Ayurvedische ErnährungAllgemeingültige ayurvedische Ernährungsregeln

Im Ayurveda weiß man, dass es nicht die eine richtige Ernährungsform für jeden Menschen gibt. Welche Grundregeln gibt es, die es ermöglichen, die Ernährung an jedes Individuum optimal anzupassen?

Tableau mit ayurvedischen Lebensmitteln: Reis, Gewürze, gekochtes Gemüse
A. Rogge & J. Jankovic/Thieme
Es gibt aus ayurvedischer Sicht nicht die eine Ernährungsform, die für jeden richtig ist.

Die Ernährung wird im Ayurveda auch »mahaushadhi« genannt, die »großartige Medizin«, weil durch eine falsche Ernährung schnell Erkrankungen entstehen und ganz ohne Nahrung der Tod eintritt. Auf der anderen Seite werden Menschen durch die gesundheitsfördernde Ernährung kräftig, voller Ausstrahlung und gesund. Die Ernährungsmedizin ist daher eine der zentralen Säulen des ayurvedischen Therapiebaums.

Im Ayurveda ist detailliert beschrieben, wie wir aus unserer Nahrung entstehen. Da die Nahrung konkret ein Teil von uns wird, ist ein bewusster und sinnvoller Umgang mit der Nahrung für unsere Gesundheit zentral. Das erstreckt sich auf die Auswahl der Nahrungsmittel über die Art der Zubereitung, die Kombination der Lebensmittel und die passende Würzung ebenso wie auf den richtigen Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme. Auch sollten wir bei den Überlegungen zu einer gesunden Ernährung nie die Umwelt außer Acht lassen. Zerstören wir weiter unsere Umwelt, fällt das unabwendbar auf uns zurück: Wir vergiften am Ende uns selbst! Auch die besten Lebensmittel wirken nicht mehr gesundheitsförderlich, wenn sie nicht selbst auf gesundem Boden mit reinem Wasser, an frischer Luft und unter einer gesunden Sonneneinstrahlung wachsen können. 

Es ist außerordentlich schwer, die individuell korrekte Ernährung zu beschreiben. Es gibt aus ayurvedischer Sicht nicht die eine Ernährungsform, die für jeden richtig ist. Verschiedene Menschen leben unterschiedlich, haben unterschiedliche Anforderungen an die Nahrung und unterschiedliche Möglichkeiten, sich zu nähren. Daher kann man nie eine Ernährung für alle ansetzen, sondern muss sich an Kriterien orientieren, um damit für jeden Einzelnen individuell die korrekten Empfehlungen geben zu können. Es helfen also nur Grundregeln und Richtlinien, um der Person zu helfen, die für sie richtige Ernährung zu finden. Der praktische Einstieg in die ayurvedische Ernährungslehre beginnt dementsprechend mit allgemeinen Regeln.

Diese beschreiben die Ernährung:

  • zur richtigen Zeit,
  • mit den richtigen Dingen,
  • in der richtigen Menge,
  • in der richtigen Zubereitung,
  • in der richtigen Kombination,
  • in der richtigen Reihenfolge und in der richtigen Umgebung und mit der richtigen Einstellung.

Zur richtigen Zeit

Aus ayurvedischer Sicht ist der Zeitpunkt für die Nahrungsaufnahme von großer Wichtigkeit. Isst ein Mensch kurz nach einer Mahlzeit wieder, so ist das Verdauungssystem noch nicht in der Lage, die Mahlzeit zu verstoffwechseln. Die schon angedaute und die neu dazu gekommene Nahrung lassen sich in dem einen Magen nicht trennen, sodass ein Teil der Nahrung zu lange, ein anderer Teil des Speisebreis zu kurz im Magen verbleibt. Daher entstehen unvollständig verstoffwechselte Stoffwechselprodukte (ama). Sie haben reizende, klebrige und saure Eigenschaften und führen zu Entzündlichkeit und Schwere. Daher empfiehlt die ayurvedische Medizin, nach der Einnahme einer Mahlzeit wieder so lange zu warten, bis der Hunger den Abschluss der Verdauung anzeigt. Idealerweise sollte mit der nächsten Nahrungsaufnahme so lange gewartet werden, bis Stuhl und Urin ausgeschieden wurden und damit wieder Raum im System entsteht. Nach dem Essen sollte man sich wie ein König bequem setzen, danach hundert Schritte tun, dann sich auf die linke Seite legen und positive sinnliche Wahrnehmungen fördern. So wird die Nahrung ideal verdaut. Das Verhalten nach der Nahrungsaufnahme ist genauso wichtig wie das, was wir auf dem Teller haben. Rennen wir nach dem Essen gleich gehetzt los und bekommen »Unverdauliches« in Arbeitsmeetings vorgesetzt, dann kann die gesündeste Nahrung nicht gut verdaut werden. Für gesunde Erwachsene sind im Allgemeinen zwei Mahlzeiten am Tag ausreichend, eine morgens 9–12 Uhr, eine abends 17–19 Uhr. Erschöpfte, Kranke, alte Menschen und kleine Kinder sollten entsprechend dem schwächeren Verdauungssystem eher häufiger kleinere Mahlzeiten einnehmen.

Den Hunger erkennen

Manchmal sind Hunger und Appetit nicht leicht zu trennen. Auch Hunger und Magenreizung können ähnlich aussehen. Will man das trennen, braucht es aufmerksame Selbstbeobachtung. Sind Sie nicht sicher, ob Sie Hunger haben oder nicht, dann können Sie zunächst einen kleinen Schluck warmes Wasser trinken. Damit sollte der Hunger kurz vermindert werden. Passiert das nicht, war der sogenannte Hunger eher Appetit oder Lust auf Essen. Vergeht das Gefühl kurz, um dann mit doppelter Kraft zurückzukommen, ist ein »echter« Hunger sehr wahrscheinlich. Dann sollten Sie essen – und zwar am besten eine richtige Mahlzeit. Sind Sie danach satt und zufrieden, haben Sie den Hunger und die Sättigung gut wahrgenommen. Sie werden sich beim nächsten Mal leichter tun mit der Interpretation der Impulse aus dem Magen!

Mit den richtigen Dingen

Im Ayurveda gibt es keine »guten« oder »schlechten« Lebensmittel. Auch keine »vata-«, »pitta-« oder »kapha-Lebensmittel«. Tabellen, die Sie möglicherweise in anderen Büchern gefunden haben, zeigen auf, welche Lebensmittel in ihren Eigenschaften den doshas mehr gleichen und damit diese doshas vermehren. Das heißt aber nicht, dass diese Lebensmittel von Menschen mit einer bestimmten Konstitution nicht gegessen werden dürfen. Ist jemand aber durch einen dosha belastet, sollten Lebensmittel, die diesem dosha gleichen, nur in geringer Menge und in Kombination mit Lebensmitteln, die andere Eigenschaften haben, eingesetzt werden, um dem Ungleichgewicht zu begegnen. 

Als »richtige Lebensmittel« gelten demnach ganz allgemein die folgenden:

  • Frische Lebensmittel sollen zur Essenszubereitung ausgewählt werden, denn bei diesen sind die Eigenschaften voll ausgeprägt. 
  • Gemüsen und Getreiden der Saison und der Gegend ist der Vorzug zu geben, denn diese haben die Eigenschaften ausgebildet, die notwendig sind, um diesem Klima zu widerstehen.
  • Es sollte ein ausgeglichenes Maß an verschiedenen Getreiden, Gemüsen und Milch eingenommen werden. Diese Lebensmittel sind reich an verschiedenen Eigenschaften, die die Gewebe nähren. Solange sie nicht einseitig eingesetzt werden, sind die dem Körper damit zugeführten Eigenschaften so umfassend vorhanden, dass sie zu einem gesunden Körper führen.
  • Man sei vielfältig bei Gewürzen, aber vorsichtig mit Salz. Gewürze modulieren die Wirkung der Nahrungsmittel und sorgen für eine bessere Verträglichkeit. Salz als vorherrschender Geschmack in der Ernährung sorgt für Verschleimung und reizt kapha und pitta. Daher ist eine einseitige Würzform mit Salz ungünstig für die Gesundheit. Steinsalz ist das am besten verträgliche Salz, weil es pitta nicht reizt.
  • Von kontinuierlichem Verzehr von getrocknetem Fleisch und Gemüse, Fisch, Fleisch von Schwein und Kuh oder Quark wird abgeraten. Alle einseitige Ernährung belastet die Verdauung und vermehrt einseitig die doshas.
  • Am Abend soll kein Naturquark gegessen werden, denn der führt zur Verstopfung der Biokanäle.

Kennt man die ayurvedische Beschreibung der Zusammensetzung und Wirkung der Lebensmittel nicht, kann man trotzdem die für sich richtigen Nahrungsmittel aussuchen. Dank unserer Sinne sind wir in der Lage zu schmecken und zu spüren. Schmeckt eine Mahlzeit gut und fühlt man sich nach einer Speise satt, warm, gekräftigt, aber nicht beschwert, dann hat man eine natürliche positive Rückmeldung über die korrekte Auswahl der Lebensmittel erfahren. Wir nennen dies das »Wohlempfinden der Sinne«. Das gilt im Ayurveda immer als der Kompass für die individuell richtige Ernährung.

Quelle:  Medical Cooking: Ayurvedische Ernährung

kcl