KrankheitserregerMücken, Zecken, Parasiten: Wie man sich am besten schützt

Welche Infektionsrisiken bestehen? Worauf sollten Reisende im Sommer achten? Der Mikrobiologe Prof. Achim Hörauf beantwortet die wichtigsten Fragen.

Nahaufnahme eines Moskitos an einem Blatt
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Stechmücken sind unter Umständen mehr als lästig. Besonders in südlichen Ländern können sie zu Infektionen mit Krankheitserregern führen.

Egal ob Fernreise, Camping am See oder Badeurlaub am Mittelmeer: Wer sich in der Natur aufhält oder mit Tieren in Kontakt kommt, sollte sich der möglichen Infektionsrisiken bewusst sein. Der Bonner Mikrobiologe und Parasitologe Prof. Achim Hörauf erklärt, worauf Reisende achten sollten, welche Gefahren oft unterschätzt werden – und warum Kinder besonders gefährdet sind.

Mehr Sonne, mehr Parasiten

"Im Sommer verbringen wir einfach mehr Zeit draußen – und damit auch im Lebensraum vieler Parasiten", so Hörauf. Vor allem Mücken und Zecken haben bei warmen Temperaturen ideale Bedingungen. Zecken können beispielsweise Borreliose oder FSME übertragen. Besonders häufig trifft es Menschen, die viel im Garten arbeiten oder in der Natur campen.

Auch Mücken werden in südlichen Ländern zur Gefahr – als Überträger von Krankheiten. "Gerade im Mittelmeerraum treten vermehrt Infektionen auf, die früher als tropisch galten", so der Parasitologe.

Sandmücken: Gefahren auch in Europa

Das Risiko innerhalb Europas werde meist unterschätzt. In Ländern wie Italien, Spanien, Griechenland oder Kroatien sind mittlerweile Parasiten aktiv, die vor einigen Jahrzehnten hauptsächlich in Afrika oder Asien zu finden waren.

Ein Beispiel: die Leishmaniose, übertragen durch winzige Sandmücken. Sie tritt besonders im östlichen Mittelmeerraum auf – aber auch auf beliebten Urlaubsinseln wie Mallorca.

"Diese Parasiten bleiben häufig lange unbemerkt im Körper und können erst Jahre später Symptome verursachen – zum Beispiel bei einer Immununterdrückung, wenn Ärzte gegen eine Autoimmunkrankheit ankämpfen und das Immunsystem dämpfen müssen", warnt der Experte.

Auch der sogenannte Hundehautwurm ist inzwischen in Europa heimisch. Hunde können sich durch Mückenstiche infizieren, symptomlos bleiben – und die Parasiten dennoch weitergeben. Beim Menschen können die Larven durch das Gewebe wandern, mitunter in die Lunge. "Das kann dann im Röntgenbild wie ein Tumor aussehen."

Tropenreisen: Malaria, Amöben und gefährliche Durchfälle

In tropischen Regionen drohen neben Malaria auch andere parasitäre Erkrankungen wie Amöbiasis oder Giardiasis. Diese verursachen oft anhaltenden oder wiederkehrenden Durchfall. "Manche Erreger bleiben unbemerkt im Körper, bilden sogenannte Zysten – und können später, bei Stress oder anderen Infektionen, wieder aktiv werden."

Besonders gefährlich sind blutige Durchfälle: "Das ist ein Warnsignal. In solchen Fällen muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden." Infektionen mit Shigellen oder Salmonellen können schwere Komplikationen verursachen und im schlimmsten Fall lebensbedrohlich werden.

Kinder besonders gefährdet

Kinder stecken sich besonders leicht an – zum Beispiel beim Spielen im Sand oder durch engen Kontakt mit Tieren. "Sie nehmen vieles in den Mund, laufen barfuß oder liegen ohne Handtuch am Strand. Das sind typische Infektionssituationen", so Hörauf. Sandkästen, in denen Katzen oder Hunde ihre Spuren hinterlassen haben, können Spulwurmeier oder Toxoplasmose-Erreger enthalten.

Auch barfuß über tropische Straßen zu laufen oder durch einen Süßwassersee zu waten – zum Beispiel in Afrika oder Asien – kann riskant sein. Über die Haut dringen bestimmte Wurmarten ein, wie etwa der Erreger der Bilharziose.

Symptome oft spät – moderne Diagnostik hilft

Das Tückische: Viele Parasiten verursachen erst nach Wochen oder Monaten Beschwerden – oder gar keine. "Einige Parasiten sind wahre Überlebenskünstler. Sie warten im Körper, bis das Immunsystem geschwächt ist – dann schlagen sie zu."

Deshalb ist die Diagnostik so wichtig. Am Uniklinikum Bonn werden hochspezialisierte molekularbiologische Verfahren eingesetzt. Sie erkennen selbst geringe Mengen an Erregern – auch wenn die Infektion bereits zurückliegt. "Damit können wir gezielt behandeln und vermeiden, dass ein Parasit überlebt und später wieder Probleme macht."

Schutz durch Impfungen und gesunden Menschenverstand

Viele Erkrankungen lassen sich durch einfache Vorsichtsmaßnahmen vermeiden. Dazu zählen:

  • Schutz vor Mücken: lange Kleidung, Insektenschutzmittel, Moskitonetz
  • Vorsicht beim Essen: keine rohen Speisen, kein Leitungswasser; in Bars lieber auf Gläser verzichten (weil sie evtl. nicht gut gewaschen sind) und direkt aus der Flasche trinken
  • Hygiene: gründliches Händewaschen
  • Kein Baden in unbekannten Süßgewässern
  • Tiere meiden, die nicht geimpft oder gepflegt wirken
  • Nach dem Urlaub Tiere vom Tierarzt untersuchen lassen

Gegen einige Krankheiten gibt es zudem Impfungen – etwa gegen Gelbfieber oder (eingeschränkt) gegen Dengue. Gegen Malaria existiert bislang keine Touristenimpfung, aber eine medikamentöse Prophylaxe. Vor Tropenreisen sollte man unbedingt in einem Reisemedizinischen Zentrum seinen Impfstatus überprüfen und sich entsprechend beraten lassen. Das Reisemedizinische Zentrum des UKB verfügt u.a. über eine Gelbfieberimpfstelle: www.ukbonn.de/ihph/impfsprechstunde/.

Fazit

Reisen in wärmere Regionen – ob innerhalb Europas oder in die Tropen – bringen nicht nur Erholung, sondern auch neue gesundheitliche Herausforderungen mit sich. Viele parasitäre Erkrankungen sind vermeidbar, wenn man sich gut informiert, aufmerksam bleibt und einfache Schutzmaßnahmen umsetzt.

Wichtig ist, Symptome nach der Rückkehr ernst zu nehmen – auch wenn sie erst verzögert auftreten. Die richtige Diagnostik und medizinische Begleitung helfen dabei, Infektionen frühzeitig zu erkennen und gezielt zu behandeln.

Quelle: Universitätsklinikum Bonn