
Heuschnupfen stellt Betroffene jedes Jahr vor lästige Herausforderungen: Die Nase juckt und läuft, die Nasenschleimhaut schwillt an, was die Nase verstopfen lässt. Die Augen tränen und jucken und immer wieder der Niesreiz. Und das sind nur die lokalen Symptome, die die allergische Reaktion auf Pollen hervorruft. Dazu kommen oft noch Allgemeinsymptome wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Krankheitsgefühl oder Schlafstörungen. Bei manchen kommen noch Husten und Asthma hinzu.
Heuschnupfen-Betroffene fühlen sich oft so, als wäre ihr Körper in einem Alarmzustand. Und das trifft es ganz gut: Beim Heuschnupfen werden an sich harmlose Pollen von Bäumen, Gräsern oder Kräutern vom Immunsystem als Bedrohung angesehen. Und entsprechend reagiert es: Die sogenannten Mastzellen (Immunzellen der Schleimhaut) kommen als erstes mit den Allergenen in Kontakt und schlagen Alarm: Sie schütten eine Reihe von Botenstoffen wie Histamin, Leukotriene und Zytokine aus, die die Abwehrreaktion des Körpers aktivieren. Leukotriene sorgen für die Schleimproduktion in der Nase, Histamin sorgt für lokale Rötung, Schwellung, Juckreiz und Quaddelbildung. Zytokine alarmieren den Rest des Immunsystems. Zu diesem zählen auch die sogenannten T-Helferzellen2 (Th2-Zellen). Eigentlich ist deren Aufgabe die Parasitenabwehr, bei einer Allergie werden sie jedoch auch fälschlicherweise aktiviert und sorgen dafür, dass andere Immunzellen (B-Zellen) Immunglobuline bilden, die die allergische Reaktion am Laufen halten.
Das eigentliche Problem beim Heuschnupfen sind also nicht die Pollen, diese sind an sich harmlos. Das eigentliche Problem ist der Fehlalarm des Immunsystems. Medizinisch kann dem zweigleisig begegnet werden: Medikamente wie Antihistaminika, Cromone oder Glukokortikoide können die akute Abwehrreaktion besänftigen. Die Hyposensibilisierung kann dem Immunsystem die Überreaktion gegenüber einem Allergen abtrainieren.
Daneben bietet auch die Naturheilkunde aussichtsreiche Ansätze für die Behandlung des Heuschnupfens, unter anderem durch die Homöopathie, die Akupunktur und die Pflanzenheilkunde [1]. Gerade letztere hat interessante Optionen zu bieten. Zu diesen zählt auch der in Sibirien, China und Korea heimische Tragant (Astragalus membranaceus, Syn.: Astragalus mongholicus).
Mit dem Tragant mehrgleisig gegen die allergische Reaktion
Der Tragant wird in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) als Stärkungsmittel angesehen, das bei verschiedenen Schwächezuständen helfen kann. Heute gilt die Pflanze als Adaptogen, da sie die Leistungsfähigkeit auch unter Belastung aufrechterhalten kann. Schon allein von der adaptogenen Wirkung dürften manche Heuschnupfen-Betroffene profitieren, besonders wenn sie unter Müdigkeit leiden. Doch der Tragant hat mehr zu bieten, er begegnet dem allergischen Geschehen lokal an der Schleimhaut und systemisch durch eine Regulation des Immunsystems.
Die Flavonoide Quercetin und Kaempferol des Tragants wirken als „Mastzellen-Stabilisatoren“, das heißt, sie heben die Reaktionsschwelle an. Die Mastzellen setzen in Studien nach Flavonoid-Kontakt verzögert oder gar keine Botenstoffe nach Allergenkontakt frei [2]. Wird doch Histamin freigesetzt, kann das entzündungshemmende Astragalosid IV aus der Tragantwurzel dessen Wirkung an der Nasenschleimhaut einschränken und so zum Beispiel die Bildung von zähem Sekret stoppen [3]. Auch auf die bereits erwähnten Th2-Zellen wirken Tragantwirkstoffe. Seine Polysaccharide scheinen deren Überaktivität normalisieren zu können [4].
Klinische Forschung
Die bisher erwähnten Forschungsergebnisse klingen vielversprechend, doch sie stammen aus der Grundlagenforschung. Erst die klinische Forschung am Menschen kann klären, ob der Tragant tatsächliche eine wirksame und gut verträgliche Option bei Heuschnupfen ist. Leider ist klinische Forschung mit Pflanzen sehr teuer, Firmen sind hier nur in wenigen Ausnahmefällen bereit, für ihre pflanzlichen Produkte entsprechende finanzielle Mittel freizugeben. So gibt es auch beim Tragant erst 2 kleine Studien, die sich mit seiner Wirkung bei Heuschnupfen befassen.
Dazu zählt eine 2010 publizierte, doppelt verblindete und Placebo-kontrollierte Studie, bei der ein Tragant-haltiges Nahrungsergänzungsmittel 6 Wochen lang untersucht wurde. Es nahmen 48 Erwachsene mit Heuschnupfen teil. Diejenigen, die Tragant erhielten, zeigten im Vergleich zur Placebo-Gruppe einen deutlichen Rückgang der Symptome, insbesondere eine signifikante Abnahme der Schleimproduktion [5]. Diese Ergebnisse erscheinen hinsichtlich der bereits oben erwähnten Erkenntnisse der Grundlagenforschung plausibel.
Bei einer 2024 publizierten Anwenderstudie der Universität Wien nahmen 328 Heuschnupfen-Betroffene teil, die alle ein Tragant-Präparat einnahmen und ihre Erfahrungen mit einem Online-Tagebuch protokollierten. Auch hier zeigte sich eine deutliche Besserung der Beschwerden und gute Verträglichkeit der Pflanze [6].
Die Aussagekraft beider Studien ist aufgrund ihrer Designs (wenige Probanden bei erster, fehlende Kontrolle durch ein Placebo bei zweiter Studie) limitiert. Dennoch lässt sich ein Trend feststellen: Manche Betroffene scheinen von der Einnahme Tragant zu profitieren.
Und zum Schluss
Heuschnupfen ist die häufigste allergische Erkrankung in Deutschland, ca. 15 Prozent der Erwachsenen erhalten im Laufe ihres Lebens diese Diagnose. Die Wurzel des Tragant könnte Heuschnupfen-Betroffenen Linderung verschaffen.
Wichtiger Hinweis!
Wie jede Wissenschaft ist die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen unterworfen. Soweit in diesem Beitrag medizinische Sachverhalte, Anwendungen und Rezepturen beschrieben werden, handelt es sich naturgemäß um allgemeine Darstellungen, die eine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine/einen Apothekerin nicht ersetzen können. Jede/Jeder Nutzende ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich. Autoren und Autorinnen und Verlag haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass diese Angaben bei ihrer Veröffentlichung dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung für Schäden oder andere Nachteile ist jedoch ausgeschlossen.
Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.
- Kern J, Bielory L. Complementary and alternative therapy (CAM) in the treatment of allergic rhinitis. Curr Allergy Asthma Rep 2014; https://doi.org/10.1007/s11882-014-0479-8
- Bunddulam P, Nakamura M, Zorig A et al. Effects of Astragalus membranaceus Leaf Extract on Allergic Inflammation in Immune Cell Lines. Prev Nutr Food Sci 2025; https://doi.org/10.3746/pnf.2025.30.1.68
- Guo J, Xu S. Astragaloside IV suppresses histamine-induced inflammatory factors and mucin 5 subtype AC overproduction in nasal epithelial cells via regulation of inflammation-related genes. Bioengineered 2021; https://doi.org/10.1016/j.biopha.2022.113989
- Chen SM, Tsai YS, Lee SW et al. Astragalus membranaceus modulates Th1/2 immune balance and activates PPARγ in a murine asthma model. Biochem Cell Biol 2014; https://doi.org/10.1139/bcb-2014-0008
- Matkovic Z, Zivkovic V, Korica M et al. Efficacy and safety of Astragalus membranaceus in the treatment of patients with seasonal allergic rhinitis. Phytother Res 2010; https://doi.org/10.1002/ptr.2877
- Dirr L, Bastl K, Bastl M et al. Crowd-sourced symptom data in pollen allergy: testing a novel study approach for assessing the efficacy of food supplements. Allergo J Int 2024; doi.org/10.1007/s40629-024-00283-y
Sebastian Vigl
Heilpraktiker mit dem Therapieschwerpunkt Phytotherapie


