PräventionSepsis durch Infektionen im Mundraum unterschätzt

Nicht behandelte Infektionen im Mundraum können zum Notfall Sepsis führen. Die Sepsis Stiftung betont die Bedeutung einer guten Mundgesundheit.

Illustration: Zahn und Bakterien
freshidea/stock.adobe.com
Infektionen an einem Zahn oder dem Zahnfleisch können sich auf Kieferknochen, Weichteile des Gesichts oder tiefe Halsregionen ausbreiten.

Infektionen an Zähnen und am Zahnhalteapparat sollten unbedingt behandelt werden. Darauf weist die Sepsis Stiftung hin. Demnach können unbehandelte Infektionen im Mundraum, aber auch Infektionen durch Zahnbehandlungen selbst zu einer Sepsis führen.

Sepsis zählt mit schätzungsweise 140.000 Todesfällen jährlich zu den häufigsten Todesursachen in Deutschland – und entsteht in rund 80 Prozent der Fälle außerhalb des Krankenhauses. Die Stiftung betont die Bedeutung einer guten Mundgesundheit sowie einfacher Präventionsmaßnahmen.

Zahn- und Zahnfleischinfektionen können sich ausbreiten

Infektionen an einem Zahn oder dem Zahnfleisch können sich auf Kieferknochen, Weichteile des Gesichts oder tiefe Halsregionen ausbreiten. Aufgrund der Nähe zu den Atemwegen, großen Blutgefäßen und dem Gehirn können schwere Infektionen im Mundraum lebensbedrohlich werden und zu Sepsis oder anderen schwerwiegenden Komplikationen führen.

„Wenn unser Körper eine Infektion nicht schnell und wirksam genug begrenzen kann, kann es zu dem lebensbedrohlichen Notfall Sepsis kommen. Es ist für mich immer wieder erschreckend, wie wenig wir als Gesellschaft über Sepsis hören und wissen – obwohl Sepsis zu den häufigsten medizinischen Notfällen und Todesursachen in Deutschland gehört. Gezielte Prävention und das Kennen der Warnzeichen retten Leben", erklärt Iljana Schmitz von der Sepsis-Stiftung.

Bakterien im Blut nach Zahnbehandlungen – nicht immer harmlos

Bei zahnärztlichen Eingriffen – beispielsweise Zahnextraktionen, Parodontalbehandlungen oder auch professionelle Zahnreinigungen – gelangen häufig Bakterien in den Blutkreislauf. Diese Bakteriämie ist in den meisten Fällen harmlos, da das Immunsystem sie meist schnell und ohne Symptome beseitigt.

Vor allem bei Menschen mit Herzklappenerkrankungen, geschwächtem Immunsystem, Diabetes mellitus, Tumorerkrankungen oder in höherem Lebensalter besteht dabei allerdings ein erhöhtes Risiko für schwere Infektionen.

Antiseptische Mundspülungen könnten das Risiko reduzieren

Einige Zahnarztpraxen bieten vor den meisten Behandlungen – selbst vor der professionellen Zahnreinigung – prinzipiell eine vorbereitende antiseptische Mundspülung an, meist mit Chlorhexidin. Studien zeigen, dass diese Maßnahme das Auftreten vorübergehender Bakteriämien deutlich reduzieren kann. Darüber hinaus kann auch die Dauer der Bakteriämien verkürzt werden. Einen vollständigen Schutz bietet diese Maßnahme allerdings nicht.

Der beste Schutz bleibt gute Mundgesundheit und Prävention

Die Sepsis-Stiftung betont die Wichtigkeit regelmäßiger zahnärztlicher Vorsorgeuntersuchungen, einer konsequenten Mundhygiene sowie der frühzeitigen Behandlung von Zahn- und Zahnfleischerkrankungen. Diese gehören zu den wirksamsten Maßnahmen, um schwere Infektionen im Mundraum und Sepsis zu verhindern.

Über Sepsis

Sepsis kann durch Infektionen mit Bakterien, Viren, Pilzen oder Parasiten verursacht werden. Bei einer Sepsis schädigt der Abwehrkampf des Körpers gegen eine Infektion eigene Organe und Gewebe. Nicht rechtzeitig behandelt, führt Sepsis meist innerhalb kürzester Zeit zu Multiorganversagen und Schock. 

Quelle: Sepsis Stiftung

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