
Stagnation im Magen-Darm-Trakt führt zur vermehrten Darmgasbildung. In sitzender Position haben Gase die Tendenz, nach oben aufzusteigen; ca. 50 Liter Darmgase bilden sich pro Tag. Das ist ein Richtwert, der aufhorchen lässt; 96 % hiervon gehen durch die Darmwand ins Blutsystem über, durchwandern die Leber und werden schlussendlich über die Lunge abgeatmet. Übrig bleiben pro Tag 500 ml bis 2000 ml, die wir als Winde über den Anus abgeben. Als normal gilt auch der Richtwert: 24 Windabgänge pro 24 Stunden. Bei Blähungen hingegen kann sich das Darmgasvolumen schnell verdoppeln und verdreifachen. Sowohl der Magen als auch der querverlaufende Dickdarm fixieren das Zwerchfell bei Blähung zusätzlich mit ihren gasartigen Inhalten. Beim Dickdarm ist dies insbesondere der linke Teil, genauer, der höchste Punkt dort: die linke Dickdarmflexur. Diese liegt näher am Zwerchfell als der rechte Teil des querverlaufenden Dickdarms, dem »die Leber dazwischenkommt«. Eine Gasbildung im Magen lässt sich durch Aufstoßen oder durch die Einnahme von Bikarbonat zügig entfernen. Hingegen bleiben die Darmgase im Dickdarm so lange eine pneumatische Hürde für das Zwerchfell, solange nicht für eine Optimierung der Verdauung gesorgt wurde.
Klopftest: Ist Ihr Bauch gebläht?
Es ist ganz einfach zu überprüfen, ob eine große Darmgasmenge im Bauchraum vorhanden ist oder nicht. Legen Sie sich flach auf den Rücken und positionieren Sie eine Hand flach auf der Bauchdecke. Die zweite Hand verwenden Sie nun, um auf der ersten Hand zu klopfen (Perkussion genannt):
Krümmen Sie den Mittelfinger der zweiten Hand (als wollten Sie mahnend auf den Tisch klopfen) und perkutieren Sie mit dem gekrümmten Mittelfinger auf dem gestreckten Mittelfinger der ersten Hand, welche flach auf der Bauchdecke liegt und etwas in den Bauch gedrückt wird. Mit dieser Klopftechnik können Sie den ganzen Bauchbereich abklopfen, allen voran den Rahmen des Dickdarms. Zu hören gibt es zweierlei Geräusche: »gefüllt« oder »hohl«. Um zu lernen, wie sich »gefüllt« anhört, klopfen Sie mit der oben genannten Technik auf Ihren Oberschenkel. Das, was Sie hören, ist der sogenannte »Schenkelschall« – wohlwissend, dass unter der Hand, die flach auf dem Oberschenkel liegt, keine Luft ist, sondern nur Knochen, Muskel und Fett, hören Sie einen »gefüllten« Schall (durch Füllung gedämpft). Um zu lernen, wie sich »hohl« anhört, blasen Sie die Backen auf und klopfen mit der oben genannten Technik auf die Wange. Der Klang ist tympan, fast wie auf einem Trommelfell, der Schall wird durch den luftgefüllten Raum fortgetragen. Wenn man nun den Bauch einer Person abklopft (perkutiert), kann man mit etwas Übung schnell feststellen, ob erhebliche Darmgasmengen vorhanden sind oder nicht. Machen Sie sich bitte bildlich bewusst, dass die Bewegungsfreiheiten der Atmung/des Zwerchfells durch übermäßige Gasansammlungen im Bauch behindert werden, und sorgen Sie für Abhilfe durch Gasentfernung und Vermeidung neuer Gasbildungen.
Bauchgase entfernen
Aufstoßen ist ein Zeichen für vermehrte Gasbildung in der Magenblase, also dem oberen Luft gefüllten Raum des Magens. Aufstoßen hilft uns direkt, das Volumen der Magenblase zu verkleinern. Bei Gasansammlung im Magen sollte eine aufrechte Position eingenommen werden, hierdurch wird das Aufstoßen begünstigt, durch Horizontallage hingegen wird das Aufstoßen behindert. Merke: Gase steigen senkrecht auf und bitte: beengende Kleidung ablegen (Hosengürtel). Blähungen sind ein Zeichen für Stagnation/vermehrte Gasbildung im Dickdarmbereich. Der Dünndarm ist kaum mit Bakterien besiedelt und stets wassergefüllt. Wenn sich der Dickdarm im Rahmen einer Durchfallerkrankung zügig und schnell entleert, ist es faktisch nicht möglich, unter Blähungen/dem Abgang von Winden zu leiden. Der Dickdarm ist dann ebenfalls mit einem hohen Wasseranteil gefüllt, der nur in Teilen vom Körper rückresorbiert wird, die Passage ist flott. Fazit: Gegen Blähungen hilft es, den Stuhlgang und den Abgang von Winden zu fördern. Legen Sie sich bei Blähungen in Bauchlage auf eine Wärmflasche oder auf ein Wärmekissen, legen Sie beengende Kleidung ab. Chemisch helfen könnten: Simeticon-Tropfen (z. B. Sab Simplex oder Lefax), Sauerkrautsaft, Pflaumensaft, Glaubersalz etc.
Die Entstehung von Darmgasen vermeiden
Langsam essen und ausreichend kauen: Essen Sie langsam und kauen Sie ausreichend. Durch hastiges Essen verschlucken wir ca. 2 Liter Luft pro Tag, die sich auf anderem Wege wieder ihren Weg nach draußen bahnen müssen. Lassen Sie diese 2 Liter schon mal weg. Und versuchen Sie, jedes Essen auf eine Länge von 20–30 Minuten zu dehnen. Eine Standardmahlzeit wird in ca. 10 Minuten eingenommen, das Sättigungsgefühl kommt hingegen über Reflexverschaltungen erst nach ca. 20 Minuten zustande. Dehnen Sie das Essen aus, essen Sie langsamer und freuen Sie sich über weniger Darmgasbildung und über weniger Kalorien, die Sie aufnehmen werden, da Sie sich vom Sättigungsgefühl »einholen« lassen. Genug trinken: Trinken Sie ausreichend, für einen gesunden Erwachsenen gelten 2–3 Liter/Tag als Richtwert. Es ist allerdings empfehlenswert, nicht zu den Mahlzeiten zu trinken, sondern in den Stunden, in denen Sie nicht essen. Sollten Sie wegen Nieren oder Herzschwäche oder aus einer anderen Ursache heraus eine andere Trinkmenge verordnet bekommen haben, so halten Sie sich bitte an die Ihnen erteilte Verordnung. Als weiterer Richtwert kann anhand der Urinfarbe auf den eigenen Wasserhaushalt zurückgeschlossen werden: Hellgelber, geruchsarmer Urin bedeutet, dass der Körper mit seinem Wasserhaushalt im Lot ist; bei bierbraunem, dunklem Urin fehlt dem Organismus Wasser; durch eine Erhöhung der Trinkmenge sollte der Urin klarer werden. Ballaststoffe verzehren: Nehmen Sie genug Ballaststoffe (z. B. aus Beeren, Birnen, Nüssen, Vollkorngetreide etc.) mit der Nahrung auf. Ballaststoffe sind faserreiche Pflanzenteile, die nicht gänzlich verdaut werden können und die deshalb wie ein Besen durch den Magen-Darm-Trakt kehren; ein ungeschälter Apfel liefert ca. 5 g Ballaststoffe (die Ballaststoffe des Apfels heißen Pektin und befinden sich direkt unter der Schale). Für Erwachsene werden insgesamt 30 g Ballaststoffe/Tag empfohlen, diese sollten verteilt auf 5 Portionen im Laufe des Tages konsumiert werden. Sie können sich jetzt eisern vornehmen, ab heute 6 Äpfel über den Tag verteilt zu essen, um auf 30 g Ballaststoffe zu kommen. Praktischer wäre es, wenn Sie überlegen, was Sie ohnehin schon alles mit Ihrem täglichen Speiseplan abdecken: Einfach erreicht man die Menge von 30 g Ballaststoffe zum Beispiel über folgenden Mix:
- zum Frühstück Obst und/oder Getreideflocken
- eine Portion Kartoffeln, Vollkornnudeln oder Naturreis als Beilage (Mittagessen) sowie Gemüse und/oder Hülsenfrüchte und
- 2–3 Scheiben Vollkornbrot (Abendbrot).
Sollte der Abgleich zu Ihrem Speiseplan Lücken ergeben haben, packen Sie sich 2 Äpfel täglich ein und beobachten Sie über die nächste Woche, wie sich der Stuhlgang hierdurch verändert.
Für ausreichenden Stuhlgang sorgen: Halten Sie den einmal in Gang gebrachten Stuhlgang mit Ballaststoffen flott. Auch hilft die Zugabe von Quellmitteln, z. B. Flohsamenschalen, oder die Einnahme von z. B. 5 Laxoberal-Tropfen oder einem Movicol-Beutel jeden zweiten Tag. Diese Stoffe lassen den Darminhalt aufquellen, sie binden Wasser und führen so zu einer flockigen Darmpassage –ihnen gemeinsam ist: Sie wirken nur, wenn man sie regelmäßig nimmt und ausreichend trinkt. Es handelt sich nicht um (Notfall-) Abführmittel. Reduzieren Sie Zucker, vermeiden Sie Nahrung, die Blähungen verursacht.
Achten Sie dabei auf Ihre individuelle Verträglichkeit, denn ballaststoffreiche und eigentlich gesunde Lebensmittel wie Kohl, Zwiebeln, Bohnen, Linsen, aber auch Vollkornbrot etc. können zu Blähungen führen, die ja eigentlich gerade vermieden werden sollen.
Beachten Sie, dass manche Medikamente Blähungen begünstigen (z. B. einige Blutzuckersenker oder Schmerzmittel). Auch wissenswert: Schmerzmittel mit opioiden Anteilen lähmen die Darmtätigkeit. Eine Nebenwirkung, die so mancher nach einer OP schon feststellen musste. Sollten Sie dauerhaft opiathaltige Medikamente benötigen, achten Sie umso mehr darauf, dass Ihre Darmfunktion intakt bleibt. Gleiches empfiehlt sich nach einer Antibiotikumtherapie. Antibiotika zerstören die gesunde Darmflora. Zwar erholt sich diese in der Regel binnen kürzester Zeit wieder, dennoch schadet es nichts, wenn Sie Ihrer Darmfläche (Merke: Die Innenfläche des Magen-Darm-Trakts entspricht der Ladefläche von 13,3 LKWs) mit einem Fläschchen probiotischem Drink pro Tag unterstützen oder mit getrockneten Darmbakterien (Omniflor, Omnibiotic, Eubiol etc.).
Quelle: Erste Hilfe für Lunge und Bronchien
kcl




