HistaminunverträglichkeitDie Histaminintoleranz ist keine Allergie

Welche Auslöser hat eine Histaminintoleranz und was ist der Unterschied zu Allergien?

Arzt hält Kreidetafel mit dem Text Histamin Intoleranz vor seinem Kittel in der Hand
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Durch HIT ausgelöste Gesundheitsstörungen ähneln allergiebedingten Beschwerden, daher bezeichnet man HIT als Pseudoallergie.

Wer unter einer Histaminintoleranz (HIT) leidet, reagiert auf mäßig bis stark histaminhaltige sowie auf histaminfreisetzende Lebensmittel mit körperlichen Symptomen, die sich im Magen-Darm-Trakt ebenso manifestieren können wie in der Lunge, in den Nebenhöhlen, auf der Haut oder im Kopf. Warum die Ausprägung der Beschwerden individuell so unterschiedlich ausfällt, ist bis heute nicht geklärt.
Besonders histaminintolerante Personen können bereits bei einer Dosis von 15–30 Mikrogramm (Tausendstel Milligramm), also durch einen Bruchteil der durchschnittlichen Tagesmenge, gesundheitliche Beschwerden verspüren. Aber auch bei gesunden Menschen kann es zu lebensbedrohlichen Vergiftungen kommen, wenn die aufgenommene Histaminmenge groß genug ist. Man spricht dann von einer Lebensmittelvergiftung, im Falle von verdorbenen Meerestieren auch von einer Fischvergiftung.

Der Symptomauslöser Histamin befindet sich sowohl in den körpereigenen Zellen als auch in fast allen Nahrungsmitteln. Die Histaminbelastung einzelner Nahrungsmittelgruppen ist dabei sehr unterschiedlich. Im Durchschnitt nehmen wir pro Tag etwa 4 mg Histamin durch unsere Speisen auf. Für gesunde Menschen stellt diese Menge kein Problem dar, für viele Betroffene mit HIT allerdings schon. Nach dem Verzehr einzelner Lebensmittel oder bei besonderen Ernährungsgewohnheiten kann diese Dosis jedoch um ein Vielfaches höher sein.

Histamin-Intoleranz ist eine erworbene Krankheit

Bei der HIT handelt es sich nur in extrem seltenen Fällen um eine angeborene Krankheit. In der Regel wird sie im Laufe eines Lebens erworben. Oft verspürt man im jungen Erwachsenenalter die ersten Symptome, die sich schleichend entwickeln und mit zunehmendem Lebensalter noch verstärken können. Dieses »heimliche « Fortschreiten der Krankheit macht es sowohl den Betroffenen als auch ihren Ärzten schwer, die Symptome richtig wahrzunehmen und als Folgen einer HIT zu deuten.

Auch wenn sich in den letzten Jahren viel getan hat – die HIT hat noch nicht den Bekanntheitsgrad erlangt, der ihr eigentlich zusteht. Bedenkt man nämlich, dass 2 bis 5 Prozent der Erwachsenen unter einer Unverträglichkeit Histamin-reicher Lebensmittel leiden, so wird verständlich, warum die Zeit für eine umfassende Aufklärung gekommen ist: Die HIT ist vermutlich um ein Vielfaches häufiger Ursache für Gesundheitsstörungen als alle Nahrungsmittelallergien zusammen.

Die Zahl der Betroffenen steigt

Während man die HIT ursprünglich für ein sehr seltenes Krankheitsbild hielt, weiß man heute mehr über ihre Bedeutung bei der Abklärung allergieähnlicher Symptome. Besonders Allergologen und Fachärzte in Hautkliniken können bestätigen, dass nur ein geringer Teil der Menschen, die von sich glauben, unter einer Nahrungsmittelallergie zu leiden, tatsächlich von einer betroffen sind.
Bei den meisten ihrer Patienten stellt sich früher oder später heraus, dass durch die Nahrung zugeführtes Histamin der eigentliche Auslöser der Beschwerden ist. Auch viele Fälle von Medikamentenallergien werden immer häufiger umgedeutet in eine Histamin-Abbaustörung, also eine HIT.

Statistische Daten zur Unverträglichkeit von Histamin sind sehr rar. Man weiß aber, dass diese Krankheit zu drei Vierteln das weibliche Geschlecht betrifft. Dies muss nicht zwangsläufig mit körperlichen Unterschieden zwischen Mann und Frau zusammenhängen. Beim Reizdarmsyndrom sind ähnliche Zahlen bekannt. Hier vermutet man, dass Unregelmäßigkeiten der normalen Verdauungstätigkeit von Frauen eher als Störung empfunden oder gedeutet werden. Frauen stünden den Auswirkungen einer HIT demnach sensibler gegenüber und suchen deshalb auch häufiger einen Arzt auf. Auch wurde festgestellt, dass die Zahl der diagnostizierten Fälle steigt. Die Gründe hierfür liegen möglicherweise in der Industrialisierung der Lebensmittel-zubereitung und -lagerung sowie an der steigenden Sensibilität diesem Thema gegenüber und der damit verbundenen wachsenden Anzahl positiver Befunde.

Mehrere potenzielle Auslöser

Nicht nur die Ausprägung der Beschwerdebilder beim Einzelnen kann sehr unterschiedlich ausfallen. Es gibt auch mehrere potenzielle Auslöser, die infrage kommen.

  • So kann – wie wir schon wissen –eine Überbelastung des Organismus mit dem Stoff Histamin durch den Genuss besonders histaminreicher Speisen erfolgen. 
  • Es ist aber auch möglich, das im Körper bereits vorhandene Histamin durch den Verzehr von histaminfreisetzenden Substanzen, sogenannten Histamin-liberatoren, zu aktivieren und dadurch Beschwerden hervorzurufen. 
  • Auch kann es durch einen verminderten Abbau von Histamin zu einer Überbelastung kommen. Die Gründe hierfür können vielfältig sein.
    Für Ihre Genesung ist es zwingend erforderlich, alle potenziellen Verursacher histaminbedingter Gesundheitsstörungen zu kennen.

Worin liegt der Unterschied zu einer echten Allergie?

Es wurde bereits erwähnt, dass es sich bei der HIT nicht um eine Allergie handelt. Es stellt sich nun die Frage, worin genau bei einem solch allergieähnlichen Beschwerdebild die Abgrenzung zu einer echten Allergie besteht. Für ein besseres Verständnis dieses Sachverhaltes ist es hilfreich, die HIT als Pseudoallergie zu beschreiben. Dazu muss man wissen, dass Nahrungsmittelallergien in der Regel IgE-vermittelt, also von einer spezifischen Antikörperbildung begleitet sind. Diese Immunreaktion findet bei einer Histamin-Intoleranz nicht statt. Konsumiert also eine Person mit HIT ein histaminreiches Nahrungsmittel, so werden, anders als bei der Allergie, keine Antikörper  gebildet, das Immunsystem wird nicht direkt beteiligt.

Die Abb. zeigt die wichtigsten Unterschiede zwischen einer »echten« Allergie und einer Pseudoallergie:

Was passiert bei einer Lebensmittelallergie?

Bei einer Allergie auf bestimmte Speisen oder Getränke antwortet das Immunsystem mit einer überschießenden Reaktion auf einen Stoff, der sich im Nahrungsmittel befindet. Diesen bezeichnet man als Allergen. Die ursprüngliche Aufgabe des Immunsystems ist es, den Körper vor Fremdstoffen und Krankheitserregern zu schützen. Im Falle einer Lebensmittelallergie hält das Immunsystem einen harmlosen Nahrungsmittelbestandteil – das Allergen – für bedrohlich und produziert beim ersten Kontakt mit dieser Substanz körpereigene Abwehrstoffe, sogenannte Antikörper. Diese auch als Immunglobuline (Ig) bezeichneten Antikörper wiederum verursachen bei jedem weiteren Kontakt mit dem harmlosen Allergen verschiedenartige Wirkungen im Organismus, die wir als allergische Reaktionen kennen. Um eine Wiederholungsreaktion hervorzurufen, reichen dann meist verschwindend geringe Mengen des Allergens aus. Typisch für eine Allergie ist auch, dass die Abwehrreaktion des Immunsystems, gemessen an der Bedrohung durch den vermeintlichen Fremdstoff, viel zu heftig ausfällt. Bereits beim kleinsten Kontakt werden unverhältnismäßig große Mengen Histamin im Körper freigesetzt. Dies kann zu den bekannten Wirkungen auf die Muskulatur in Darm und Lunge, auf Gefäßsysteme und auf das Hautgewebe führen.

HIT plus Nahrungsmittelallergie

Selbstverständlich schließt eine Intoleranz gegenüber Histamin eine echte Nahrungsmittelallergie nicht aus. Im Gegenteil: Gerade wer wegen allergischer Reaktionen auf Lebensmittel unter häufigen Verdauungsbeschwerden leidet, läuft Gefahr, dadurch auch eine Intoleranz gegenüber Histamin zu entwickeln. Und umgekehrt: Nahrungsmittelunverträglichkeiten ziehen den Darm in Mitleidenschaft, sodass sich auch echte Nahrungsmittelallergien leichter entwickeln können.

  • Die bei einer Allergie aktivierten Antikörper verursachen die Ausschüttung des Gewebehormons Histamin und führen dadurch indirekt zu Beschwerden. Bei der Pseudoallergie HIT werden die unverträglichen Histaminmengen direkt mit der Nahrung aufgenommen oder durch die verzehrte Nahrung (sogenannte Histaminliberatoren) direkt freigesetzt. Deshalb spielt bei einer Pseudoallergie auch die Menge des unverträglichen Lebensmittels eine Rolle. Je mehr man davon zu sich nimmt, desto heftiger die Beschwerden. Dies ist bei einer Allergie anders: Hier können bereits geringe Mengen des Allergens starke Beschwerden auslösen.
  • Und der dritte Unterschied ist, dass bei der Allergie beim ersten Kontakt zunächst die Antikörper gebildet werden.

Diesen Vorgang nennt man Sensibilisierung. Erst nach erfolgter Sensibilisierung, also bei jedem weiteren Kontakt mit dem Allergen, kann sich eine Symptomatik entwickeln. Ganz im Gegensatz zur Pseudoallergie: Hier sind Beschwerden bereits beim ersten Kontakt möglich.

Nahrungsmittelallergien sind in der Bevölkerung mit einer Häufigkeit von vermutlich unter einem Prozent eher selten. Aber dank oberflächlicher Berichterstattung unkritischer Medien, in denen einfache Antworten auf komplexe Fragestellungen gegeben werden, vermuten zahlreiche Menschen eine Allergie als Grund für ihre ungeklärten Gesundheitsstörungen. Der vom Patienten geäußerte Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie lässt sich jedoch nur selten bestätigen, die vermutete Allergie durch Austestung nicht verifizieren.

Quelle: Richtig einkaufen Histamin-Intoleranz

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kcl