LeberzirrhoseAuch mit Leberzirrhose ist ein gutes Leben möglich

Ist bei Leberzirrhose noch ausreichend gut arbeitendes Lebergewebe vorhanden, kann die Prognose gut sein. Patienten können dazu beitragen.

Illustration: Weiblicher Körper mit Organen, Leber in rot
goanovi/stock.adobe.com
Wird eine Leberzirrhose frühzeitig entdeckt und behandelt, ist auch mit einer Leberzirrhose ein normales Leben möglich.

Leberzirrhose wird meist nur kurz als eine zunehmende Vernarbung des Lebergewebes erklärt, die am Ende zum völligen Versagen der Leber führen kann, wenn sie nicht konsequent behandelt wird.

Bei dieser Erkrankung ist jedoch nicht nur der Arzt herausgefordert; auch der Patient kann zu einer Heilung beitragen: Denn oft, besonders wenn zu viel Alkohol der Auslöser der Zirrhose ist, kann die Krankheit aufgehalten werden, vorausgesetzt, der Betroffene stellt seine Lebensgewohnheiten grundlegend um.

Leberzirrhose hat viele Facetten

Das klingt jetzt alles so, als gäbe es "die Zirrhose". Doch die Zirrhose hat viele Facetten, vor allem aber hat sie unterschiedliche Ursachen. Dies können etwa eine Virushepatitis oder Autoimmune Hepatitis sein, eine NASH oder auch eine Alkoholerkrankung.

Wenn die auslösenden Ursachen bekannt und gut unter Kontrolle sind und noch ausreichend gut arbeitendes Lebergewebe vorhanden ist, können Sie auch mit einer Zirrhose ganz normal leben und eine ganz normale Lebenserwartung haben. Wenn die Erkrankung nicht fortschreitet, ist die Prognose meist sogar sehr gut.

Allerdings sind bei einer Leberzirrhose wegen des erhöhten Krebsrisikos in der Leber regelmäßige Verlaufsuntersuchungen, vor allem ein sorgfältiger Ultraschall der Leber jedes halbe Jahr, notwendig. Zudem kann bei einer Leberzirrhose die Pfortader in Mitleidenschaft gezogen werden - es entsteht ein Pfortaderhochdruck. Dieser Blutstau führt dazu, dass sich auf dem Weg zum Herzen "Umgehungswege" bilden. Es bilden sich um die Leber herum erweiterte Umgehungsgefäße, insbesondere in der Speiseröhre. Dabei bilden sich Krampfadern in der Speiseröhre, sogenannte Ösophagusvarizen. Diese können irgendwann schlimmstenfalls unter dem steigenden Druck platzen und es kommt zu heftigen Blutungen. Der Kranke erbricht plötzlich Blut, wird kreidebleich und erleidet vielleicht sogar einen Schock. Angehörige jetzt keine Sekunde zögern: Rufen Sie die 112 an und alarmieren Sie den Rettungsdienst, denn durch den Blutverlust besteht Lebensgefahr. Mit schneller medizinischer Hilfe lässt sich dieser Notfall meist gut in den Griff bekommen.

Wenn die Eiweißsynthese gestört ist

Da die Leber durch die Zirrhose nur eingeschränkt arbeiten kann, können auch viele anderen Körperfunktionen leiden. Die Leber stellt fast alle Eiweißstoffe im Blut her. Wenn die Fabrik nicht mehr richtig arbeitet, mangelt es an Eiweißproduktion. Eiweiße sind zum Beispiel wichtige Gerinnungsfaktoren – wenn diese fehlen, kann die Blutgerinnung gestört sein, Patienten bluten leichter.

Des Weiteren bestehen unsere Muskeln fast nur aus Eiweiß – weniger Muskeleiweiß kann zu einem zunehmenden Muskelabbau führen.

Was Sie dagegen tun können

Als Zirrhosepatient sollten Sie, gerade wegen der gestörten Eiweißsynthese, Ihre Muskeln, trotz Müdigkeit, unbedingt regelmäßig trainieren.

  • Bewegen Sie sich möglichst viel, wählen Sie eine Sportart, die Ihnen Spaß macht.
  • Ausdauer und Muskelaufbau müssen trainiert werden. Spazierengehen, Laufen, Fahrradfahren und Schwimmen sind ideale Sportarten auch für den Zirrhosepatienten.
  • Und ein paar Muskelübungen dazu – Sit-ups, Liegestütze oder auch Training mit kleinen Hanteln – können das perfekt noch ergänzen.

Außerdem ist es wichtig, genügend Eiweiß zu essen, um die nötigen Bausteine in der Fabrik verfügbar zu haben. Vorsicht: Manche veralteten Ratgeber empfehlen noch eine eiweißarme Kost bei Zirrhose – das ist falsch.

  • Ernähren Sie sich eiweißreich.
  • Am besten sind Milch und Milchprodukte, aber auch Fisch, mageres Fleisch, Hülsenfrüchte und Nüsse sind exzellente Eiweißquellen.
  • Nur sehr große Mengen von Eiweiß sollten nicht auf einmal gegessen werden.

Da die Leber des Zirrhosepatienten ohnehin keine großen Mahlzeiten auf einmal gut verarbeiten kann, ist es sehr viel besser, das Essen auf 5 bis 6 kleinere Mahlzeiten über den gesamten Tag zu verteilen.

Auch weil das Hungergefühl bei einer Zirrhoseerkrankung eingeschränkt ist, sollte ein Patient möglichst mehrere kleine Mahlzeiten am Tag zu sich nehmen, und vor allem auch eine am späten Abend. Warum? Weil die "Leberfabrik" nur noch sehr langsam arbeitet, darf es ihr auch nachts nicht an Baumaterial fehlen; es muss also immer etwas nachgeliefert werden.

Die Entgiftung funktioniert nicht mehr richtig

Die Leber ist ja unsere Entgiftungszentrale – wenn sie nicht mehr richtig funktioniert, können verschiedene Gifte, die unser Körper aufnimmt, nicht mehr effektiv abgebaut und ausgeschieden werden. Über das Blut gelangen diese Gifte so ins Gehirn. Die gravierendste Folge: Das Gehirn kann nicht mehr so konzentriert arbeiten, man fühlt sich wie benebelt, so ähnlich, als hätte man etwas Alkohol getrunken.

Wenn diese ins Gehirn gelangten Gifte ein gewisses Maß überschreiten, kann man wie im Alkoholrausch irgendwann das Bewusstsein verlieren und ins Koma fallen.

Wichtig hierbei ist zu wissen: Das Gehirn ist eigentlich völlig gesund, es kann nur deswegen nicht richtig arbeiten, weil das Blut Giftstoffe enthält. Sobald die Leber wieder richtig funktioniert, arbeitet auch das Gehirn wieder normal – genau wie beim Alkoholrausch. Medizinisch nennt man dies "Enzephalopathie" (wörtlich: das Gehirn leidet), und weil die Leber daran schuld ist, "hepatische Enzephalopathie".

Die kann das Leben des Patienten und seiner Angehörigen richtig schwer machen und, falls es bis zum Koma kommt, bei allen Beteiligten zu Recht Ängste auslösen.

Welche Maßnahmen helfen

Um zu verhindern, dass zu viele toxische Stoffe ins Gehirn gelangen, muss der Strom der möglichen Gifte aus Darmbakterien unbedingt reduziert werden. Dabei hilft vor allem ein bestimmtes Abführmittel: Lactulose.

Lactulose

Lactulose ist ein aus umgewandeltem Milchzucker (Laktose) synthetisch hergestellter spezieller Zucker (Disaccharid). Er hält den Stuhlgang weich und sorgt idealerweise für 2 bis 3 Stuhlgänge pro Tag, bei denen Giftstoffe ausgeschieden werden. Die Patientin oder der Patient muss selber darauf achten, dass sie oder er genau so viel nimmt, dass diese 2 bis 3 weichen Stuhlgänge am Tag erreicht werden. Das geht nicht wie bei anderen Medikamenten einfach mit einer genau festgelegten Menge – soundso viel Gramm am Tag haben so viel Wirkung –, denn jeder Darm ist anders und die Ernährungsgewohnheiten der Patienten auch. Dies sollte individuell mit dem behandelnden Arzt abgesprochen werden, denn nur zusammen sind Arzt und Patient stark – auch hier.

Lactulose hat noch einen anderen Effekt im Darm (weshalb auch andere Abführmittel für die Entgiftung bei Zirrhose nicht so gut wirken wie Lactulose): Sie wird im Darm von Bakterien zu Milchsäure umgebaut und senkt dadurch den ph-Wert, das heißt, der Darminhalt wird saurer. Dadurch wird Ammoniak, der Hauptgiftstoff aus dem Darm bei Leberzirrhose, gebunden und gelangt in geringerer Konzentration ins Blut.

Gabe von Antibiotika

Wenn die Einnahme von Lactulose noch nicht den gewünschten Erfolg bringt, gibt es eine zusätzliche Möglichkeit, nämlich die Gabe von Antibiotika. Antibiotika, fragen Sie jetzt vielleicht, die soll man doch eigentlich so wenig wie möglich nehmen, oder? Auch dafür gibt es einen Trick: Es gibt Antibiotika, die gar nicht in den Körper aufgenommen werden können, sondern ausschließlich im Darm verbleiben und nur im Darminhalt ihre Wirkung entfalten. Eines davon, Rifaximin, das ursprünglich für Reisediarrhoe entwickelt und hierfür auch zugelassen wurde, hat sich als wirkungsvoll bei Patienten mit Leberzirrhose erwiesen. Das Wirkprinzip ist wieder relativ einfach: Das Antibiotikum reduziert die Keimzahl im Darm, weniger Keime produzieren weniger Ammoniak und andere Giftstoffe, dadurch wird die Leberentgiftung entlastet.

Manche Patienten brauchen beide Präparate, um im Gleichgewicht zu sein – Lactulose und das nur im Darm wirkende Antibiotikum.

Quelle: Das Schweigen der Leber