
Kopfschmerz ist nicht gleich Kopfschmerz. Genauso unterschiedlich sind die Möglichkeiten, gegen die Schmerzen vorzugehen. Wichtig ist zu verstehen, was eigentlich in Ihrem Körper vor sich geht. Welcher Kopfschmerztyp sind Sie?
Typ A –Anna
Symptome Kopf und Halswirbelsäule: Anna hat Migräne sowie Spannungskopfschmerzen und öfter Nackenschmerzen. Diese treten auch auf, wenn gerade keine Kopfschmerzen oder ein Migräneanfall bestehen. Sie hat das Gefühl, der Nacken könnte ein möglicher Trigger ihrer Migräne sein. Die Beschwerden in der Halswirbelsäule sind eher einseitig, betreff en also nicht die gesamte Muskulatur. Manchmal starten die Beschwerden genau dort, dann treten Spannungskopfschmerzen auf und nicht selten tritt anschließend eine Migräne auf.
Bisherige Situation: Wenn die Kopfschmerzen beginnen oder sich eine Migräne ankündigt, neigt sie dazu, ihrer Arbeit beharrlich nachzugehen und durchzuhalten. Sie kennt diese Schmerzen ja schon sehr lange. Sie versucht nicht mehr dagegen anzugehen, führt aber regelmäßig kurze Entspannungseinheiten durch. Ausdauersport als Prophylaxe hat sie bisher noch nicht erprobt. Übungen kennt sie ebenfalls noch nicht. Die Nackenschmerzen sind jedoch in den vergangenen Jahren verstärkt zu spüren.
Empfehlung: Anna beginnt ab sofort zusätzlich mit Ausdauersport zur Stabilisierung des vegetativen Nervensystems und als fundierte Prophylaxe gegen Kopfschmerzen. Sie beginnt mit zwei bis drei wöchentlichen Einheiten à 20 Minuten und möchte sich in den kommenden sechs Wochen auf 30–40 Minuten steigern. Zudem wählt sie jeweils eine Übung zur Akutanwendung und eine als Prophylaxe bei Nackenschmerzen. Sie führt die Bewegungsübungen zur Prophylaxe täglich fünf Minuten durch. Die Akutübung wendet sie an, wenn sich die ersten Spannungssymptome im Nacken andeuten.
Typ B – Beatrice
Symptome Kopf und Halswirbelsäule: Beatrice hat fast immer Schulter-Nacken-Schmerzen und leider auch viele Kopfschmerztage. Wenn sie sich zu sehr körperlich betätigt, kann es sein, dass sie dadurch eine Migräneattacke auslöst. Sie sieht die Halswirbelsäule als einen häufigen Trigger für ihre Migräne. Der Nacken schmerzt aber an unterschiedlichen Stellen und die Bewegungen in alle Richtungen sind unangenehm.
Bisherige Situation: Aufgrund ihrer schlechten Erfahrung neigt sie dazu, ihren Nacken zu schonen und gerade zu halten. Sport kann sie in diesem Zustand auch nicht ausführen. Da sie sich in den vergangenen zwei Jahren immer etwas weniger bewegt hat, fühlt sie sich unbeweglich, angespannt und empfindlich. Die kleinsten Belastungen können die Kopfschmerzen hochfahren lassen. Entspannungsverfahren hat sie bisher noch nicht kennengelernt.
Empfehlung: Um die körperliche Belastbarkeit zu erhöhen, stellt Beatrice einen strukturierten Plan auf und kombiniert die körperliche Aktivität mit einer anschließenden Regeneration. Beatrice beginnt mit 15 Minuten Walking (langsamer bis straffer Spaziergang). Zwischendurch legt sie kurze Pausen in normaler Gehgeschwindigkeit ein. Zu Hause angekommen legt sie sich auf ihr Sofa und führt ebenfalls 15 Minuten Autogenes Training durch. Um den Nacken in Bewegung zu bringen, macht sie Übungen auf einem Redondoball im Liegen. Diese führt sie täglich zweimal fünf Minuten durch. Nach den Übungen kühlt oder wärmt sie den Nacken. Durch die anschließenden Regenerationsmaßnahmen kommt es nicht mehr zur Verstärkung der Symptome. Im Alltag versucht sie, ihren Kopf trotz Schmerzen »normal« zu bewegen.
Typ C – Andreas
Symptome Kopf und Halswirbelsäule: Andreas hat selten Nackenschmerzen, aber in vergangener Zeit sehr viele Migräneattacken. Nackenschmerzen hat er während oder nach der Migräne. Ob ein Zusammenhang zwischen der Halswirbelsäule und der Migräne besteht, kann er nicht sicher sagen. Seine Frau sagt, dass er manchmal mit den Zähnen knirscht und morgens spürt er in letzter Zeit auch eine hohe Spannung im Mund-Kiefer-Bereich. Tagsüber erwischt er sich hin und wieder mit zusammengepressten Zähnen.
Bisherige Situation: Meist versucht er, die Migräne zu ignorieren. Bei der Arbeit möchte er nicht fehlen, weshalb er öfter eine Schmerztablette einnimmt. Er macht viel Sport. Wenn er etwas anpackt, dann macht er es richtig. Manchmal versucht er, die verloren gegangene Zeit einzuholen, und trainiert überambitioniert viel. Pausen und Entspannung konnte er noch nie in seinen Alltag integrieren.
Empfehlung: Andreas legt ab sofort strikte Pausen ein. Bei der Arbeit verlässt er kurz seinen Schreibtisch und bewegt sich etwas. Manchmal führt er in diesen Pausen eine fünfminütige Power-Muskelentspannung durch. Seinen Sport kürzt er von vier auf ausreichende zwei bis drei Einheiten pro Woche. Beim Joggen hat er sich zudem für die Intervallmethode entschieden. Bei den Selbsttests hat er festgestellt, dass seine Kaumuskulatur sehr druckempfindlich ist, daher knetet er diese regelmäßig fest durch (Akutübung) und beim Autofahren führt er täglich drei Minuten ganz leichte Kieferbewegungsübungen als Prophylaxe durch. An seinem Arbeitsplatz hat er sich einen Post-it zur Erinnerung gegen das ungewollte Zähnepressen platziert.
Quelle: Kopfschmerzen und Migräne - Das Übungsbuch
kcl




