
Ungefähr 21 600 Atemzüge macht ein Mensch täglich, völlig automatisch als Reflex. Ohne Atem kein Leben, das lernt man schon im Erste-Hilfe-Kurs. Wie kann sich etwas so Selbstverständliches positiv auf die Verdauung auswirken? Obwohl die richtige Atmung angeboren ist, atmen wir leider oftmals falsch: zu schnell, zu hektisch, nicht tief genug, unregelmäßig, flach oder wir halten unbewusst den Atem sogar an, was erhebliche Auswirkungen auf unser Verdauungssystem hat. Wie oft hören wir in stressigen Situationen: »Jetzt atme erstmal richtig durch!«
Mögliche Auswirkung von falscher Atmung
Reduzierte Sauerstoffversorgung:
Flache Atmung führt dazu, dass weniger Sauerstoff in den Körper gelangt. Eine ausreichende Sauerstoffversorgung ist jedoch wichtig für die Funktion verschiedener Gewebe und Organe, einschließlich des Verdauungssystems. Wenn Gewebe und Organe nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden, kann das ihre normale Funktion beeinträchtigen, einschließlich der Verdauungsorgane.
Sympathikus-Dominanz:
Gestresste Atmung aktiviert das sympathische Nervensystem, auch als »Kampf- oder Flucht-System« bekannt. Dieser Zustand der Erregung kann die Blutzufuhr zu den Verdauungsorganen reduzieren, weil der Körper in einem stressigen Moment Energie für andere Funktionen benötigt. Eine unzureichende Blutzufuhr kann zu Verdauungsproblemen führen.
Muskelverspannungen im Bauchbereich:
Falsches Atmen, insbesondere flaches Atmen, kann zu Verspannungen in der Atemmuskulatur und den Muskeln im Bauchbereich führen. Verspannte Muskeln können den normalen Ablauf der Peristaltik, der wellenförmigen Muskelkontraktionen des Darms, beeinträchtigen und zu Verdauungsproblemen wie Verstopfung führen.
Reizdarm-Symptome:
Stress und flache Atmung können bei manchen Menschen die Symptome des Reizdarm-Syndroms (IBS) verschlimmern. IBS ist eine funktionelle Magen-Darm-Störung, die mit Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Verstopfung einhergehen kann.
Überproduktion von Magensäure:
Stress und flaches Atmen können auch die Produktion von Magensäure erhöhen, was zu Sodbrennen und anderen Magenbeschwerden führen kann.
Vagusatmung unterstützt die Verdauung
Die Vagusatmung, auch als diaphragmatische Atmung bekannt, ist eine spezifische Art des Atmens, bei der die Atmung tief in den Bauchraum verlagert wird. Diese Art des Atmens kann den 10. Hirnnerv, den Vagusnerv, einen wichtigen Bestandteil des parasympathischen Nervensystems, stimulieren.
Eine angeregte Vagusaktivität kann dazu beitragen, die Peristaltik zu regulieren (die wellenförmigen Muskelkontraktionen des Darms), die Sekretion von Verdauungssäften zu fördern und insgesamt die Verdauung zu unterstützen. Gleichzeitig können Entzündungen im Körper, also auch im Darm, reduziert werden. Die Vagusatmung führt über die Aktivierung des Vagusnervs zu einer Reduzierung des Stresshormons Cortisol – negative Auswirkungen des Stresses auf den Darm können so regelrecht veratmet werden. Auch Schmerzen können durch eine tiefe und gleichmäßige Atmung gelindert werden, nicht umsonst wird bei Geburten die richtige Atemtechnik von Müttern als sehr hilfreich empfunden.
Alle Entspannungstechniken nutzen die bewusste, kontrollierte Atmung, um das Nervensystem auszubalancieren und den Geist zu beruhigen. Atemübungen sollten daher bei Verdauungsproblemen zur täglichen Routine gehören, genauso wie beispielsweise das Zähneputzen. Sie sind überall ohne Aufwand durchführbar und brauchen nicht viel Zeit.
Vagus-Atemübung für die Verdauung:
Sitz- oder Liegeposition: Setzen Sie sich in eine bequeme Position oder legen Sie sich hin. Dabei entspannen Sie die Schultern und schließen sanft die Augen.
Tiefe Atmung: Nun atmen Sie tief durch die Nase ein, füllen den Bauch mit Luft und lassen dann die Luft langsam durch den Mund ausströmen. Wichtig: Konzentrieren Sie sich darauf, dass der Atem tief in Ihren Bauchraum gelangt und Sie dadurch eine flache Brustatmung vermeiden.
Verlängerte Ausatmung: Die Ausatmung wird betont, indem sie länger ist als die Einatmung. Zählen Sie dazu langsam beim Ausatmen bis vier oder mehr. Das kann dazu beitragen, das parasympathische Nervensystem zu aktivieren.
Achtsamkeit für den Bauch: Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf den Bauch. Dafür können Sie sich vorstellen, wie sich mit jedem Atemzug eine entspannende Wärme in diesem Bereich ausbreitet.
Positive Visualisierung: Jetzt stellen Sie sich vor, wie sich Stress und Spannung aus dem Bauchraum lösen. Hier können Sie visualisieren, wie eine beruhigende Energie oder ein helles Licht diesen Bereich durchdringt und eine heilende Wirkung entfaltet.
Beruhigende Affirmationen: Die Atmung lässt sich gut mit beruhigenden Affirmationen kombinieren. Wiederholen Sie dafür leise in Gedanken: »Mein Bauch ist entspannt und ruhig« oder »Ich pflege meinen Darm mit Liebe und Achtsamkeit«.
Wiederholung: Wiederholen Sie diese Atemübung etwa fünf bis zehn Minuten lang oder so lange, wie es angenehm ist. Besonders in Zeiten von Stress oder bei Darmproblemen sollten Sie diese Übung täglich wiederholen.
Quelle: Naturheilpraxis: Erkrankungen von Magen und Darm
kcl




