NährstoffeZink: Das Immun-Spurenelement

Zink spielt eine wesentliche Rolle in der Immunabwehr, ist aber auch für die Blutzuckerregulierung und die Wundheilung bedeutsam.

Pinke Pillen gelegt zu Zn neben Braunfläschchen
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Bestimmte Krankheiten können mit Zinkmangel einhergehen.

Eigenschaften von Zink

Zink ist das „Immun-Spurenelement“. Nach Eisen ist es das am häufigsten im Körper vorkommende Spurenelement, wobei sich 98 % des Zinkbestands in den Zellen befinden. Besonders reich an Zink sind die Spermienflüssigkeit, Prostata, Nebenhoden, Eierstöcke und Knochen.

Das Spurenelement ist in mehr als 70 Enzymen enthalten, was seine biologische Bedeutung unterstreicht. Es kommt u. a. in der Superoxiddismutase vor, die antioxidative Wirkung hat und damit den Körper vor oxidativen Prozessen schützt. Außerdem ist Zink Teil der DNS- und RNS-Polymerase (Zellneubildung), alkalischen Phosphatase, Malatdehydrogenase (Zitronensäurezyklus), Karboanhydrase (Säure-Basen-Regulation), Alkoholdehydrogenase (Alkoholentgiftung), Karboxypeptidase (Proteinsynthese), Glutamatdehydrogenase (Transaminierung) und von Metallothionein (Schwermetallentgiftung).

Zink ist in der Insulin-Speicherform in der Bauchspeicheldrüse enthalten und somit für die Regulierung des Blutzuckerspiegels wichtig. Bei der Wundheilung ist es ebenfalls bedeutsam. Des Weiteren spielt Zink eine wesentliche Rolle in der Immunabwehr, besonders in der zellulären Abwehr (Lymphozyten), die bei älteren Menschen oft vermindert ist. Zink ist „zu guter Letzt“ für den Vitamin-A-Stoffwechsel wichtig, indem es die Umwandlung von Beta-Karotin in Vitamin A fördert.

Zufuhr

  • empfohlene Zufuhr: 7 mg (Frauen); 16 mg (Männer mit hoher Phytatzufuhr)
  • therapeutische Zufuhr: 10–50 mg mit niedriger Phytatzufuhr

Symptome eines Mangels

Bestimmte Krankheiten gehen häufig mit einem Zinkmangel einher, z.B. Pankreasinsuffizienz, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, einheimische Sprue oder Leberzirrhose. Bei älteren Menschen besteht zudem nicht selten eine nur grenzwertig ausreichende Versorgung mit diesem Spurenelement. Da pflanzliche Nahrung relativ zinkarm ist und die Aufnahme aus pflanzlichen Lebensmitteln schlechter ist als aus tierischen, stellt Zink für Vegetarier ein „Problemelement“ dar.

Bei folgenden Erkrankungen, insbesondere wenn diese bei älteren Menschen, Pubertierenden, Leistungssportlern und Vegetariern auftreten, sollte an ein Zinkdefizit gedacht werden:

  • geschwächtes Immunsystem (z. B. erhöhte Infektanfälligkeit)
  • gestörte Wundheilung
  • Haarausfall
  • trockene, schuppige Haut, Striae
  • Akne, Lupus erythematodes, Sklerodermie
  • Querstreifen der Fingernägel, Weißflecken der Fingernägel, brüchige Fingernägel
  • Störungen des Geruchs- und Geschmackssinnes
  • Adynamie, Appetitlosigkeit
  • psychische Störungen (z. B. depressive Verstimmung)
  • Minderwuchs
  • Manche Medikamente (z. B. Penicillamin, Diuretika, Steroide) führen zu erhöhten Zinkverlusten.
  • Kupferreiches Trinkwasser oder die Einnahme von Kupfer oder Eisen behindert die gleichzeitige Aufnahme von Zink.

Symptome einer Überdosierung

Dosierungen über 100 mg sind nicht empfehlenswert (und auch nicht nötig). Bei mehr als 200 mg wurden Übelkeit, Erbrechen und Durchfall beobachtet.

Gegenanzeigen und Nebenwirkungen

Zink darf nicht bei schweren Nierenfunktionsstörungen angewendet werden!

Einige Patienten reagieren mit kurzfristiger Übelkeit auf die Einnahme dieses Spurenelements. Das Präparat sollte dann zur Nacht genommen, ein anderes Präparat mit einer anderen Zinkverbindung versucht oder die Dosis reduziert werden.

Vorkommen

Alle Meerestiere (besonders Austern), Fleisch, Milch, Vollkorngetreide, Weizenkeime, Gemüse, Pilze, Ölsaaten wie Sesam oder Mohn, Hülsenfrüchte und Käse sind zinkreich.

Die Aufnahme von Zink wird durch Phytate (in rohem Getreide), kalzium- oder phosphatreiche Kost und einen hohen Fettgehalt der Nahrung behindert. Ein Natursauerteigbrot enthält weniger Phytate und ist daher zu bevorzugen.

Labordiagnostik

Ein Zinkmangel ist bei vielen Krankheiten recht häufig anzutreffen (wenn denn nur daraufhin untersucht werden würde; siehe oben). Es kommt mitunter vor, dass trotz ausreichender Dosis und korrekter Einnahme der Zinkspiegel bei manchen Menschen nicht ansteigt. Eine plausible Erklärung für dieses Phänomen habe ich bisher nicht gefunden. Wenn aber Symptome eines Zinkmangels (z.B. Haarausfall, brüchige Nägel, Infektneigung) besser werden, so tut das zugeführte Zink wohl trotz fehlenden Anstiegs im Blut seine Wirkung – auf weitere Laborteste verzichte ich dann und gebe mich mit dem klinischen Ergebnis zufrieden.

Laborwerte

  • Normalwert im Serum: 10–23 μmol/l
  • Normalwert im Vollblut: 7–8 mg/l

Bewertung aus praktischer Sicht

Zink ist eines der am meisten vernachlässigten Spurenelemente. Bei meinen Patienten stelle ich sehr häufig einen Mangel fest. Bei chronischen Entzündungen, rezidivierenden Infektionen und bei Krebs sollte unbedingt an Zink als komplementäre Therapieoption gedacht werden. Bei akuten Infektionen gilt nach Metaanalysen der therapeutische Effekt von Zink als gesichert. Zink stärkt nicht nur das Immunsystem, sondern wirkt auch selbst antiviral.

Therapieempfehlungen

  • Eine Dauertherapie mit Zink sollte unter einer entsprechenden Blutkontrolle (ggf. auch von Kupfer) erfolgen.
  • Bei akuten Infektionen ist ein Effekt nur von einer rasch einsetzenden, häufig wiederholten und ausreichend hohen Dosierung von Zink zu erwarten (z.B. 10–15 mg unmittelbar nach Einsetzen der ersten Symptome, alle 2 Stunden am ersten Tag, dann 3-mal täglich).
  • Ganz wichtig ist bei Zink die streng nüchterne Einnahme, also eine halbe Stunde vor oder drei Stunden nach der Nahrungsaufnahme. Eine gleichzeitige Verabreichung von anderen zweiwertigen Ionen (z.B. Eisen, Kupfer, Magnesium) sollte unterbleiben.

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