
Der größte Teil akuter Rückenschmerzen hat keine erkennbaren strukturellen Ursachen. Selbst wenn Veränderungen der Wirbelsäule in bildgebenden Verfahren gefunden werden, sind sie häufig nicht geeignet, die Beschwerden zu erklären. In solchen Fällen wird von unspezifischen Rückenschmerzen gesprochen. Solche Episoden gehen, glücklicherweise, wieder vorüber, sollten aber als Warnsignal des Körpers verstanden werden. Wer diese wichtige Information ignoriert und weitermacht wie bisher, geht ein großes Risiko ein, dass die Schmerzepisoden häufiger auftreten und zu einem dauerhaft en Begleiter werden. Dieses Risiko kann aber mit einfachen Mitteln deutlich gesenkt werden. Wer schnell wieder in die Aktivität zurückkehrt und seine schädlichen Gewohnheiten ablegt, hat gute Chancen, wieder voll und ganz auf die Beine zu kommen! Doch was sollten Sie tun, wenn die Beschwerden ganz akut sind?
Achten Sie auf die roten Flaggen
An erster Stelle sollten Sie wissen, welche Symptome eine sofortige ärztliche Hilfe erforderlich machen:
- Lähmungserscheinungen, die es Ihnen unmöglich machen, einen Arm oder ein Bein noch normal zu bewegen.
- Ausfälle einzelner Muskeln. Das können beispielsweise die Fußhebermuskeln sein, wenn die Lendenwirbelsäule betroffen ist, oder Muskeln des Armes oder der Hand, was bestimmte Greifbewegungen erschwert.
- Sie verlieren die Kontrolle über Harn- oder Stuhlausscheidung.
- Im Gesäß- und Intimbereich tritt ein Taubheitsgefühl auf, in dem Bereich, wo der Lederbesatz einer Reiterhose sitzt.
- Unerträgliche Schmerzen, die auch in Ruhestellung auftreten und auf bisher wirksame Medikamente nicht mehr reagieren.
Im Falle der genannten Symptome wenden Sie sich unverzüglich an einen Arzt.
Ein akuter Bandscheibenvorfall kann sehr schmerzhaft sein. Es gibt leider keine spezielle Therapie, mit der Sie das ausgetretene Kerngewebe wieder zurück in die Bandscheibe bekommen – Zahnpaste kriegen Sie auch nicht zurück in die Tube. Das Problem ist, dass der Vorfall sich dort befindet, wo auch der Nerv ist. Er muss also weg. Erfreulicherweise bemüht Ihr Körper sich nach Kräften, den Vorfall zu verarbeiten, aufzulösen, zu „verdauen“. Es bilden sich neue Gefäße um den Vorfall, damit über das Blut Zellen des Abwehrsystems die Möglichkeit haben, diesen „Fremdkörper“ zu beseitigen. Es gibt keine Behandlung, die diesen Vorgang beschleunigt. Das bedeutet: Zeit und Geduld sind wichtige Faktoren. Nur: Wer hat Zeit, wenn Schmerzen ihn verzehren?
Das Wichtigste in der akuten Phase ist somit eine adäquate Schmerzmedikation, während der Körper mit der Beseitigung des Problems beschäftigt ist. Gibt es eine bestimmte Körperlage, die zu empfehlen ist? Ja, die Lage, die nicht schmerzt! Hören Sie auf Ihren Körper, gehen Sie dem Schmerz aus dem Weg, wo es nur geht. Nur Bettruhe ist jedoch nicht zielführend und sogar risikoreich (denken Sie an Thrombose!). Gönnen Sie Ihrem Körper Ruhe, vermeiden Sie Schmerzen, aber bleiben Sie in Bewegung.
Kälte ist gegen Bandscheibenschmerzen besser als Wärme. Bei Muskelverspannungen durch Überbelastung oder Hexenschuss kann das anders sein. Probieren Sie es aus. Kälteanwendungen sollten immer nur wenige Minuten dauern und nicht direkt auf der Haut erfolgen. Es ist wie bei Sportverletzungen: kurz Kältespray anwenden und vorsichtig bewegen.
Schmerzlinderung kann mit Medikamenten erzielt werden. Die sogenannten NSAID (non-steroidal-anti-inflammatory drugs), nichtsteroidale Antirheumatika, eventuell mit Magenschutz, sind die Mittel der Wahl in der akuten Phase. Diese können begleitet werden von Paracetamol und auch zentral wirkenden Schmerzmitteln. Morphin-ähnliche Medikamente werden nur selten und eher im stationären Rahmen verabreicht.
Physiotherapie sollte Sie dabei unterstützen, dem Schmerz aus dem Weg zu gehen, jedoch nicht durch gutgemeinte Übungen das Risiko auf ein Nachrutschen des Vorfalls erhöhen. Erst wenn die akute Phase überstanden ist, kann die Physiotherapie mit Aufbau und Kräftigung anfangen.
Grundsätzlich braucht es also Zeit und Geduld, dann verschwinden die meisten Vorfälle von allein. Es sei hier nochmals auf die Warnsignale hingewiesen, Warten sollte nicht auf Kosten einer Nervenschädigung gehen!
Quelle: Der Rücken-Doc: Bandscheibenvorfall
kcl




