ProstatakarzinomProstatakrebs: PSA-Test neuer Standard zur Früherkennung

Studien zeigen, dass der PSA-Test der Tastuntersuchung überlegen ist. Er soll künftig im Zentrum der gesetzlichen Früherkennung von Prostatakrebs stehen.

angellodeco/stock.adobe.com
PSA-Test wird neuer Standard zur Früherkennung.

Das Leitlinienprogramm Onkologie hat die S3-Leitlinie zum Prostatakarzinom überarbeitet. Die wichtigsten Neuerungen betreffen die Empfehlung zu einer risikoadaptierten PSA-basierten Früherkennung, den erweiterten Einsatz der MRT-Diagnostik und die Empfehlung zur aktiven Überwachung bei Niedrigrisiko-Tumoren.

Die Tastuntersuchung der Prostata wird zur Früherkennung ausdrücklich nicht mehr empfohlen. Sie bleibt aber fester Bestandteil der individuellen Risikoabschätzung und urologischen Diagnostik.

PSA-Test als neuer Standard – Tastuntersuchung nur bei Bedarf 

Im Rahmen der gesetzlichen Krebsfrüherkennung übernehmen Krankenkassen für Männer ab 45 Jahren eine jährliche Tastuntersuchung, die digital-rektale Untersuchung (DRU). Erstmals spricht die Leitlinie nun ausdrücklich eine negative Empfehlung zur DRU in der Früherkennung aus. Stattdessen soll nach Empfehlung der Leitlinie Männern ab 45 Jahren – nach ärztlicher Beratung – ein PSA-basiertes Screening angeboten werden, bei dem der Wert des Prostata-spezifischen Antigens (PSA) bestimmt wird:

  • Bei besonders niedrigen Werten: Kontrolluntersuchung nach 5 Jahren 
  • Ansonsten: Kontrolluntersuchung alle 2 Jahre
  • Ab einem bestätigten PSA-Wert über 3 ng/ml: Weitere Abklärung 

Die DRU kann dabei ergänzend im Rahmen der individuellen Risikoabschätzung eingesetzt werden, etwa bei auffälligem PSA-Wert oder klinischem Verdacht auf andere Erkrankungen.

„Studien zeigen, dass die Tastuntersuchung dem PSA-Test deutlich unterlegen ist. Sie führt sowohl zu zu vielen falsch-negativen als auch zu vielen falsch positiven Befunden, deren weitere Abklärung mit Risiken verbunden ist. Die neue Empfehlung gegen die DRU und für die neue PSA-basierte Strategie ist ein Beispiel für evidenzbasierte, risikoadaptierte Früherkennung“, so Professor Marc-Oliver Grimm vom Universitätsklinikum Jena. „Wir hoffen, dass der Gemeinsame Bundesausschuss auf Basis dieser Empfehlungen die Regelungen zur gesetzlichen Früherkennung prüft und entsprechend anpasst.“

MRT gestärkt – weniger unnötige Biopsien

Das Kapitel „Diagnostik“ wurde grundlegend überarbeitet. Die Magnetresonanztomographie (MRT) der Prostata wurde in der Primärdiagnostik gestärkt, differenziert nach Risiko und diagnostischer Konsequenz. Eine wesentliche Neuerung: Bei PI-RADS 1 und 2-Befunden, die auf eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit eines Prostatakarzinoms hinweisen, soll auf eine Biopsie verzichtet werden.

Außerdem enthält die Leitlinie aktualisierte Diagnostik-Empfehlungen für:

  • Indikation und Durchführung bildgestützter Biopsien
  • Diagnostik bei familiärer/genetischer Belastung (inkl. Empfehlung zur humangenetischen Beratung)
  • Stadieneinteilung auf Basis moderner Bildgebung (inkl. MRT und PSMA-PET/CT)

Überwachung statt Überbehandlung bei Niedrigrisiko

Eine der zentralen therapeutischen Änderungen betrifft die Behandlung lokal begrenzter Niedrigrisiko-Tumoren, die häufig keiner Behandlung bedürfen: Hier wird ausschließlich die aktive Überwachung empfohlen, nicht mehr die primäre lokale Therapie durch Operation oder Bestrahlung. Auch für sogenannte günstige-intermediäre Tumoren hat diese Strategie an Bedeutung gewonnen.

„Therapien des Prostatakarzinoms sind oft mit Nebenwirkungen und Einschränkungen der Lebensqualität verbunden“, sagt Grimm. „Mit der aktiven Überwachung vermeiden wir Überbehandlungen und behalten gleichzeitig den Patienten im Blick, um Handeln zu können, sobald es nötig ist.“

Für das metastasierte Setting wurde die Leitlinie um neue Therapieoptionen ergänzt.

Hintergrund

Prostatakrebs ist mit Abstand die häufigste bösartige Tumorerkrankung bei Männern. Laut Robert Koch-Institut gab es im Jahr 2022 rund 74.900 Neuerkrankungen. Der Tumor ist eine Alterserkrankung. Vor dem 50. Lebensjahr tritt das Prostatakarzinom selten auf.

Finanziert wurde die Aktualisierung der Leitlinie von der Deutschen Krebshilfe im Rahmen des Leitlinienprogramms Onkologie.

Quelle: Deutsche Krebsgesellschaft