
Eine große prospektive Kohortenstudie hat gezeigt: Der Konsum von koffeinhaltigem Kaffee und Tee könnte das Demenzrisiko senken. Dafür waren nur 2,5-4,5 Tassen Kaffee täglich erforderlich.
Für den beobachteten Effekt gebe es durchaus plausible Erklärungen, so die Deutsche Gesellschaft für Neurologie. Einschränkend kommentiert die Fachgesellschaft: Es handelt sich bei der Studie nicht um kontrolliert randomisierte Daten, sondern um eine Beobachtungstudie.
Studie: Koffein und Demenz
Die zugrundeliegende Hypothese der aktuellen Studie [1] war, dass der Konsum von koffeinhaltigem Kaffee oder Tee mit einem geringeren Demenzrisiko und einer besseren kognitiven Funktion einhergeht.
Die Forschenden hatten dafür Daten der Nurses’ Health Study (NHS) und der Health Professionals Follow-up Study (HPFS) ausgewertet. In beiden Studien wurden die Teilnehmenden prospektiv über 43 Jahre nachbeobachtet. In diesem Zeitraum fanden wiederholt Erhebungen der Ernährungsgewohnheiten und des kognitiven Status (subjektiv und objektiv) statt, auch Untersuchungen auf Demenz.
Zudem wurden nicht nur vorerkrankte Personen mit Tumorleiden, Parkinson oder Demenz ausgeschlossen. Auch Probanden, die unplausible Angaben zu ihrer täglichen Kalorienzufuhr machten und sich damit als nicht zuverlässig bei der Dokumentation ihrer Ernährungsgewohnheiten auf den Fragebögen erwiesen, wurden ausgeschlossen.
Insgesamt wurden 86.606 weibliche Teilnehmerinnen aus der NHS-Kohorte und 45.215 männliche Teilnehmer der HPFS-Kohorte in die Analyse einbezogen. Von den 131.821 Personen entwickelten 11.033 während des Follow-ups eine Demenz. Die Studienteilnehmenden waren je nach ihren Kaffeekonsum in Quantilen eingeteilt worden. Anschließend wurde statistisch ausgewertet, welches Quantile mit der geringsten Demenzinzidenz einherging. Um die Datenrobustheit sicherzustellen, wurden zwei multivariate Modelle genutzt. In Modell 1 wurde der Einfluss von demografischen Merkmalen, Familienanamnese und Gesamtenergiezufuhr herausgerechnet (letzteres u. a., um Unterschiede in Körpergröße und Stoffwechseleffizienz zu berücksichtigen). Modell 2 bereinigte für Lebensstilfaktoren, Ernährungsqualität, soziale Faktoren und klinische Komorbiditäten.
Ergebnisse
- In der obersten Quartile nahmen Frauen durchschnittlich 4,5 Tassen pro Tag zu sich (1 Tasse wurde definiert als 237 ml koffeinhaltiger Kaffee oder Tee), Männer 2,5 Tassen pro Tag.
- In der zweiten Quartile 0,43 Tassen (Frauen und Männer).
- In der dritten Quartile 2,5 Tassen (Frauen) und 1,25 Tassen (Männern).
- In der untersten Quartile wurde keinerlei Kaffee oder Tee konsumiert.
Im Ergebnis zeigte sich:
Ein höherer Kaffeekonsum war mit einem signifikant geringeren Demenzrisiko verbunden (141 vs. 330 Fälle pro 100.000 Personenjahre beim Vergleich des vierten [höchsten] Quartils mit dem ersten [niedrigsten] Quartil; dies entspricht einer Hazard Ratio (HR) von 0,82 [95 % CI, 0,76 bis 0,89]).
Es zeigte sich auch eine geringere Prävalenz subjektiver kognitiver Beeinträchtigungen (7,8 % gegenüber 9,5 %; HR 0,85 [95 % KI, 0,78 bis 0,93]).
„Das heißt, wer koffeinhaltigen Kaffee trank, konnte sein Demenzrisiko um 18 % senken, was durchaus ein nennenswerter Effekt wäre“, kommentiert Prof. Peter Berlit von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.
Koffeinfreie Getränke (Kaffee oder Tee) hatten hingegen keinen schützenden Effekt.
Erklärungsansätze
Doch ist ein solcher Effekt plausibel? Welche Erklärungsansätze gibt es für einen möglichen demenzprotektiven Effekt von Kaffee? Nach Ansicht der Autor*innen könnte dieser auf verschiedene Mechanismen zurückzuführen sein:
- Koffein reduziert Beta-Amyloid (Aβ)-Ablagerungen im Gehirn. Experimentelle Studien haben gezeigt, dass Koffein Aβ-Spiegel senkt, die β- und γ-Sekretase-Aktivität unterdrückt, die neuronale Plastizität verbessert und die Mitochondrienfunktion sowie andere Signalwege stimuliert.
- Darüber hinaus kann Koffein proinflammatorischen Zytokine im Gehirn senken und Neuroinflammation als Treiber von kognitivem Verfall reduzieren. Neben Koffein enthalten Kaffee und Tee auch bioaktive Verbindungen wie Polyphenole, Chlorogensäure und Catechine, die oxidativen Stress reduzieren und die zerebrovaskuläre Funktion verbessern.
- Auch die Fähigkeit von Koffein, die Insulinsensitivität zu verbessern und das Risiko für Typ-2-Diabetes zu senken, könnte zu seiner schützenden Wirkung auf die kognitive Gesundheit beitragen.
Die Ergebnisse der Studie seien somit physiologisch plausibel, betont Berlit. „Allerdings handelt es sich nur um Beobachtungsdaten, auch wenn die Studie qualitativ sehr hochwertig gemacht ist.“
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Neurologie


