
Mehr Leistungsfähigkeit, bessere Konzentration und ein aktiverer Stoffwechsel? Bernsteinsäure (Succinic Acid) erlebt aktuell einen Aufschwung als vermeintlicher Energie-Booster in Nahrungsergänzungsmitteln. Der Pharmakologe Dr. Martin Coenen vom Universitätsklinikum Bonn ordnet die wissenschaftlichen Hintergründe ein – und erklärt, warum viele dieser Effekte bislang nicht belegt sind.
Bernsteinsäure: Natürlicher Bestandteil des Energiestoffwechsels
Bernsteinsäure ist ein natürlicher Bestandteil des menschlichen Energiestoffwechsels. Der Name geht auf ihre historische Gewinnung durch Destillation von Bernstein zurück. Heute weiß man:
- Succinat entsteht in jeder Zelle als Zwischenprodukt des Citratzyklus und spielt eine zentrale Rolle bei der Energieproduktion.
- Darüber hinaus wirkt es als Signalmolekül, beeinflusst Immunreaktionen und wird auch von Darmbakterien gebildet.
- Der Körper kann daher selbst große Mengen des Stoffes produzieren – unabhängig von der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln.
Trotzdem wird Bernsteinsäure zunehmend als Supplement vermarktet. „Grundlage dafür sind vor allem Labor- und Tierstudien, in denen Succinat den Fettstoffwechsel beeinflussen, entzündliche Prozesse modulieren oder die Entwicklung braunen Fettgewebes steigern konnte. Doch belastbare klinische Daten aus Humanstudien fehlen bislang“, erläutert Coenen.
Aussagen über gesteigerte Energie, bessere Konzentration oder einen beschleunigten Stoffwechsel beim Menschen sind demnach wissenschaftlich nicht belegt.
Nutzen bisher nicht nachgewiesen
Nach Einschätzung von Coenen gebe es derzeit keinen Grund für gesunde Menschen, Bernsteinsäure zusätzlich einzunehmen. Der Körper decke seinen Bedarf zuverlässig selbst. Auch über die Ernährung gelangen ausreichende Mengen in den Organismus. Zudem sei die Aufnahme von Bernsteinsäure aus Nahrungsergänzungsmitteln gering und die Effekte einer Supplementierung nicht hinreichend untersucht.
Während geringe Mengen grundsätzlich als unbedenklich gelten können, zeigte sich in Laborstudien, dass Succinat bestimmte Leberenzyme hemmen kann, die für den Abbau vieler Medikamente wichtig sind. Dadurch könnten Wechselwirkungen entstehen – insbesondere bei blutdrucksenkenden Mitteln, Antidepressiva oder Blutgerinnungshemmern. Belastbare klinische Studien hierzu liegen jedoch noch nicht vor.
Fazit: Ausgewogene Ernährung macht Nahrungsergänzung überflüssig
Bernsteinsäure ist ein essenzieller Bestandteil des körpereigenen Energiestoffwechsels – doch als Nahrungsergänzungsmittel bleibt ihr Nutzen bislang unbewiesen.
Der Pharmakologe Dr. Martin Coenen empfiehlt:
- gesundheitsbezogene Werbeaussagen kritisch zu betrachten,
- auf wissenschaftlich fundierte Daten zu achten,
- sich einfach ausgewogen und gesund zu ernähren.
Dann sei die Zuführung einzelner Nährstoffe über Nahrungsergänzungsmittel nicht erforderlich.
Quelle: Universitätsklinikum Bonn


