
Das Gefährlichste ist nicht der Prostatakrebs. Denn wird er rechtzeitig erkannt, ist er in den meisten Fällen gut behandelbar. Wirklich gefährlich ist die Haltung vieler Männer: Ignoranz, falsche Scham oder übertriebene Selbstsicherheit halten sie nach wie vor von der Vorsorge ab.
Mit dieser Botschaft startet die Urologische Stiftung Gesundheit gGmbH (USG) die zweite Runde ihrer Aufklärungsinitiative "Prostata – der wunde Punkt des Mannes". Damit rückt die Stiftung das Thema Früherkennung in den Mittelpunkt.
Weniger als ein Viertel der Männer nutzt die Früherkennung
Jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 75.000 Männer an einem Prostatakarzinom, etwa 15.000 sterben daran. Dennoch nutzen nur 17 Prozent der 50- bis 54-Jährigen und 24,8 Prozent der 60- bis 64-Jährigen das gesetzliche Angebot zur Krebsfrüherkennung.
Prof. Axel Merseburger von der Deutschen Gesellschaft für Urologie erinnert daran, dass eine konsequente Inanspruchnahme dieser Untersuchungen die Sterberate deutlich senken könnte. Prof. Christian Wülfing von der USG verweist darauf, dass die relative Fünf-Jahres-Überlebensrate bei früh entdecktem Tumor weiterhin rund 90 Prozent beträgt. Dieser Wert bleibe aber ohne aktive Teilnahme an der Vorsorge unerreichbar.
PSA-Bluttest ersetzt rektale Tastuntersuchung
Rückenwind erhält der Appell an einer Früherkennungsuntersuchung teilzunehmen durch die 8. Version der evidenzbasierten S3-Leitlinie Prostatakarzinom. Diese wurde im Juli 2025 veröffentlicht. Wichtige Neuerungen für die Früherkennung von Prostatakrebs sind:
- Der PSA-Bluttest ist nun der evidenzbasierte Standard der Früherkennung.
- Die bisher übliche digitale rektale Untersuchung rückt in den Hintergrund.
- Das risikoadaptierte Konzept sieht je nach PSA-Wert Kontrollintervalle von 2 bis 5 Jahren vor und setzt bei auffälligen Ergebnissen auf Magnetresonanztomografie und gezielte Biopsien.
- Niedrigrisiko-Tumoren sollen primär in einem Programm der aktiven Überwachung geführt werden, um Lebensqualität zu erhalten und Übertherapien zu vermeiden.
Wülfing betont, dass ein einfacher Bluttest die schambesetzte Tastuntersuchung ersetzt und damit die letzten Ausreden entfallen.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Urologie


