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Seit der Erstbeschreibung im Jahr 1957 ist viel über das Thema Midlife-Crisis geschrieben und diskutiert worden. Das Konzept kommt ursprünglich aus der englischsprachigen Welt. Deshalb wird der englische Begriff viel häufiger als die deutschen Übersetzungen "Lebensmittekrise" oder "Mittlebenskrise" benutzt.
Viele Millionen von Männern sind Jahr um Jahr weltweit von diesem Phänomen betroffen. Trotzdem herrscht noch immer eine gewisse Unklarheit, was die Midlife-Crisis eigentlich genau ist, ganz zu schweigen von den Kontroversen darüber, was ihre Ursache ist. Eine beträchtliche Zahl an Ärzten und Wissenschaftlern vermutet jedoch, dass ein absinkender Testosteronspiegel eine maßgebliche Rolle hierbei spielen könnte.
Doch der Reihe nach.
Persönliche Krise im mittleren Alter
Zunächst muss festgestellt werden, dass zwar nicht alle, aber doch viele Menschen in der Mitte ihres Lebens, oft zwischen 35 und 55 Jahren, in eine persönliche Krise geraten.
Die Betroffenen grübeln viel, leiden unter innerer Unsicherheit, zweifeln das Erreichte an und sind oftmals mit sich, ihrer Situation und der Welt im Allgemeinen unzufrieden. Sie erleben Stimmungsschwankungen und werden auch von ihren Angehörigen als nicht in sich ruhend wahrgenommen. Häufig fühlen sie sich antriebsgemindert und erleben sich als kraftlos.
Das kann bei manchen so weit gehen, dass sie tatsächlich als unter einer Depression leidend diagnostiziert und auch so behandelt werden. Obwohl der eigentliche Grund die Midlife-Crisis ist.
Fraglos leiden die Betroffenen. Zwar scheint an manchen Tagen alles wieder normal zu sein, aber an anderen kehren die Zweifel und Fragen zurück, wobei der Prozess sich über viele Monate und Jahre hinzieht. Auch Frauen können unter einer solchen Midlife-Crisis leiden, aber im Allgemeinen bezieht man diesen Begriff auf Männer, wobei auch die betroffenen Frauen zumeist die Ursache ihrer Beschwerden in hormonellen Veränderungen finden können.
8 Fragen zur Midlife-Crisis
Noch liegt forschungsbedingt vieles im Dunkeln. Aber es gibt mittlerweile Regalschränke voller Ratgeber zum Thema Midlife-Crisis. Ein zentrales Problem liegt darin, dass es bisher keine allgemein anerkannte charkteristische Symptomkonstellation gibt.
Trotzdem lade ich Sie ein, sich die folgenden 8 Fragen zu stellen. Wenn Sie mehr als 2 davon mit einem Ja beantworten, könnte es sein, dass Sie unter einer solchen Midlife-Crisis leiden:
- Suchen Sie nach neuen und aufregenden Herausforderungen?
- Sind Sie unzufrieden mit dem bisher Erreichten?
- Stellen Sie Ihren Lebensweg in letzter Zeit infrage?
- Träumen Sie manchmal davon, Ihr altes Leben einfach hinter sich zu lassen und ein neues zu beginnen?
- Sind Sie beseelt davon, jünger und attraktiver auszusehen?
- Verbringen Sie mehr Zeit als früher vor dem Spiegel, um jünger auszusehen?
- Träumen Sie davon, etwas Wildes zu tun wie Motorrad zu fahren, Berge zu besteigen oder Fallschirm zu springen?
- Haben Sie Sehnsucht nach einer neuen und jüngeren Partnerin, obwohl Sie doch in einer guten Partnerschaft leben?
Um es zu betonen: Wenn Sie mehrere dieser Fragen mit Ja beantwortet haben, müssen Sie nicht unbedingt in einer Midlife-Crisis stecken. Aber da bis zu jeder vierter Mann im Laufe seines Lebens von ihr betroffen ist, sollten Sie zumindest erwägen, ob auch Sie dazu gehören, vor allem wenn Sie zwischen 35 und 55 Jahre alt sind.
Midlife-Crisis und Testosteron
Frappierend an der Lebensmittekrise ist, wie viele Aspekte und Beschwerden sich mit solchen decken, die ein Mann entwickelt, wenn sein Testosteronspiegel zu niedrig ist. Dafür muss man wissen, dass Testosteron ein vor allem im Hoden hergestelltes Hormon ist (daher auch der Name, denn lateinisch testis bedeutet Hoden). Testosteron wirkt auf bestimmte Organe besonders stark, z.B. Muskeln, Knochen, Gehirn, weil hier die Dichte an Testosteronrezeptoren hoch ist.
Frauen und Kinder produzieren zwar auch dieses Hormon (dort vor allem in auf den Nieren liegenden Organen namens Nebennieren und bei Frauen auch in den Eierstöcken), doch bei Männern ist die Konzentration um den Faktor 10-20 höher.
Die Menge des Testosterons variiert im Laufe des Lebens:
- Um die Pubertät herum steigt sie bei Männern schnell und stark an.
- Um Mitte 20 erreicht sie ihren Höchstwert: Das gemessene Gesamttestosteron liegt bei 300-1000 ng/dl bzw. 10-35 nmol/l. (Diese als normal angesehenen Werte können in verschiedenen Ländern und selbst bei örtlichen Laboren leicht variieren.)
- Spätestens ab dem 30. Lebensjahr beginnt der Testosteronwert allmählich zu sinken. Wissenschaftler gehen von einer jährlichen Abnahme von etwa 1-2% aus.
- 60-jährige Männer haben meist einen Testosteronwert von nur noch etwa der Hälfte dessen, wie um das 30. Lebensjahr.
Anti-Aging- und Pro-Testosteron-Strategien
Das Testosteron kann man durch eine Vielzahl an Anti-Aging- und hier vor allem Pro-Testosteron-Strategien beeinflussen. Nicht nur die Abnahme lässt sich verlangsamen, sondern zum Teil auf drastische Art und Weise rückgängig machen.
Etwa ein Viertel aller Männer leiden unter einem sogenannten Hypogonadismus - einem zu niedrigen Testosteronspiegel. Hier sieht man schon erste Ähnlichkeiten zur Midlife-Crisis, denn auch hier gehen Forscher davon aus, dass etwa ein Viertel unter ihr leiden. Daher vermuten manche Ärzte und Therapeuten, dass das Auftreten dieser Krise in einem Absinken des Testosterons begründet ist.
Nicht nur alterungsbedingt, sondern auch bei einem suboptimalen Lebensstil kommt es im Laufe des Lebens zu einer stetigen Abnahme des Testosteronspiegels. Ist dann jener kritische Punkt erreicht ist, an dem der Testosteronwert eine bestimmte Schwelle unterschreitet, treten genau jene Beschwerden auf, die als Midlife-Crisis bezeichnet werden, die aber in Wahrheit auch bei Männern mit einem niedrigen Testosteronwert festgestellt werden können: Unsicherheit, Müdigkeit, Neigung zu negativen und depressiven Gedanken, Stimmungsschwankungen, Ängste, Schwierigkeiten damit, die eigene Sterblichkeit akzeptieren zu können und Selbstzweifel.
Außerdem ist es aufschlussreich, dass viele der Aktivitäten, denen ein Mann zur Lösung dieser Midlife-Crisis nachgeht, intuitiv den Testosteronspiegel ansteigen lassen. Es ist, als würde der Körper gegen diesen abnehmenden Hormonspiegel rebellieren und unbewusst die Lösung gleich selbst anbieten.
Denn: Wer sich einen Sportwagen zulegt, erhöht sein Testosteron. Sport zu treiben und aktiver zu werden bewirkt das ebenfalls. Neue und riskante Hobbys, Rauchen von Zigaretten oder sogar der Seitensprung mit einer neuen Partnerin, so moralisch verwerflich das auch sein mag, führen ebenfalls zu einer Erhöhung des Testosterons. Der Körper heilt sich selbst.
Deshalb ist es in meinen Augen so wichtig, dass ein Mann diese Krise erkennt und es gar nicht erst so weit kommen lässt, dass er sein Leben radikal verändert. Denn wenn Sie oder jemand, den Sie kennen, in einer solchen Krise stecken, ist es viel besser, sein Testosteron mit weniger kontroversen Methoden zu erhöhen als eine dramatische und für alle Beteiligten nachteilige Veränderung wie eine Scheidung, einen Seitensprung oder die Kündigung einer festen und gutbezahlten Arbeitsstelle erleben zu müssen.
Mein Rat an Männer in einer solchen Krise wäre die Messung des Testosteronwerts oder einige Strategien einzusetzen, die den Testosteronspiegelwert ansteigen lassen. 5 Strategien bei Testosteronmangel finden Sie in diesem Blog-Beitrag.
5 Nahrungsergänzungsmittel
Nahrungsergänzungsmittel können den Testosteronwert positiv beeinflussen und gelten als Testosteron-Booster. Für einige, wie die folgenden 5, liegen bereits wissenschaftliche Untersuchungen vor. Ich empfehle allerdings, vor einer Anwendung mit einem Arzt oder Apotheker Ihres Vertrauens die Einnahme zu besprechen.
Mucuna pruriens
Diese in den Tropen beheimatete Pflanze trägt auch den Namen "Juckbohne". Ihre Haare um die Früchte herum können bei Kontakt zu starkem Juckreiz führen. In Pulver- und Tablettenform erfreut sie sich größerer Beliebtheit unter Sportlern und ist unter ihrem botanischen Namen Mucuna pruriens bekannt.
Mucuna pruriens kurbelt nachgewiesenermaßen die körpereigene Herstellung von Testosteron an [2]. Deshalb kann sie in einer Midlife-Crisis durchaus probiert werden.
Achtung: Man sollte auf zertifizierte Präparate zurückgreifen, da die Samen bei nicht sachgerechter Herstellung berauschend oder sogar toxisch wirken können.
Bockshornklee
Bockshornklee kommt natürlicherweise im Süden des deutschsprachigen Raums vor. Ursprünglich stammt sie aus dem Mittelmeerraum, hat sich aber mittlerweile weltweit verbreitet. Sie ist unter verschiedenen Namen bekannt wie Kuhhornklee, Siebenzeit, Feine Grete, Hirschwundkraut, Bockshornklee, aber auch unter der englischen Bezeichnung Fenugreek, die sich vom botanischen Namen Trigonella foenum-graecum ableitet.
Sie wird seit der Antike bei verschiedenen Krankheiten eingesetzt.Wissenschaftler konnten aufzeigen, dass sie zu einem Anstieg des Testosterons führt, wie auch eine Zunahme der sexuellen Lust, der Potenz und der Muskelmasse [3]. Deshalb ist sie als T-Booster beliebt und könnte ebenfalls bei der Midlife-Crisis ausprobiert werden.
Maca
Die Maca-Pflanze ist botanisch unter den Namen der 2 Hauptuntertypen Lepidum meyenii und Lepidum peruvianum bekannt. Sie wird seit Jahrtausenden in den südamerikanischen Anden angebaut. Maca ist dort in der indigenen Medizin als Heilpflanze bekannt. In Bodybuilder-Kreisen wird sie als Testosteron-Booster eingesetzt wird, weshalb sie mittlerweile sich eine gewissen Beliebtheit hierfür erfreut [4]. Auch sie kann bei einer Midlife-Crisis als Möglichkeit der Besserung erwogen werden.
Tongkat Ali
Tongkat Ali stammt ursprünglich aus Südostasien. Mit botanischem Namen wird es als Eurycoma longifolia Jack bezeichnet. Je nach Ursprungsland wird die Pflanze auch bezeichnet als Pasak Bumi (Indonesien) oder Cay Ba Bihn (Vietnam).
Tongkat Ali ist seit Jahrtausenden im asiatischen Raum für eine Vielzahl an Erkrankungen bekannt. Sie wird bei fehlender sexueller Lust erfolgreich als Aphrodisiakum eingesetzt, aber auch bei Unfruchtbarkeit oder Impotenz [5]. Deshalb hat sie sich zur Erhöhung des Testosteronwertes etabliert und kann bei einer Midlife-Crisis versucht werden.
Tribulus terrestris
Auch Tribulus terrestris erfreut sich unter Bodybuildern und Sportlern großer Beliebtheit. Die Pflanze erlangte in den 1970er-Jahren internationale Bekanntheit als Teile der bulgarischen Olympiamannschaft Tribulis terrestris einsetzten und damals internationale Erfolge feierten. Seither wird Tribulis terrestris gerne als Testosteron-Booster genutzt.
Tribulus terrestris hat in Untersuchungen eine gewisse testosteronsteigernde Wirkung aufzeigen können [6]. Das macht sie als Nahrungsergänzungsmittel bei Hypogonadismus, aber auch in der Midlife-Crisis interessant.
- Lachman ME. Mind the Gap in the Middle: A Call to Study Midlife. Res Hum Dev 2015; https://doi.org/10.1080/15427609.2015.1068048
- Shukla KK et al. Mucuna pruriens Improves Male Fertility by its Action on the Hypothalamus-Pituitary-Gonadal Axis. Fertil Steril 2009; https://doi.org/10.1016/j.fertnstert.2008.09.045
- Rao A et al. Testofen, A Specialised Trigonella foenum-graecum Seed Extract Reduces Age-related Symptoms of Androgen Decrease, Increases Testosterone Levels and Improves Sexual Function in Healthy Aging Males in a Double-Blind Randomised Clinical Study. Aging Male 2016; https://doi.org/10.3109/13685538.2015.1135323
- Peres N et al. Medicinal Effects of Peruvian Maca (Lepidium meyenii): A Review. Food & Function 2020; https://doi.org/10.1039/C9FO02732G
- Thu HE et al. Eurycoma Longifolia as a Potential Adoptogen of Male Sexual Health: A Systematic Review on Clinical Studies. Chin J Nat Med 2017; https://doi.org/10.1016/S1875-5364(17)30010-9
- Stefanescu R et al. A Comprehensive Review of the Phytochemical, Pharmacological, and Toxicological Properties of Tribulus terrestris L. Biomolecules 2020; https://doi.org/10.3390/biom10050752
Autor

Dr. med. Peter Niemann arbeitet als Geriater, Internist und Integrativmediziner vor allem in den USA. Der Autor einer Reihe von Gesundheitsratgebern bietet aber auch Beratungen zu Anti-Aging, Anti-Entzündung, Testosteronmangel und vielen anderen Themen an.


