällen kann es sich bei hartnäckigen Schwellungen auch um einen Tumor handeln, meist um ein langsam wachsendes Basalzellkarzinom – oder um ein sehr seltenes Talgdrüsen- oder Merkelzellkarzinom, die zwar nur in 2 bzw. 0,5 Prozent aller Fälle vorkommen, aber äußerst bösartig und aggressiv sind.

„Warnzeichen sind ein Verlust von Wimpern, ein nachgewiesenes Wachstum der Schwellung oder eine nicht heilende Wunde, die auch mit Blutungen einhergehen kann“, so die DOG-Expertin. Auch Veränderungen wie ein Konturverlust der Lidkante sollten unbedingt augenärztlich untersucht werden. „In solchen Situationen nicht lange warten und umgehend einen Termin vereinbaren“, betont Wawer Matos Reimer.

Quelle: Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft

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