
In Deutschland sind rund 80 % der anspruchsberechtigten Menschen nicht oder nur unvollständig gegen Herpes zoster geimpft. Das entspricht 20 Millionen Menschen ab 60 Jahren, für die die Impfung seit Mai 2019 Kassenleistung ist. Dabei kann die Impfung 2 von 3 Erkrankungen durch die Gürtelrose verhindern. Das geht aus dem BARMER-Arzneimittelreport 2025 hervor.
Vulnerabelste Patientengruppe nur wenig geschützt
"Die HZV-Impfung verringert das Erkrankungsrisiko einer Gürtelrose erheblich. Die bisherige Impfquote ist jedoch absolut unzureichend. Die Versicherten haben Anspruch auf die Impfung und sollten diese auch angeboten bekommen", sagt Prof. Christoph Straub von der BARMER. Dass die Impfung wirke, verdeutliche der Arzneimittelreport. Im Jahr 2023 seien demnach 11,4 je 1000 ungeimpfter und 4,1 je 1000 geimpfter Versicherte an der Gürtelrose erkrankt.
Der Arzneimittelreport beruht auf den Datenanalysen von Dr. Veronika Lappe vom Universitätsklinikum Köln. Daraus geht hervor, dass die Impfquote gegen Gürtelrose gerade bei Älteren auffallend niedrig ist.
- Bei Personen ab 85 Jahren sind nur 15,5 % der BARMER-Versicherten vollständig geimpft.
- Mit 60 Jahren erhalten weniger als 10 % der Anspruchsberechtigten zumindest die erste der 2 erforderlichen Impfungen.
Nachdem die Erstimpfungsrate bis zum Jahr 2022 in allen Altersklassen langsam angestiegen war, ist sie im Jahr 2023 außer bei den 60- und 61-Jährigen zurückgegangen. Am stärksten war der Rückgang bei den 75-Jährigen von 12,6 auf 9,2 %. "Die Impflücken bei Herpes zoster sind zuletzt größer geworden, anstatt kleiner. Hier muss dringend gegengesteuert werden. Es sollte sichergestellt werden, dass diejenigen, für die die Impfung empfohlen wird, auch diese Information und ein Impfangebot erhalten", sagt der Autor des Arzneimittelreports, Prof. Daniel Grandt vom Klinikum Saarbrücken.
HZV-Impfquoten in Hausarztpraxen zwischen 0 und 88 %
Dem Arzneimittelreport zufolge gibt es bei der HZV-Impfquote deutschlandweit enorme Unterschiede zwischen den Hausarztpraxen. Diese reicht von 0 bis 88 %, wie eine Analyse auf Basis der Impfquoten bei anspruchsberechtigten BARMER-Versicherten ergab. "Stark variierende HZV-Impfquoten legen die Vermutung nah, dass nicht alle hausärztlichen Praxen gleichermaßen strukturiert ihren Impfberechtigten die Herpes-zoster-Impfung anbieten. Impfen ist grundsätzlich Aufgabe aller Praxen. Ob einem Patienten die indizierte Impfung angeboten wird, darf nicht davon abhängen, zu welchem Hausarzt er geht", sagt Straub.
Zu unterschiedlich hohen Impfquoten könnten viele Ursachen beitragen. Eine vertiefende Analyse des BARMER-Reports lasse vermuten, dass Unterschiede bei der praxisindividuellen Organisation des Angebots von Schutzimpfungen ein wichtiger Faktor sein könnten. So impften die Praxen mit geringer Herpes-zoster-Impfrate auch seltener gegen Influenza. Dies lege nahe, dass es bei den weniger impfenden Praxen keine selektive Impfskepsis explizit gegen Gürtelrose gebe.
Große regionale Unterschiede bei der Impfquote
Der Arzneimittelreport zeigt ebenso, dass die Impfquote bei Herpes zoster nicht nur in den Arztpraxen sehr unterschiedlich ausfällt, sondern auch mit Blick auf einzelne Bundesländer. So sind in den östlichen Bundesländern die Impfquoten bei BARMER-Versicherten am höchsten und fallen ab von 29,3 % in Sachsen-Anhalt auf 15,4 % in Bayern und 15,2 % in Baden-Württemberg als Schlusslicht.
"Diese regionalen Unterschiede haben wir zuvor bereits bei Kinderimpfungen erkannt. Sie zeigen, in welchen Regionen Informations- und Aufklärungskampagnen zu Schutzimpfungen besonders wichtig sind", so Grandt.
Quelle: BARMER-Arzneimittelreport 2025


