
Nackenschmerzen gehören zu den häufigsten Beratungsanlässen in der hausärztlichen Praxis. Die S3-Leitlinie Nicht-spezifische Nackenschmerzen hat ein Update und ein Upgrade bekommen und steht ab sofort online zur Verfügung. Sie wurde von der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) erarbeitet.
Nackenschmerzen haben in der Regel keine gefährliche Ursache. "Trotzdem gilt es auch hier, genau hinzuschauen, um die (wenigen) abwendbar gefährlichen Verläufe herauszufiltern. Insofern ist die Behandlung dieser Schmerzen ein Paradebeispiel für die Arbeitsweise in der Allgemeinmedizin, deren Ziel es ist, das richtige Maß zu treffen – also das Richtige zu tun und das Überflüssige oder gar Schädliche zu unterlassen", erklärt DEGAM-Präsident Prof. Martin Scherer.
Bewegung und Kommunikation
In der Leitlinie wird die aktuelle Evidenz zusammengefasst:
- Am wirksamsten ist Bewegung.
- Auch Wärmeanwendungen sind als Mittel zum Zweck sinnvoll und tragen dazu bei, eine Schonhaltung zu vermeiden, die die Schmerzen in der Regel verstärken würde.
- Überschätzt werden hingegen die Effekte von Analgetika, passiven Therapien (Massage, Akupunktur, physikalische Methoden, Taping etc.) sowie die Rolle von bildgebenden Verfahren.
Damit übernimmt die neue Version der Leitlinie zentrale Therapieempfehlungen aus der Vorgängerversion. Wichtige Änderungen gibt es bei den Empfehlungen zur Patientenedukation: In der Leitlinie wird aufgezeigt, dass eine gelingende Kommunikation mit den Patient*innen gute Ergebnisse in der Therapie bringt.
"Die Leitlinie zeigt uns ganz deutlich, dass Bewegung bei Nackenschmerzen das Maß aller Dinge ist. Um Patient*innen dazu zu motivieren, braucht es ein gutes, wertschätzendes Gespräch", kommentiert Prof. Thomas Kötter, federführender Autor der Leitlinie für die DEGAM.
Dass ein stärkerer Fokus auf der Kommunikation liegt, ist berechtigt. Denn die Wirksamkeit von Bewegung bei Nackenschmerzen ist noch nicht überall angekommen. "Viele Patient*innen fürchten, dass Bewegung schaden könnte. Eine gute Kommunikation bedeutet, diese Ängste ernst zu nehmen. Es ist wichtig, über individuelle Krankheitsvorstellungen, Sorgen und Erwartungen offen zu sprechen und verschiedene Ansätze vorzustellen, um Bewegung zu ermöglichen", so Thomas Kötter weiter. Hier sei es wichtig, auf entsprechende Schmerzmittel hinzuweisen.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin


