NeurocoachingRücken: So überschreiben Sie Ihr Schmerzgedächtnis

Die Skelata®-Methode nutzt einige Funktionsweisen und Netzwerke des Gehirns, die für die Schmerzwahrnehmung verantwortlich sind, zu Ihrem Vorteil. Diese effektive Vorgehensweise hilft bei der Behandlung von chronischen, immer wiederkehrenden und unklaren Rückenschmerzen.

Digitale Darstellung eines menschlichen Hirns mit integrierten Zahnrädern
Sergey Nivens - stock.adobe.com
Das Gehirn entscheidet, wie stark wir Schmerz empfinden.

Das reale Empfinden eines Schmerzes liegt in vielen Fällen an einem Phänomen, welches als Schmerzgedächtnis bekannt ist. Stellen Sie sich das Schmerzgedächtnis wie eine alte CD vor, die in der Mitte einen Kratzer hat. Anfangs läuft das Musikstück ganz normal ab: Bezogen auf Ihren Rücken, haben Sie Schmerzen, vielleicht durch eine Verletzung oder einen Bandscheibenvorfall. Und Ihr Körper reagiert darauf, wie er es soll. Doch nach etwa sechs Wochen ist jedes Gewebe verheilt, die Ursache für den Schmerz ist in aller Regel verschwunden. Doch er bleibt hängen, wie ein Song einer CD, der immer wieder die gleiche Stelle wiederholt. Ihr Gehirn hat sich so sehr an das »Lied des Schmerzes« gewöhnt, dass es einfach weiterspielen lässt, auch wenn es keinen Grund mehr dafür gibt. Ihr Gehirn hat die Schmerzspur fest im Gedächtnis verankert, wie eine Endlosschleife. Diese festgefahrene Erinnerung sorgt dafür, dass Sie weiterhin Schmerzen empfinden, obwohl der ursprüngliche Auslöser längst verschwunden ist. Um aus dieser Endlosschleife auszubrechen, müssen Sie neue Wege finden, den Schmerz zu verarbeiten, und Ihrem Körper die Chance geben, das alte Gelernte wieder loszulassen. 


Damit eine unerwünschte Erinnerung umgewandelt werden kann, muss sie zunächst reaktiviert und dann mit neuer Information angereichert, neu verdichtet und schließlich als neue Erinnerung abgespeichert werden. Es ist ein wenig wie ein Update auf Ihrem Smartphone: Nach dem Update bleibt Ihr Telefon zwar dasselbe, aber veraltete oder nicht mehr relevante Programmierungen werden gelöscht und durch aktuelle, relevante ersetzt. Wenn Sie diese Updates nicht durchführten, würde Ihr Smartphone nach einiger Zeit nicht mehr korrekt funktionieren. Es wäre nicht mehr mit anderen Anwendungen kompatibel und auf vielen Ebenen unbrauchbar. So ist es auch mit Ihrem Schmerz, der keine erkennbare Ursache mehr hat: Ihre Erinnerung an den vergangenen Schmerz hat kein Update mehr erhalten. 
Ihr Gehirn entscheidet, wie stark Sie Schmerz empfinden. Und es ist leider auch dafür verantwortlich, für wie lange Sie Schmerz empfinden. Ihr Gehirn ist ein Faulpelz, wenn es um vermeintliche Unwichtigkeiten geht. Es legt sich gerne Automatismen und Abkürzungen zu. In manchen Fällen sorgt es automatisch für ein Schmerzsignal und versäumt, es abzustellen. Obwohl von der ehemals verletzten Stelle kein Alarm-Signal mehr an das Gehirn gesendet wird, sorgt dieses weiterhin für die Empfindung von Schmerz, damit das vermeintlich verletzte Gewebe repariert wird. Das nennt man dann das »Schmerzgedächtnis«: Die Erinnerung an den Schmerz wird aufrechterhalten.

Wir müssen also dafür sorgen, dass dieser Automatismus unterbrochen wird und die veraltete Erinnerung an den Schmerz, angereichert mit der neuen Information – Gewebe verheilt – abgespeichert werden kann. Früher glaubte man, dass einmal verdichtete Erinnerungen dauerhaft und unveränderbar im Gedächtnis gespeichert bleiben. Doch die moderne Ansicht, basierend auf dem Konzept der Re-Konsolidierung, legt nahe, dass Erinnerungen durch neue Eindrücke aktualisiert werden können. Diese aktualisierten Erinnerungen müssen dann erneut durch einen Verdichtungsprozess laufen, bevor sie als neue Erinnerungen abgespeichert werden können. Daraus ergibt sich, dass Ihr Gedächtnis immer nur so präzise ist wie Ihre letzte Erinnerung. 

So überschreiben Sie Ihr Schmerzgedächtnis 

Wir stellen Ihnen im Folgenden nur eine von vielen Möglichkeiten vor, eine veraltete Erinnerung mit neuen Informationen anzureichern. Sie können jeden anderen Bereich Ihres Lebens auf ähnliche Weise angenehmer gestalten! Bei dieser Übung gehe ich davon aus, dass Sie Schmerzen im unteren Rücken haben, in der Lendenwirbelsäule.

  • Suchen Sie sich einen Stuhl, am besten einen ohne Armlehnen, und setzen Sie sich darauf, die Füße hüftbreit auseinander auf dem Boden.
  • Richten Sie den Oberkörper auf.
  • Atmen Sie tief ein und konzentrieren Sie sich auf den Atem – so erreichen Sie, dass der Automatismus in Ihrem Gehirn unterbrochen wird.
  • Spannen Sie die Bauchmuskeln an, so fest, wie Sie können.
  • Atmen Sie aus und drücken Sie – immer mit angespannten Bauchmuskeln – ihre untere Wirbelsäule an die Stuhllehne.
  • Entspannen Sie sich.
  • Atmen Sie wieder tief ein und wiederholen Sie diesen Prozess.
  • Genießen Sie, wie der Schmerz leichter wird.

Die Macht der neuen Information

Jetzt haben Sie Ihrem Gehirn eine neue, kraftvolle Information geliefert: Auf einem Stuhl zu sitzen, ist nicht nur schmerzfrei, sondern kann angenehm sein! Sie haben die alte eingefahrene Erinnerung an den Schmerz hervorgeholt (wenn ich sitze, schmerzt mein Rücken), die Lücke (atmen) genutzt, um den Automatismus zu unterbrechen, und die alte Erinnerung mit einer neuen, positiven Information angereichert: Sitzen tut nicht weh. Sie haben begonnen, Ihre Schmerzwahrnehmung aktiv zu verändern.

Der erste Schritt zur Veränderung Ihrer Schmerzwahrnehmung ist getan. Ihre Neuronen – die Bausteine des Gehirns – haben angefangen, neue Verbindungen zu knüpfen, die auf der positiven Erfahrung basieren. Jedes Mal, wenn Sie diese Übung durchführen, stärken Sie diese neuen Verbindungen und verändern die alte Erinnerung an den Schmerz. Das Schmerzgedächtnis beginnt sich zu verändern.

Wie Sie die neue Erinnerung festigen

  • Wiederholen Sie die Übung regelmäßig.
  • Jedes Mal, wenn Sie sich zu dieser Stuhlübung motivieren, holen Sie die alte Erinnerung hervor und reichern sie mit der neuen Information an.
  • Integrieren Sie die Bewegung in Ihren Alltag.
  • Bemerken Sie Ihren Fortschritt.
  • Vertrauen Sie darauf, dass jeder kleine Schritt ein großer Schritt zur Veränderung Ihrer Wahrnehmung ist.

Sie haben Ihre Schmerzwahrnehmung SELBST verändert.