
Nach langwierigen Infekten und der Einnahme von Antibiotika sowie verschiedensten Erkältungsmitteln bedarf unser Darm als wichtiges Ausscheidungs- und Entgiftungsorgan der Beachtung. So sollte er auch bei postviraler Müdigkeit berücksichtigt werden, um mögliche Störfelder und Missstände zu erkennen und diese mithilfe eines geschulten Therapeuten bereinigen zu können. Wie Studien zeigen, spielen Darm und Darmflora bei Betroffenen eine wichtige Rolle. In diesem Artikel geht es um die Bedeutsamkeit des Darms für unser Immunsystem und unser allgemeines Wohlbefinden sowie um unterschiedliche Maßnahmen zur gezielten Darmregulation.
Darm und Immunsystem
Das Immunsystem ist das Abwehrsystem unseres Körpers, das uns mit aller Kraft vor Angriffen von Allergenen und Krankheitserregern schützt. Schon der Darm des Säuglings kommt mit gesundheitsfördernden wie auch krank machenden Bakterien in Kontakt. Bei Infektionen gelangen die Krankheitserreger über den Darm in unseren Körper, der nun den Eindringlingen Widerstand leisten muss.
Immunzellen-Trainingslager
Über 80 % des Immunsystems befinden sich in unserem Darm. Die dort lebenden Immunzellen haben tagtäglich Umgang mit allerlei Bakterien, bei denen sie zwischen nützlich und schädlich unterscheiden können und müssen. Indem Abwehrzellen aktiviert werden, bilden die Immunzellen spezifische Antikörper gegen die jeweiligen Krankheitserreger. Rund 60 % davon werden von den Immunzellen der Darmschleimhaut abgegeben und gelangen über die Blutbahn in den ganzen Körper. Zahlreiche verschiedene Immunzellen leben im Darm, wie die Peyer-Plaques, eine Ansammlung von lymphatischem Gewebe in der Dünndarmschleimhaut. Peyer-Plaques agieren als die erste Verteidigungslinie des Immunsystems gegen ernährungsbedingte sowie mikrobielle Antigene im Dünndarm.
Barriere gegen Krankheitserreger
Krankheitserreger tun sich schwer damit, die Darmschleimhaut zu durchdringen, da deren zähflüssige Beschaffenheit und die fest miteinander verbundenen Epithelzellen den Weg blockieren. Darmbakterien besiedeln die Oberfläche der Schleimschicht. So werden krank machende Bakterien an der Ansiedlung im Darm gehindert und verdrängt. Eine gesunde, vitale Darmflora, also die Gesamtheit aller dort ansässigen Mikroorganismen, macht Bakterien zusätzlich das Leben schwer, da sie die Zellen mit Nährstoffen versorgt und diese so gestärkt werden. Gleichzeitig produzieren die nützlichen Darmbakterien Substanzen, die krankmachende Bakterien unschädlich machen.
Funktionen der Darmflora
Verdauung: Bakterien tragen zur Zersetzung der Nahrungsbestandteile bei. So werden die Darmzellen mit Energie versorgt und die Barrierefunktion kann aufrechterhalten werden.
Immunsystem: Die Bakterien des Immunsystems fördern die körperliche Gesundheit, produzieren Stoffe, die das Wachstum schädlicher Bakterien hemmen, und entziehen Krankheitskeimen die Nahrung. Eine funktionierende Darmflora reduziert das Risiko für eine Infektion mit schädlichen Bakterien im Darm und hilft dem Immunsystem dabei, Antikörper gegen krankheitserregende Bakterien zu bilden. Die Bakterien verhindern auch Nahrungsmittelallergien, da ihre Stoffwechselprodukte die Toleranz der Immunzellen fördern.
Vitaminproduktion: Die Mikroorganismen in der Darmflora produzieren die Vitamine B1, B2, B5, K, Biotin, Folsäure und einige mehr.
Störungen der Darmflora
Wenn die Zusammensetzung der Mikroorganismen aus dem Gleichgewicht gerät und eine geringere Vielfalt an Bakterien besteht, kann es zu gesundheitlichen Problemen bis hin zu Erkrankungen wie Blähungen, Verstopfung oder Durchfall, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Allergien, Übergewicht und rheumatoider Arthritis kommen. Eine kurzfristig gestörte Darmflora kann sich durch Probleme im Verdauungstrakt, Bauchschmerzen, Krämpfe oder Übelkeit zeigen.
Aufbau von Darmbakterien
Positiv auf die Darmflora wirken sich fermentierte Lebensmittel (Joghurt, Sauerkraut), ballaststoffreiche Lebensmittel (Gemüse, Obst, Vollkornprodukte) und polyphenolreiche Lebensmittel (Gemüse, Obst, Kräuter, Gewürze) aus. Die Einnahme spezieller Präparate mit ausgewählten Bakterienstämmen zur Ergänzung des Darmmikrobioms ist ebenfalls möglich (als Tabletten, Pulver, Kapseln, flüssige Präparate).
Störfaktoren der Darmflora
Im Darmtrakt befinden sich neben gesundheitsfördernden Bakterien auch schädliche (z. B. Fäulnisbakterien). Vermehren sich diese zu stark, gerät das Darmmikrobiom aus dem Gleichgewicht und eine Dysbiose entsteht. Diese wird zusätzlich gefördert durch psychischen und körperlichen Stress, falsche Ernährung mit übermäßig viel Fett, Zucker und Alkohol, Einnahme von Antibiotika, Bewegungsmangel, hormonelle Veränderungen, Einnahme der Antibabypille, Infektionen des Darms, Mangel an Magensäure oder Galle sowie Medikamente auf Basis von Kortison. Um das Gleichgewicht im Darm wiederherzustellen, müssen die Störfaktoren eliminiert werden.
Maßnahmen zur Darmregulation
Da postvirale Müdigkeit durch eine gestörte Darmflora mitausgelöst und gefördert werden kann, ist es wichtig, Maßnahmen zum Darmaufbau und zur Darmsanierung zu ergreifen. Eine zentrale Rolle spielt hierbei die Ernährung.
Darmaufbau und Darmsanierung
Hier geht es um den Wiederaufbau einer gestörten Darmflora. Fehlt der Schutz, kann es zu Darmentzündungen, sogar zum Leaky-Gut-Syndrom (durchlässiger Darm) kommen. Hierbei gelangen Stoffe, die ausgeschieden werden sollen, durch die durchlässige Darmwand in unsere Blutbahn und werden vom Immunsystem bekämpft. Eine Darmsanierung sorgt dafür, dass sich keine Pilze und schlechten Bakterien mehr ansiedeln. Gleichzeitig wird das Immunsystem unterstützt. Vor einer Darmsanierung werden Blutbild und Stuhlprobe gemacht. Im Labor wird festgestellt, welche Darmbakterien im Übermaß vorhanden sind und welche fehlen. Außerdem wird der Status hinsichtlich Pilze, Hefen, des pH-Wertes und der Darmflora geprüft. Wenn klar ist, welche Bakterienstämme benötigt werden, um das Darmmilieu aufzubauen, kann ein Therapieplan mit entsprechenden Produkten erstellt werden.
Antioxidantien
Antioxidantien schützen vor freien Radikalen, die vom Körper selbst während bestimmter Stoffwechselprozesse gebildet werden, aber auch durch äußere Einflüsse entstehen. Gibt es zu viele Radikale im Körper, entsteht oxidativer Stress, der Darmerkrankungen mitverursachen kann. In der Regel haben wir ein funktionierendes Schutzsystem, um freie Radikale in Schach zu halten, doch sind wir geschwächt, können diese überhandnehmen.
Je nach Herkunft lassen sich Antioxidantien in im Körper gebildete (Enzyme, Hormone, Stoffwechselprodukte) und mit der Nahrung zugeführte (Gemüse, Obst, Nüsse) einteilen. Antioxidantien aus der Nahrung sind die Vitamine C und E, Selen und sekundäre Pflanzenstoffe wie Beta-Carotin, OPC (Oligomere Proanthocyanidine), Flavonoide (in Tee) und Lycopin (in Tomaten).
Ernährung
Bei Störungen der Darmflora gilt es, nährstoffarme durch nährstoffreiche Lebensmittel zu ersetzen. Je unverarbeiteter ein Lebensmittel ist, desto höher ist sein Nährstoffgehalt. Auf dem Speiseplan sollten viel Obst und Gemüse mit Ballaststoffen, Antioxidantien, Vitaminen und Mineralien stehen. Der Darm benötigt jetzt auch gute Fette, die helfen, Nährstoffe aus dem Gemüse besser aufzunehmen. Ballaststoffe (in grünem Blattgemüse, Vollkornprodukten, Nüssen) sorgen dafür, dass der Darm den Stuhl nach außen transportiert, sie machen satt und halten den Blutzuckerspiegel unten.




