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Was passiert mit der Haut, wenn wir älter werden?
In Biologie und Medizin verstehen wir unter der Zellalterung eine Abnutzung von Zellen im Organismus, die mit einem Funktionsverlust einhergeht. Alterung wird sowohl von genetischen Faktoren vorangetrieben als auch durch innere und äußere Einflüsse.
Der wichtigste Auslöser der extrinsischen Alterung ist Schaden durch Sonnenlicht, insbesondere durch dessen ultraviolettes Spektrum (Photoaging). Das wird noch verstärkt durch menschengemachte Verschmutzung, besonders durch kleinste Partikel, die bei Verbrennung entstehen und sich zum Beispiel in Autoabgasen, in Rückständen vom Heizen mit fossilen Brennstoffen, aber auch im Zigarettenrauch finden.
Chronologisch gealterte Haut zeichnet sich meist durch feine Fältchen, Trockenheit, schlecht regulierte Durchblutung, veränderte Pigmentierung und den Verlust von Elastizität aus. Außerdem wird sie auch dünner. Die Stellen der Haut, die häufig der Sonne ausgesetzt waren, bekommen ein raues und trockenes Erscheinungsbild mit tieferen Falten, außerdem sichtbare kleine Blutgefäßendungen, Altersflecken und Sommersprossen sowie eine weiter verringerte Elastizität.
Der ständige Zug der Schwerkraft sowie der Verlust von subkutanen Fettpölsterchen sorgen für Veränderungen der Mimik-Muskulatur und tragen zur Bildung von Gesichtsfalten im Alter bei. Das Bindegewebe der Dermis sollte mit seiner Zugkraft und Elastizität diesen Kräften entgegenwirken. Die gealterten Fibroblasten jedoch produzieren eine weniger günstige Mischung von Kollagenen und mehr Enzyme, die Kollagen und Elastin abbauen. Dadurch tragen sie zu dem älteren Erscheinungsbild entscheidend bei.
An der Hautoberfläche wiederum verstärken Veränderungen der Epidermis einen irregulären Eindruck: Durch den Verlust der welligen regenerativen Struktur, die die Epidermis mit der Dermis verbindet, flacht nicht nur die Epidermis ab und verknittert, sondern das auftreffende Licht wird anders gebrochen und sorgt für ein trockenes "Zigarettenpapier"-Aussehen. Außerdem verändert sich der Stoffwechsel und mit ihm auch die Produktion von Hautlipiden (Fettstoffe in und auf der Epidermis), was weiter zur Austrocknung und Bildung feiner Fältchen führt.
Anti-Aging-Lebensmittel für die Haut
Wissenschaftliche Studien zeigen, dass sich bestimmte Lebensmittel positiv auf die Haut auswirken und ihr ein jugendlicheres Aussehen verleihen. Hier stelle ich Sie Ihnen genauer vor.
Ubichinon (Coenzym Q 10)
Das Coenzym Ubichinon Q 10 (CoQ10) ist ein Bestandteil der Membran der Mitochondrien, unserer Zellkraftwerke. Es hat dort eine essenzielle Funktion, weil es sicherstellt, dass die Redox-Vorgänge der Energiegewinnung ohne Schaden für die Zelle ablaufen. Weil es in einer Membran vorkommt, ist es ein fettlösliches Protein. Die Fettlöslichkeit ist immer dann wichtig, wenn ein Stoff entweder nur so aufgenomme werden kann oder wenn der Ziel ort seiner Wirkung ein lipophiles, also ein fettlösliches Milieu ist, wie etwa die Membranen unserer Zellen.
In allen Organen, auch in der Haut, sinkt die CoQ10-Konzentration im Alter deutlich. Das ist für alle Zellen schlecht, weil die Mitochondrien dadurch mehr Oxidationsschäden verursachen. In der Epidermis ist
CoQ10 noch dazu ein wichtiges Antioxidans außerhalb der Zellen.
Gute Quellen: Lachs, Thunfisch und Innereien
Vitamin D
Die Epidermis spielt eine wichtige Rolle in der Produktion von Vitamin D, weil es hier aus seinen Vorstufen durch ultraviolette Strahlung produziert wird, und dann auch in den Keratinozyten der Epidermis wichtige
biologische Funktionen aktiviert. Es wird für den Kalziumhaushalt, zur Knochenerhaltung und für ein funktionierendes Immunsystem benötigt. Mit zunehmendem Alter weisen wir einen niedrigeren Vitamin-D-Gehalt im Serum auf, was zwar auch mit Ernährung und Sonnenexposition zu tun hat, aber vor allem mit einem Absinken der notwendigen Vorläufersubstanz Vitamin D7 (Dehydrocholesterol) um bis zu 75 Prozent. Kalzium und Vitamin D interagieren bei der Regulation der Zellteilung in der Epidermis und auch bei der Aufrechterhaltung der Hautbarriere. Vitamin D sollte daher genauso in Maßen zugeführt werden wie Kalzium.
Gute Quellen: Meeresfisch wie Lachs und besonders blauer Fisch (Sardinen, Makrelen, Matjes, Dorschleber), Pilze
Vitamin E
Unter Vitamin E versteht man alle Substanzen, die in ihrer biologischen Aktivität dem Alpha-Tocopherol gleichen. Diese fettlöslichen Vitamine entfalten ihre Wirkung in Zellmembranen und in Lipoproteinen. Sie sind wichtig, um die Oxidation von Lipiden, wie sie bei der Alterung vermehrt vorkommt, zu minimieren. Ihre Schutzwirkung gegen Oxidation durch UV-Strahlung entfalten Vitamin E und Vitamin C gemeinsam am stärksten. Deshalb sollten Sie sie möglichst zusammen aufnehmen.
Gute Quellen: Weizenkeim-, Sonnenblumen- und Sojaöl, Mandeln, Avocados, Kürbis, Spargel
Vitamin C
Vitamin C (Ascorbinsäure) ist wasserlöslich und gilt als eines der wirksamsten und wenig toxischen natürlichen Antioxidantien. Vitamin C ist auch für die korrekte Anordnung von Kollagen in der Haut wichtig. Außerdem kann es (gemeinsam mit Vitamin E) als »Radikalfänger« die reaktiven Sauerstoffmoleküle, die auch vermehrt in alternden Zellen entstehen, abfangen. An Hautmodellen wurde klar gezeigt, wie Vitamin C Schaden durch UV-Strahlung verhindern kann.
Gute Quellen: Zitrusfrüchte, Trauben, Paprika, Schwarze Johannisbeeren, Petersilie
Karotinoide und Vitamin
Diese Aussagen kennen Sie sicher auch: "Das Kleinkind bekommt eine orange Gesichtsfarbe, wenn es sehr viel Karottenbrei bekommt" und "Wenn du viele Karotten isst, schützt du deine Augen." In den Drogeriemärkten suggerieren die Sonnencremes mit Carotin sowohl Schutz als auch Bräunung. Was steckt dahinter? Retinoide stimulieren die Produktion der Kollagene, die die Haut straff und elastisch halten, stark, und hemmen deren Abbau.
Außerdem sind sie sehr potente Botenstoffe, die die Zellteilung und Differenzierung im Gewebe beeinflussen. Retinoide können wir nicht selbst herstellen, sondern wir müssen sie aufnehmen oder auftragen. Retinol (Vitamin A) und Retinolsäure sind äußerst effektive Inhaltsstoffe von Anti-Falten- und hautstraffenden Pflegeprodukten. Das dem Retinol strukturell verwandte Beta-Carotin ist pflanzlichen Ursprungs und kann durch ein Enzym in Retinal (und das wiederum in Retinol) umgewandelt werden. Die anfangs umstrittene UV-Schutzwirkung von Beta-Carotin wird durch neuere Studien besser belegt.
Nicht nur Rötungen (Erytheme), sondern auch andere Stresssignale durch UV-Strahlung werden durch vorherige Aufnahme von Beta-Carotin (und Lycopin) reduziert. Eine Schutzwirkung gegen einen durch UV-Strahlung ausgelösten Abbau von Kollagen wurde auch für das aus Algen und sekundär aus Fischen stammende Carotinoid Astaxanthin berichtet. Lycopin ist chemisch zwar ein Carotinoid, kann aber nicht in Vitamin A umgewandelt werden. Lycopin wird durch ultravioletten Stress in der Haut noch mehr als Carotin abgebaut, scheint also auch die Oxidantien abzupuffern.
Gute Quellen:
- Vitamin A: fetter Fisch, Leber, Milch, Eigelb, Käse
- Beta-Carotin: Karotten, Paprika, Tomaten, Petersilie
- Lycopin: Tomaten und deren Produkte, rote Früchte, Papayas, Wassermelonen
Vitamin B12 und B6, B3
Diese Vitamine sind für die Teilung und Reifung der weißen Blutkörperchen und damit für die adaptive Immunantwort förderlich. Das ist der wichtige Teil unseres Immunsystems, der sich "merkt", gegen welche Eindringlinge vorgegangen werden muss. Es ist sozusagen das Immungedächtnis, das bei Bedarf aktiviert werden kann. In der Alterung kann auch dieses Gedächtnis in seiner Funktionalität nachlassen. Eine Studie zu auf die Haut aufgetragenem Vitamin B3 hat außerdem eine Verbesserung der Pigmentierungsverteilung in gealterter Haut beschrieben.
Eine Vorläufersubstanz von Vitamin B3, das Nicotinamid, wird als Anti-Aging-Nahrungsergänzung verkauft. In klinischen Studien wurde eine präventive Wirkung von oraler Gabe des Nicotinamids gegen die Entwicklung von Aktinischer Keratose (eine Vorstufe von Hautkrebs) beobachtet. Der Wirkungsmechanismus ist allerdings noch nicht aufgeklärt.
Gute Quellen: Rindfleisch, Lammfleisch, Muscheln
Ergothionein
Ergothionein ist essenziell, das heißt, wir können es nicht selbst herstellen, sondern müssen es mit der Nahrung aufnehmen. Es entsteht aus der Aminosäure Histidin und wird nur von Pilzen und einigen Bakterien hergestellt. Die Konzentration von Ergothionein im Blut ist bei vielen altersassoziierten Krankheiten niedrig. Deshalb wurde es schon als "Langlebigkeitsvitamin" bezeichnet, obwohl es keine spezielle Krankheit gibt, die auf einen Mangel an Ergothionein eindeutig zurückzuführen ist.
Für die Hautalterung ist dieses Molekül besonders interessant, weil es nicht nur als Antioxidans wirkt, sondern auch die Enzyme hemmt, die das Bindegewebe abbauen. Ergothionein wird seit kurzem in vielen Kosmetikprodukten eingesetzt, die eine Schutzwirkung und eine Bekämpfung von Alterserscheinungen bewerben. Ergothionein ist sehr hitzebeständig, wird also beim Kochen nicht zerstört. Nicht nur in Pilzen und Bakterien, wie wir sie von den fermentierten Nahrungsmitteln kennen, sondern auch in Spargel und Hülsenfruchtprodukten werden hohe Ergothionein-Konzentrationen gemessen. Das liegt an Mikroorganismen, die mit den Wurzeln dieser Pflanzen in Symbiose zusammenleben – gute Nachrichten für alle, die keine Pilze mögen oder vertragen.
Gute Quellen: Austernpilze, Steinpilze, Spargel, schwarze und Kidneybohnen, Innereien wie Leber und Nieren
Polyphenole
Polyphenole sind Phytochemikalien (pflanzenbasierte aktive Stoffe), von denen wir über die Nahrung sehr große Mengen aufnehmen können. Namensgebend für diese Stoffe sind Phenolringe, deren Anzahl und strukturelle Anordnung in diesen Molekülen zur Einteilung in Phenolsäuren, Flavonoide, Stilbene und Lignane verwendet wird.
Gute Quellen: Beeren, Tee, Kaffee und Fruchtsäfte (auch vergorene!)
Flavonoide
Eine Untergruppe der Flavonoide sind die Catechine, und hier ist das unaussprechliche Epigallocatechingallat (EGCG), ein besonders spannendes Molekül. EGCG kommt in grünem Tee in großen Mengen vor, ebenso wie in Pekannüssen. EGCG zeigt eine äußerst gut erforschte Schutzwirkung sowohl im Laborversuch als auch in Ernährungsstudien, besonders gegen Schäden, die durch UV-Strahlung in der Haut entstehen.
Ähnliche antioxidative Schutzwirkungen in der Haut wurden für das Flavonoid Genistein beschrieben. Genistein wirkt zusätzlich noch als Phytoöstrogen (pflanzliche hormonartige Substanz), und ist derzeit einer der vielversprechendsten Naturstoffe zur Vorbeugung gegen Demenzkrankheiten. Genistein kommt in Soja und anderen Hülsenfrüchten vor. Chlorogensäure ist ein Antioxidans. Es hat positive Wirkung auf den Zuckerstoffwechsel von Zellen.
Relevant für die Haut ist eine beschriebene Schutzwirkung gegen UV-Strahlung. Kämferol, das Flavonoid, das in Weinblättern hoch angereichert ist, reduziert die ungewollte Produktion von Entzündungssignalstoffen in den Fibroblasten der Dermis und schützt sie vor dem Zelltod nach chemischer Irritation.
Manche Flavonoide sollen den negativen Wirkungen der seneszenten Zellen (seno statische Wirkung) entgegenwirken. Die Datenlage dazu ist aber (noch) nicht ausreichend, um das abgesichert behaupten zu können. Eine Studie zeigt eine interessante Wirkung des Flavonoids Curcumin: Es kann vor Schaden durch Partikelstaub aus dem Straßenverkehr schützen. Einige Flavonoide, für die in Zellkultur-Experimenten eine Schutzwirkung gezeigt wurde, stammen allerdings aus nicht als Genussmittel geeigneten Pflanzen.
Gute Quellen: Genießbare Flavonoide abseits von Genistein und EGCG kommen außerdem in Beeren, Äpfeln, Artischocken, Chicorée und grüner Paprika vor.
Jung und frisch aussehen, straffe Haut mit wenig Falten und dem gewissen Glow: irgendwann beschäftigt das jede Frau. Mit Cremes & Seren, Retinol, Botox, Laser & Co. oder sanft mit Face-Yoga und Gua Sha lassen wir uns das eine Menge Geld kosten und investieren viel Zeit. Nun rückt die Ernährung als kraftvoller Faltenkiller ins Blickfeld der Forschung: Prof. Gruber arbeitet seit Jahren zur Biologie der Hautalterung und gilt auch international als Experte auf diesem Gebiet. In seinem Buch "Die Anti-Aging-Ernährung für die Haut" stellt er erstmals seine Ernährungsstrategien und Inhaltsstoffe vor, die nachweislich wirken.
Autor
Priv.-Doz. Mag. Dr. Florian Gruber ist Assoziierter Professor an der Hautklinik der Medizinischen Universität Wien. Der Hautforscher arbeitet seit Jahren im Bereich der experimentellen Dermatologie zum Thema Hautalterung. Er leitet das Christian-Doppler-Labor SKINMAGINE, das durch modernste bildgebende Analytik neuartige Einsichten in Stoffwechsel- und Alterungsvorgänge der Haut erlangt und innovative Konzepte zur Hautverjüngung erprobt. Die Forschungsergebnisse und 3D Hautmodelle des Wissenschaftlers werden von vielen internationalen Forschungspartnern verwendet. In seinem Buch hat er seine spannenden wissenschaftlichen Erkenntnisse mit seiner Leidenschaft fürs Kochen kombiniert.





