
(Symmetrische) Beinschwellungen an heißen Tagen sind in erster Linie harmlos und mit einfachen Mitteln gut zu behandeln. Besteht allerdings bereits eine Venen- oder Lymphgefäßerkrankung kann sie sich in den heißen Monaten verschlechtern. Ist die Beinschwellung nicht beidseitig, muss sie zeitnah abgeklärt werden.
Der Gefäßspezialist Dr. Siamak Pourhassan hat hilfreiche Tipps für die Selbstbehandlung und wann der Gang zum Arzt indiziert ist.
Hitze und Venen
Die Venen sind zusammen mit unserer Haut die Klimaanlage des Körpers. Bei Hitze weiten sie sich, damit mehr Blut an die Hautoberfläche fließt und Wärme abgegeben wird. Bei Kälte ziehen sie sich zusammen, um die Wärme im Körperinneren zu halten.
Bei sehr hohen Temperaturen können allerdings Probleme auftreten. Da sich bei Hitze die Venen weiten, können sich vielfach die Venenklappen nicht richtig schließen: Es kommt zu einem Rückfluss des Blutes zurück in die Beine, gleichzeitig nimmt die Elastizität der Gefäße ab und sie werden durchlässiger. Das Lymphsystem, über das neben dem Venensystem 10 Prozent des Blutes zum Herzen zurück transportiert werden, wird dann tendenziell überlastet, was insgesamt zu schweren, müden oder geschwollenen Beinen führt.
Bei circa jedem 5. Bundesbürger liegt eine Venenerkrankung vor und die Symptome verstärken sich in den warmen Monaten.
Weniger Bewegung bei hohen Temperaturen verstärken das Problem zusätzlich. Die wichtige „Muskelpumpe“ fehlt dann als Rücktransportmechanismus und die Beine schwellen an. Wichtig ist beim Auftreten von Beinschwellungen, ob diese seitengleich auftreten oder eine Seitendifferenz vorliegt:
Bei seitendifferenten Beinschwellungen muss immer an eine relevante Erkrankung der Venen, häufig eine Beinvenenthrombose, gedacht und sicher ausgeschlossen werden. Hierzu sollte ein Gefäßspezialist aufgesucht werden.
Einfache Maßnahmen, um die Gefäße zu unterstützen
- Kneippʼsche Güsse: Beine kalt abduschen (immer von den Füßen aufwärts Richtung Herz), um die Gefäße zusammenzuziehen
- Ausreichend Bewegung: Die sogenannte „Muskelpumpe“ (zum Beispiel Wippen von den Fersen auf die Zehenspitzen, kurze Spaziergänge) aktiviert den Blutrückfluss
- Beine hochlagern
- Flüssigkeitszufuhr: viel Wasser oder ungesüßten Tee trinken, damit das Blut flüssig bleibt und die Gefäße entlastet werden
- Leichte Kost: Essen Sie leichte, obst- und gemüsereiche Mahlzeiten, um den Körper nicht unnötig zu belasten.
Weitere Maßnahmen zur Vorbeugung im Alltag
- Keine beengende Kleidung: Vermeiden Sie einschnürende Strümpfe oder enge Hosen, die den Blutrückfluss behindern.
- Kompressionsstrümpfe: Das Tragen von Kompressionsstrümpfen verhindert das Einlagern von Flüssigkeit in den Beinen effektiv. Moderne Sommer-Kompressionsstrümpfe setzen auf Klimafasern, die Feuchtigkeit aktiv durch Verdunstungskälte nutzen: Modelle mit speziellen Funktionsfasern sowie Mischungen mit Bio-Baumwolle leiten den Schweiß von der Haut weg und speichern ihn im Faserinneren. Durch die anschließende Verdunstung entsteht ein aktiver Kühleffekt auf der Haut.
- Helle Farben: Nutzen Sie im Sommer helle Farbtöne, da diese das Sonnenlicht reflektieren.
- Der „Wasser-Trick“ für unterwegs: Füllen Sie Leitungswasser in eine kleine Sprühflasche und besprühen Sie die Strümpfe direkt am Bein.
- Der „Kühlschrank-Trick“ am Morgen: Legen Sie Ihre Kompressionsstrümpfe vor dem Anziehen für 5 bis 10 Minuten in den Kühlschrank oder kurz ins Gefrierfach (am besten in einem Plastikbeutel verpackt). Das sorgt für ein erfrischendes Gefühl beim morgendlichen Anziehen und verengt die Gefäße direkt zu Tagesbeginn.
Hingegen sind häufig in der Werbung als „Wundermittel“ gepriesene Gels kritisch zu betrachten. Für als homöopathische Arzneimittel registrierte Gels existieren keine nach medizinischem Standard durchgeführten Wirksamkeitsstudien. Sie haben jedoch pflegende Effekte und kühlende Komponenten (wie Menthol), die von Anwendern bei Beinschwellung als angenehm empfunden werden können. Diese Effekte sorgen jedoch nur für ein kurzzeitiges, kosmetisches Wohlbefinden auf der Haut.
Wann zum Arzt?
- Wenn die Schwellung nur an einem Bein auftritt.
- Bei einseitigen Schmerzen, Rötungen, gelegentlich strangförmiger druckschmerzhafter Rötung, einem Überhitzen oder gar einem seitendifferenten kühleren Bein.
- Wenn die Schwellung sehr plötzlich auftritt oder Atemnot sowie Herzrasen hinzukommen.
- Wenn die Schwellung beider Beine unabhängig der warmen Tage anhält, denn dann kann eine relevante Erkrankung des Herzens oder der Nieren vorliegen; hier empfiehlt sich eine hausärztliche Vorstellung.
Quelle: Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin/8.6.2026


