
Der eigentliche Einsatz für L-Thyroxin ist der Ersatz bei einer Schilddrüsenunterfunktion. In Deutschland wurde L-Thyroxin über viele Jahre zur Behandlung von Schilddrüsenknoten verordnet. Es gibt jedoch keine wissenschaftliche Evidenz, dass eine langfristige Behandlung mit Schilddrüsenhormon einen relevanten Einfluss auf die Bildung und Größe von Schilddrüsenknoten nimmt.
Das berichtete der Endokrinologe Prof. Joachim Feldkamp auf einer Pressekonferenz.
Einnahme von L-Thyroxin
L-Thyroxin wird in der Schilddrüse produziert und im Blut an Eiweißen angelagert und transportiert. Auf diese Weise bildet L-Thyroxin einen Vorrat an Schilddrüsenhormonen für die Versorgung des Organismus. Jede Körperzelle ist in der Lage, aus L-Thyroxin (T4) Trijodthyronin (fT3) durch eine Umwandlung herzustellen. Trijodthyronin ist das aktive wirksame Schilddrüsenhormon.
Neben der Produktion von L-Thyroxin (ca. 95 % der Hormonproduktion) stellt die Schilddrüse auch etwa 5 % Trijodthyronin (fT3) her. Durch die Fähigkeit der Umwandlung von T4 zu T3 durch die Körperzellen ist es in der Regel völlig ausreichend, einmal pro Tag 1 Tablette L-Thyroxin einzunehmen.
Nur in ganz wenigen Fällen profitieren Patient*innen auch von einer Gabe eines Kombinationspräparates aus T3 und T4. Neben diesen Präparaten existieren aus tierischen (Schweine-) Schilddrüsen hergestellte Trockenextrakte. Diese enthalten überproportional viel T3 im Vergleich zum Schilddrüsenhormonhaushalt des Menschen.
Nahrungsmittel können L-Thyroxin-Aufnahme beeinträchtigen
Nahrungsmittel können die Aufnahme von Schilddrüsenhormon beeinträchtigen.
- Es wird die Einnahme morgens 20 bis 30 Minuten vor dem Frühstück empfohlen.
- Besonders Kaffee, Tee und Kalzium können die Aufnahme von L-Thyroxin behindern.
- Bei einigen Menschen kann es daher sinnvoll sein, das Medikament abends 2 Stunden nach der letzten Mahlzeit auf nüchternen Magen einzunehmen.
Neben der Tablettenform gibt es auch flüssige L-Thyroxin-Präparate, die besonders bei Kindern und bei Menschen mit Schluckstörungen sinnvoll eingesetzt werden können. Auch gelatinehaltige Weichkapseln können in einigen Fällen die Resorption des L-Thyroxins verbessern. Die Dosierung von L-Thyroxin richtet sich primär am Körpergewicht aus und wird dann gesteuert durch die Messung des in der Hirnanhangsdrüse produzierten Hormons TSH.
Überbehandlung häufig bei älteren Patient*innen
Bei einer nicht ausreichenden Therapie zeigen sich weiterhin die Zeichen der Unterfunktion. Bei einer Überversorgung kann es zu klinischen Zeichen der Überfunktion kommen mit
- innerer Unruhe,
- Schlaflosigkeit,
- Pulsbeschleunigung und
- auch Herzarrhythmien. Dabei besteht die Gefahr der Auslösung von Vorhofflimmern.
In Deutschland wurde über viele Jahre zur Behandlung von Schilddrüsenknoten L-Thyroxin verordnet. Es gebe jedoch keine wissenschaftliche Evidenz, dass eine langfristige Behandlung mit Schilddrüsenhormon einen relevanten Einfluss auf die Schilddrüsenknotenbildung und die Größe von Schilddrüsenknoten nimmt, berichtet Joachim Feldkamp.
Ein Teil dieser Menschen ist unnötig behandelt worden mit der Gefahr der Auslösung von kardiovaskulären Ereignissen. Dies betrifft insbesondere die ältere Bevölkerung. Ohne dass eine Zunahme der Häufigkeit von Schilddrüsenerkrankungen besteht, wurde L-Thyroxin in Deutschland in den letzten 15 Jahren um mehr als 30 % häufiger verordnet. Mögliche Ursache könnte die nicht indizierte Verordnung bei Allgemeinsymptomen wie Müdigkeit oder Übergewicht sein. Damit bestehe eine Überversorgung mit L-Thyroxin, so der Endokrinologe.
Hintergrund: Schilddrüsenunterfunktion
Ursachen
Die Hauptursache für eine Schilddrüsenunterfunktion ist die Autoimmunthyreoiditis (Hashimoto-Thyreoiditis). Seltenere Ursachen für eine Schilddrüsenunterfunktion sind angeborene Störungen der Produktion, des Transportes und der Verarbeitung von Schilddrüsenhormon.
Auch nach einer Entfernung oder einer Teilentfernung der Schilddrüse sowie nach einer Radiojodtherapie kann eine Schilddrüsenunterfunktion auftreten, die eine Behandlung mit L-Thyroxin notwendig macht.
Symptome
Eine Schilddrüsenunterfunktion zeigt sich mit folgenden Symptomen:
- starke Müdigkeit,
- Antriebslosigkeit,
- depressive Stimmung,
- Kälteempfindlichkeit,
- langsamer Pulsschlag,
- Wassereinlagerungen,
- raue Stimme und
- Neigung zu Verstopfung.
Quelle: Online-Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie/30.11.2025


