PfefferminzeKlinisch erprobt: Pfefferminzöl beim Reizdarmsyndrom

Beim Reizdarmsyndrom hat sich die Anwendung von ätherischem Pfefferminzöl bewährt. Sie sollte allerdings in Form eines Arzneimittels erfolgen.

Frische Pfefferminzblätter und Braunfläschchen mit Pfefferminzöl auf einem Holzteller
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Das Öl der Pfefferminze kann vor allem bei Blähungen und Krämpfen hilfreich sein.

Naturheilkunde hat sich beim Reizdarmsyndrom bewährt

Das Reizdarmsyndrom (RDS) ist sehr verbreitet, bis zu 20 Prozent der Bevölkerung leiden darunter. Frauen sind doppelt so häufig betroffen als Männer. Meist treten die ersten Beschwerden im Alter zwischen 20 und 30 Jahren auf. Dazu zählen Bauchschmerzen und Krämpfe, Blähungen, Völlegefühl und ein veränderter Stuhlgang. Beim veränderten Stuhlgang sind Verstopfungen oder Durchfall möglich, manche Betroffene haben auch beides im Wechsel. Daneben sind Übelkeit, Müdigkeit, Kopfschmerzen oder Rücken- und Gelenkschmerzen möglich.

Für diese Beschwerden können beim Reizdarmsyndrom typischerweise keine organischen Ursachen wie Entzündungen oder Gewebeschäden festgestellt werden.

Ein Reizdarmsyndrom muss ärztlich diagnostiziert werden, um andere Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen auszuschließen. Ernsthafte Beschwerden wie Blut im Stuhl, Fieber oder ungewollter Gewichtsverlust sprechen gegen ein Reizdarmsyndrom und sollten unbedingt abgeklärt werden.

Bei der Therapie des Reizdarmsyndroms haben sich diverse naturheilkundliche Therapie bewährt, die auch in der ärztlichen S3-Leitlinie Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Reizdarmsyndroms erwähnt werden. Aussichtsreich sind

  • der Verzicht bestimmter schwer verdaulicher Kohlenhydrate und Zuckeralkohole (Low-FODMAP-Diät),
  • der Einsatz von Probiotika,
  • die Reduktion von Stress, zum Beispiel mit MBSR-Kursen („Mindfulness-based Stress Reduction“, deutsch: „Stressbewältigung durch Achtsamkeit“).
  • Auch die Pflanzenheilkunde hat Einzug in die ärztliche Leitlinie gefunden. Besonders empfehlenswert finden deren Autoren den Einsatz des ätherischen Öls der Pfefferminze (Mentha × piperita) [1].

Das sagt die Forschung

Die heute vorliegenden klinischen Studien zu Pfefferminzöl beim Reizdarmsyndrom sind umfangreich und aussagekräftig. Die Autoren der oben erwähnten Leitlinie werteten für ihre Empfehlung 11 randomisierte kontrollierte Studien aus, die den Nutzen und die Verträglichkeit von Pfefferminzöl beim Reizdarmsyndrom untersuchten. Deren Ergebnisse: Das ätherische Öl zeigt sich gut wirksam bei Schmerzen und Blähungen und wird gut vertragen. Als seltene Nebenwirkungen trat Sodbrennen auf [2].

Die beobachteten Wirkungen scheinen plausibel: Die Pfefferminze hat sich über Jahrhunderte bei der Behandlung diverser Verdauungsbeschwerden bewährt. Ihr ätherisches Öl wirkt blähungswidrig und entzündungshemmend. Es ist zudem dafür bekannt, die Kalziumkanälen der glatten Muskulatur des Darms zu blockieren. Die Darmmuskulatur zieht sich zusammen, wenn Kalzium in deren Zellen einströmt. Sind die Kalziumkanäle durch das Öl gehemmt, ist das nicht möglich, die Muskulatur entspannt sich. Dieser Mechanismus kann bei Darmkrämpfen hilfreich sein [3].

Diese verschiedenen Wirkungen des Pfefferminzöls sind – so eine Auswertung von über 121 klinischen Studien mit Reizdarm-Patienten – in ihrer Gesamtheit anderen häufigen Therapieempfehlungen wie Ballaststoffen, krampflösende Schmerzmittel oder Antidepressiva überlegen [4].

Pfefferminzöl beim Reizdarmsyndrom anwenden

Pfefferminzöl kann beim Reizdarmsyndrom hilfreich sein – wenn die richtige Anwendungsform gewählt wird. Ein Tee aus der Pfefferminze enthält zwar auch ätherisches Öl, diese Menge dürfte jedoch nicht ausreichend sein. Von einer Einnahme von purem Pfefferminzöl ist auch abzuraten, das könnte den Magen und die Rachenschleimhaut reizen und auch zu Überdosierungen führen.

Ich empfehle die Anwendung Pfefferminzöl-haltiger zugelassener, apothekenpflichtiger Arzneimittel (Phytopharmaka). Diese sind von diversen Herstellern erhältlich und sind zur symptomatischen Behandlung von leichten Krämpfen, Blähungen und Bauchschmerzen im Zusammenhang mit Verdauungsstörungen oder dem Reizdarmsyndrom zugelassen.

Grund für die Zulassung sind die positiven Urteile von ESCOP, HMPC und Kommission E. Deren Monografien befürworten den Einsatz der Pfefferminze  bei Verdauungsbeschwerden, insbesondere bei krampfartigen Beschwerden. HMPC und ESCOP erwähnen explizit auch das Reizdarmsyndrom als mögliche Indikation.

Diese Arzneimittel werden in Kapselform eingenommen, bisweilen in Kombination mit dem ätherischen Öl des Kümmels (Carum carvi).

Bei der Anwendung dieser Arzneimittel sind die Angaben und Dosierungsempfehlungen der Packungsbeilage zu beachten. Die Kapseln werden in der Regel unzerkaut vor den Mahlzeiten mit etwas Flüssigkeit eingenommen.

Wichtig: Keine innerliche Anwendung von Pfefferminzöl bei Gallensteinleiden, bei Verschluss der Gallenwege, Gallenblasenentzündungen, Leberschäden, während der Schwangerschaft oder Stillzeit und bei Kindern unter 4 Jahren [5].

Und zum Schluss

Ein Reizdarmsyndrom wird meist nicht als ernsthafte Erkrankung angesehen. Sie schränkt nicht die Lebenserwartung ein und führt nicht zu Gewebeschäden. Die Auswirkungen für Betroffene können jedoch erheblich sein. Wer unter starken Beschwerden leidet, fehlt nicht selten bei der Ausbildung oder im Beruf, hat eine eingeschränkte Lebensqualität und nimmt häufig das Gesundheitssystem in Anspruch [6]. Verschiedene naturheilkundliche Therapien haben sich in der Behandlung bewährt, darunter auch das Öl der Pfefferminze. Es kann vor allem bei Blähungen und Krämpfen hilfreich sein.

Wichtiger Hinweis!

Wie jede Wissenschaft ist die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen unterworfen. Soweit in diesem Beitrag medizinische Sachverhalte, Anwendungen und Rezepturen beschrieben werden, handelt es sich naturgemäß um allgemeine Darstellungen, die eine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine/einen Apothekerin nicht ersetzen können. Jede/Jeder Nutzende ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich. Autoren und Autorinnen und Verlag haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass diese Angaben bei ihrer Veröffentlichung dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung für Schäden oder andere Nachteile ist jedoch ausgeschlossen.

Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.

  1. DGVS, DGNM & AWMF. S3-Leitlinie: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie des Reizdarmsyndroms – Version: 2.3. AWMF-Register-Nr.: 021-016, zuletzt abgerufen: 9.12.2025. Im Internet: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/021-016
  2. Khanna R, MacDonald JK, Levesque BG. Peppermint oil for the treatment of irritable bowel syndrome: A systematic review and meta-analysis. J Clin Gastroenterol 2014; 48: 505-512
  3. Cash BD, Epstein MS, Shah SM. A Novel Delivery System of Peppermint Oil Is an Effective Therapy for Irritable Bowel Syndrome Symptoms. Dig Dis Sci 2016; 61(2):560-7
  4. Enck P, Junne F, Klosterhalfen S et al. Therapy options in irritable bowel syndrome. Eur J Gastroenterol Hepatol 2010;22:1402–1411
  5. Blaschek W, Ebel S, Hackenthal E et al, Hrsg. Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen. Stuttgart: WVG/Springer; 2014
  6. Canavan C, West J, Card T. Review article: The economic impact of the irritable bowel syndrome. Aliment Pharmacol Ther 2014;40:1023–1034

Heilpraktiker mit dem Therapieschwerpunkt Phytotherapie

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