ImpfungenImpfstatus bei Kindern: Stiftung warnt vor gefährlichen Impflücken

Warum rechtzeitiges Impfen entscheidend ist. Aktuelle Daten zeigen Handlungsbedarf.

Ein Baby bekommt eine Impfung in den Oberschenkel
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Neue STIKO-Empfehlungen 2026: Impflücken bei Kindern schließen

Impfungen gehören zu den wirksamsten präventiven Maßnahmen, um Kinder vor gefährlichen Infektionskrankheiten zu schützen. Doch obwohl die Impfquoten in Deutschland insgesamt hoch sind, werden viele Impfserien nicht vollständig oder zu spät abgeschlossen. Darauf weist die Stiftung Kindergesundheit in einer aktuellen Mitteilung hin.
„Impfungen gehören zu den erfolgreichsten präventiven Maßnahmen der modernen Medizin. Sie schützen nicht nur das einzelne Kind, sondern auch die Gemeinschaft“, betont der Münchner Kinder- und Jugendarzt Prof. Dr. Berthold Koletzko, Vorsitzender der Stiftung Kindergesundheit.

Gefahr durch unvollständige Impfserien

Zahlreiche Erkrankungen wie Tetanus oder Masern können weiterhin schwer verlaufen. So sterben an einer Tetanusinfektion nach wie vor etwa zehn bis zwanzig Prozent der Betroffenen. Masern gelten zwar als vermeintlich harmlose Kinderkrankheit, können aber ebenfalls schwerwiegende Komplikationen verursachen.

Die Daten zeigen:

  • 96 Prozent der Kinder beginnen bis zum Alter von 15 Monaten ihre Grundimmunisierung gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Kinderlähmung.
  • Mit zwei Jahren sind jedoch nur rund drei Viertel vollständig geschützt.
  • Bei der Masernimpfung erhält zwar ein großer Teil der Kinder die erste Dosis, doch zum zweiten Geburtstag fehlt häufig die notwendige zweite Impfung.

Internationale Beispiele zeigen Risiken

Der Blick ins Ausland zeigt die Folgen sinkender Impfquoten: Laut Weltgesundheitsorganisation gilt Großbritannien nicht mehr als masernfrei. Auch in Deutschland treten weiterhin regionale Masernausbrüche auf.

Fortschritte und weiterhin große Defizite

Positiv bewertet die Stiftung Kindergesundheit die neue RSV-Prophylaxe: Mehr als die Hälfte der zwischen April und September 2024 geborenen Kinder war in der ersten RSV-Saison geschützt.
Gleichzeitig bestehen erhebliche Lücken vor allem bei der HPV-Impfung im Jugendalter. Nur etwa die Hälfte der Mädchen und ein Drittel der Jungen sind vollständig gegen Humane Papillomviren immunisiert. Auch Auffrischimpfungen gegen Diphtherie, Tetanus, Keuchhusten und Kinderlähmung werden häufig versäumt.

Impfen schützt auch besonders gefährdete Gruppen

Impfungen wirken nicht nur individuell, sondern tragen auch zum Gemeinschaftsschutz bei. „Gerade Säuglinge oder chronisch kranke Kinder sind darauf angewiesen, dass ihr Umfeld gut geimpft ist“, erklärt Koletzko. Wer impft, trägt damit zum Schutz besonders verletzlicher Menschen bei.
Zwar gibt es keinen absoluten Schutz, doch Impfungen reduzieren Krankheitsrisiken und verhindern schwerere Verläufe und Komplikationen zuverlässig.

Sicherheit moderner Impfstoffe

Viele Eltern sorgen sich um Nebenwirkungen. Impfstoffe unterliegen jedoch strengen Prüf- und Überwachungsverfahren. „Moderne Impfstoffe sind gut verträglich und werden kontinuierlich überwacht“, so Koletzko. Leichte Reaktionen wie Rötungen oder Fieber seien üblich und Ausdruck der erwünschten Immunreaktion. Schwere Nebenwirkungen treten selten auf – deutlich seltener als Komplikationen einer tatsächlichen Infektion.

Neuer STIKO-Impfkalender 2026

Mit dem aktualisierten Impfkalender 2026 hat die STIKO ihre Empfehlungen überarbeitet. Änderungen betreffen unter anderem:

  • die Meningokokken-Impfung im Jugendalter,
  • die RSV-Prophylaxe bei Säuglingen,
  • und erweiterte Empfehlungen zur Herpes-Zoster-Impfung.

Die Stiftung Kindergesundheit rät Eltern dazu, den Impfstatus ihrer Kinder regelmäßig prüfen zu lassen und versäumte Impfungen möglichst zeitnah nachzuholen. Erinnerungssysteme in Praxen oder digitale Impferinnerungen können dabei unterstützen.

Quelle: Stiftung Kindergesundheit
kcl