Camellia sinensisWie Grüntee bei Rosazea helfen kann

Grüntee (Camellia sinensis) wird zunehmend als Heilpflanze geschätzt. Bei Rosazea könnte er auch helfen - sofern er äußerlich angewandt wird. 

Blüte einer Camellia sinensis
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Grüntee (Camellia sinensis).

Nicht heilbar, aber meist gut kontrollierbar

Rosazea ist eine chronisch-entzündliche Hauterkrankung, die häufig erst nach dem dreißigsten Lebensjahr auftritt. Sie betrifft geschätzt bis zu 5 Prozent der Erwachsenen in Deutschland. Die Erkrankung zeigt sich vor allem im Gesicht durch anhaltende Rötungen, sichtbare Blutgefäße (Teleangiektasien), Papeln und Pusteln. Häufig sind Wangen, Nase, Stirn und Kinn betroffen. Die Symptome treten typischerweise schubweise auf und verschlechtern sich durch Trigger wie UV-Strahlung, Hitze, Alkohol, scharfes Essen oder Stress.

Die genauen Ursachen für die Erkrankung sind nicht vollständig geklärt. Diskutiert werden unter anderem eine gestörte Gefäßregulation, immunologische Fehlreaktionen sowie eine Beteiligung von Hautmikroorganismen. Rosazea ist nicht heilbar, lässt sich jedoch durch angepasste Hautpflege, das Meiden individueller Auslöser und medikamentöse Therapien meist gut kontrollieren. Wer an Rosazea leidet, sollte daher eine dermatologische Praxis aufsuchen. Dort kann eine passende Therapie gefunden werden.

In den letzten Jahren stieg das Interesse der Forschung bezüglich der Möglichkeiten der Pflanzenheilkunde bei Rosazea. In den Fokus geriet vor allem die große Stoffklasse der Polyphenole, welche – bei einer lokalen Anwendung – in Studien zu einer Reduktion von Gesichtsrötung und von Papeln und Pusteln bei Rosazea-Patienten führten [1]. Besonders viele Polyphenole enthält der Grüne Tee (Camellia sinensis).

Die Wirkungen von Grünem Tee bei Rosazea

Der Grüne Tee ist ein beliebtes Genussmittel, wird aber auch als Heilpflanze genutzt. Das kannst Du zum Beispiel in meinen Beiträgen Wenn die Knochen müde werden: Grüntee bei Osteoporose oder Japanischer Sencha-Tee: Genussmittel mit potenzieller Heilwirkung nachlesen.

Auszüge aus dem Grünen Tee sind wahre Polyphenol-Cocktails. Bis zu 40 % der Trockenmasse der Blätter machen zum Beispiel Polyphenole aus der Gruppe der Catechine aus. Zu diesen zählt wiederum das Epigallocatechingallat (EGCG), das aufgrund seiner vielfältigen positiven Wirkungen mittlerweile sehr bekannt ist. Es ist ein sehr starkes Antioxidans, das auch vor UV-Strahlung schützen kann. Beides wirkt sich positiv bei Rosazea aus.

Oxidativer Stress spielt bei Rosazea-Entzündungen eine wichtige Rolle. Wenn dieser mit Antioxidantien reduziert wird, könnte sich das positiv auswirken. Auch vom Schutz vor UV-Strahlung dürften betroffene Hautareale profitieren, da UV-Strahlen die Entzündungsprozesse anfachen können. Untersuchungen konnten zudem zeigen, dass eine EGCG-haltige Creme den vaskulären endothelialen Wachstumsfaktor VEGF und den Hypoxie-induzierten Faktor (HIF-1α) hemmt. Das sind zwei Verbindungen, die die Neubildung von Gefäßen stimulieren. Werden sie gehemmt, könnte dies die Anzahl sichtbarer Blutgefäße auf der Haut reduzieren. Zusammen mit anderen Polyphenolen aus dem Grünen Tee wirkt EGCG entzündungshemmend. Diese Eigenschaft könnte helfen, die chronische Entzündung bei Rosazea abzuschwächen [2].

In einer 2005 publizierten Studie erhielten Probanden eine Creme mit 2 % Grüntee-Extrakt. Diese verbesserte deutlich das Hautbild bei 74 % der Probanden, dreimal stärker als das Placebo [3]. Eine 2023 veröffentlichte Studie zeigte, dass EGCG die Zellreinigung (Autophagie) im Hautgewebe fördert, was wiederum Entzündung und Beschwerden lindern kann [4]. Die bisherigen Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung lassen zudem den Schluss zu, dass die Catechine des Grünen Tees die am besten untersuchten Pflanzeninhaltsstoffe sind, die die Stabilität von Blutgefäßen in der Haut fördern [5]. Das könnte der sichtbaren Gefäßneubildung von Rosazea entgegenwirken.

Grüntee bei Rosazea anwenden

Bei der äußerlichen Anwendung bei Rosazea ist Vorsicht angesagt! Viele Inhaltsstoffe von Pflegeprodukten können negative Auswirkungen auf den Entzündungsprozess haben. Dies gilt auch für Pflegeprodukte mit Grünem Tee. Idealerweise sollten diese keinen Alkohol und keine ätherischen Duftstoffe (wie Limonene, Linalool oder Menthol) enthalten. Vielleicht hat Dein Hausarzt für Dich eine Empfehlung für eine Creme mit Grüntee? Auf jeden Fall solltest Du ihn informieren, wenn Du eigenhändig eine solche anwenden möchtest.

Im akuten Entzündungsschub kannst Du eine kühlende Kompresse mit Grüntee versuchen. Hierfür 1 El Grüntee mit ¼ Liter siedendem Wasser 15 Minuten lang ziehen und dann abkühlen lassen. Ein weiches Tuch damit tränken und das maximal 2-mal täglich für 10 Minuten auf die betroffenen Gesichtsareale legen. Du kannst das Tuch nach dem Tränken auch noch im Kühlschrank zusätzlich abkühlen lassen.

Bitte beachten: Grüner Tee kann zwar hilfreich sein, aber auch die Haut austrocknen. Nach der Anwendung von Grünem Tee hat sich eine Barriere-stärkende Feuchtigkeitspflege (z.B. mit Ceramiden oder Hyaluronsäure) bewährt.

Und zum Schluss

Grüner Tee könnte auf verschiedenen Wegen die Krankheitsprozesse bei Rosazea günstig beeinflussen:

  • Zum einen schwächen seine Wirkstoffe die UV-Strahlung ab.
  • Zudem senken sie die Entzündungsbereitschaft und die Belastung mit freien Radikalen und stabilisieren die kleinen Hautgefäße.
  • Die Anwendung kann lokal erfolgen – etwa mithilfe von Cremes oder einer Kompresse.

Wichtiger Hinweis!

Wie jede Wissenschaft ist die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen unterworfen. Soweit in diesem Beitrag medizinische Sachverhalte, Anwendungen und Rezepturen beschrieben werden, handelt es sich naturgemäß um allgemeine Darstellungen, die eine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine/einen Apothekerin nicht ersetzen können. Jede/Jeder Nutzende ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich. Autoren und Autorinnen und Verlag haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass diese Angaben bei ihrer Veröffentlichung dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung für Schäden oder andere Nachteile ist jedoch ausgeschlossen.

Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.

  1. Saric S, Clark AK, Sivamani RK et al. The Role of Polyphenols in Rosacea Treatment: A Systematic Review. J Altern Complement Med 2017; https://journals.sagepub.com/doi/10.1089/acm.2016.0398
  2. Wölfle U, Hoffmann J, Schempp C. Die Möglichkeiten der Phytotherapie bei entzündlichen Hautkrankheiten. Zeitschrift für Phytotherapie 2023; 44 (02): 52-60
  3. Syed T, Aly R, Syed A et al. Management of papulopustular rosacea with 2% polyphenone (green tea extract) in a hydrophilic cream: A placebo-controlled double-blind study. JAAD 2005; doi: 10.1016/j.jaad.2004.10.035 
  4. Zhou L, Zhong Y, Wang Y et al. EGCG identified as an autophagy inducer for rosacea therapy. Front Pharmacol 2023; https://www.frontiersin.org/journals/pharmacology/articles/10.3389/fphar.2023.1092473/full
  5. Leti M, Garidou L, Cuisiat SV et al. Plant Extracts in Rosacea Management: A Narrative Review. Dermatology 2025; https://karger.com/drm/article/242/Suppl.%201/66/936456/Plant-Extracts-in-Rosacea-Management-A-Narrative

Heilpraktiker mit dem Therapieschwerpunkt Phytotherapie

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