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Schwitzrekorde an heißen Tagen
Sportmedizinerin Dr. med. Ursula Manunzio: Bis zu 2 Liter Schweiß pro Stunde
Der Körper verliert über Schweiß mitunter erstaunliche Mengen Flüssigkeit. Unter Extrembedingungen können es bis zu 2 Liter pro Stunde sein. Doch nicht nur Wasser geht dabei verloren. Mit jedem Tropfen Schweiß scheidet der Körper auch Salze aus – das wird häufig unterschätzt.
Wie viel ein Mensch schwitzt, ist allerdings sehr unterschiedlich. Das hängt nicht nur von der Temperatur ab, sondern auch von den individuellen Voraussetzungen. Gut trainierte Menschen schwitzen übrigens oft stärker als Untrainierte. Der Grund: Ihr Körper hat gelernt, schneller und effizienter auf Wärme zu reagieren. Schweiß ist schließlich die eingebaute Klimaanlage des Körpers.
Nicht nur trinken – auch Salz zählt
Während Mediziner normalerweise vor zu viel Kochsalz warnen, kann bei großer Hitze das Gegenteil zum Problem werden: Vor allem ältere Menschen, Personen mit geringem Appetit oder Menschen, die harntreibende Medikamente einnehmen, können gefährliche Salzmangelzustände entwickeln.
Empfehlung
An heißen Tagen sollte mindestens eine herzhafte Mahlzeit auf dem Speiseplan stehen.
Mehrarbeit für das Herz
Kardiologe Prof. Sebastian Zimmer: Wie viele Extra-Herzschläge sammelt man an einem Hitzetag?
Hitze bedeutet für das Herz Mehrarbeit. Damit der Körper überschüssige Wärme loswerden kann, wird mehr Blut in die Haut gepumpt. Das Herz muss dadurch häufiger schlagen, um Blutdruck und Kreislauf stabil zu halten.
Im Ruhezustand steigt der Puls meist nur moderat. Bei Bewegung, hoher Luftfeuchtigkeit oder Flüssigkeitsmangel kann die Herzfrequenz jedoch deutlich anziehen.
Das Erstaunliche: Schon kleine Pulserhöhungen summieren sich über den Tag. Je nach Aktivität können so an einem heißen Sommertag mehrere tausend zusätzliche Herzschläge zusammenkommen.
So entlasten Sie den Kreislauf
- Körperliche Aktivitäten möglichst in die frühen Morgen- oder Abendstunden legen
- Schatten und kühle Räume aufsuchen
- Räume tagsüber abdunkeln
- Ausreichend trinken
- Lauwarm bis kühl duschen
- Bei Herzpatient*innen regelmäßig Puls, Blutdruck und Gewicht kontrollieren
Schneller genervt bei 35 Grad
Psychiater Dr. Henrik Rohner: Warum wir bei hohen Temperaturen dünnhäutiger werden
Wer bei 35 Grad schneller genervt ist, bildet sich das nicht ein. Studien deuten darauf hin, dass hohe Temperaturen die Reizbarkeit erhöhen können. Die Hitze macht Menschen nicht automatisch aggressiv, sie kann aber die Hemmschwelle senken – insbesondere dann, wenn zusätzlich Schlafmangel, Stress oder körperliche Belastung hinzukommen.
Auch die geistige Leistungsfähigkeit sinkt
Nicht nur die Stimmung leidet. Auch die geistige Leistungsfähigkeit kann unter Hitze spürbar nachlassen. Besonders betroffen sind:
- Aufmerksamkeit
- Konzentration
- Reaktionsgeschwindigkeit
- Ausdauer bei geistiger Arbeit
Wer zusätzlich schlecht schläft oder zu wenig trinkt, merkt die Folgen oft schon bei alltäglichen Aufgaben.
Kann man sich an Hitze gewöhnen?
Bis zu einem gewissen Grad: Ja. Der Körper passt sich an wiederkehrende Hitze an – etwa durch eine effizientere Schweißproduktion und eine geringere Kreislaufbelastung. Vollständig schützt diese Anpassung jedoch nicht vor den Folgen extremer Temperaturen.
Der Hitze-Tipp des Psychiaters
An besonders heißen Tagen gilt: regelmäßig trinken, auch ohne Durstgefühl, Belastungen reduzieren und schwierige Gespräche lieber vertagen. Ein wenig zusätzliche Gelassenheit kann in zwischenmenschlichen Situationen ebenfalls helfen.
Sonnenstich oder Hitzschlag?
Intensivmediziner Prof. Christian Bode: Sonnenstich oder Hitzschlag? Der kleine Unterschied kann lebensgefährlich werden
Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit nach einem Tag in der Sonne – viele Menschen sprechen dann schnell von einem Hitzschlag. Tatsächlich steckt oft ein Sonnenstich dahinter. Der Unterschied ist wichtig: Ein Sonnenstich verläuft meist harmlos, beim Hitzschlag handelt es sich um einen medizinischen Notfall.
Ein Sonnenstich entsteht durch direkte Sonneneinstrahlung auf Kopf und Nacken. Dabei erhitzt sich vor allem das Gehirn, die Körperkerntemperatur bleibt jedoch meist normal. Typische Symptome sind Kopf- und Nackenschmerzen, Schwindel, Übelkeit sowie ein geröteter und heißer Kopf.
Beim Hitzschlag dagegen versagt die körpereigene Temperaturregulation. Die Körpertemperatur steigt auf über 40 Grad, der gesamte Organismus überhitzt. Die Haut ist oft heiß und trocken, weil das Schwitzen ausbleibt. Betroffene wirken verwirrt, desorientiert oder verlieren sogar das Bewusstsein.
Was im Notfall zu tun ist
Sowohl bei Sonnenstich als auch bei Hitzeschäden gilt:
- Sofort in den Schatten oder an einen kühlen Ort bringen
- Hinlegen und enge Kleidung lockern
- Mit feuchten Tüchern kühlen, besonders an Nacken, Achseln und Leisten
- Flüssigkeit anbieten, sofern die Person bei Bewusstsein ist
Wichtig: Besteht der Verdacht auf einen Hitzschlag oder verliert die betroffene Person das Bewusstsein, muss sofort der Notruf 112 verständigt werden.
Quelle: Universitätsklinikum Bonn


