DepressionDMP gegen Depression: Welche Komponenten sind effektiv?

Disease-Management-Programme (DMP) helfen bei Depression. Bislang war unklar, welche Komponenten am effektivsten sind. Ein Forschungsteam hat darauf nun Antworten.

Symbolbild Depression: Oranger Regenschirm vor dunkelgrauem Regenhimmel
Sergey Nivens/stock.adobe.com
Für die Depression hat sich in Deutschland noch kein Disease Management Programm etabliert. International haben sich solche Programme jedoch in Studien bewährt.

Vor allem 2 Komponenten in Disease Management Programmen (DMP) gegen Depression sind wichtig. Das fand ein Team des DFG-Graduiertenkollegs POKAL am LMU Klinikum München mittels einer Studien-Analyse heraus.

Allein in Deutschland leiden 9,5 Millionen Menschen an einer Depression, die Hälfte davon über eine lange Zeit. Die Erkrankten erleben oft eine Behandlung mit großen Lücken. Viele Angebote, vom Hausarzt bis zum Psychotherapeuten, werden nicht abgestimmt oder teilweise gar nicht angeboten. Die gerade in der Psychiatrie und in der Allgemeinmedizin gleichermaßen diskutierte Frage ist: Wie können die Patient*innen in ihrer Krankheit sicher und erfolgreich begleitet werden, sodass möglicherweise besser Linderung erreicht wird?

DMP bei Depression

Eine Möglichkeit sind Disease-Management-Programme, in denen der Hausarzt eine führende Rolle spielt. DMP sind Behandlungsprogramme für chronische Erkrankungen. Diagnose und Behandlung erfolgen in einem Guss, alle Fachkräfte ziehen mit dem Patienten an einem Strang, alle wichtigen Schritte und Aufgaben erfolgen in einem gut abgestimmten Paket.

Für die Depression hat sich ein derart strukturiertes Behandlungsprogramm in Deutschland noch nicht etabliert, obwohl es sich international „in Studien bewährt hat“, sagt die Wissenschaftlerin Hannah Schillok, „die Daten zeigen, dass sich die Symptome deutlich verbessern lassen.“

Allerdings bestehen derlei Programme aus vielen unterschiedlichen Komponenten und sind von vielen Akteuren gestaltet, die um den Hausarzt herum mitwirken: medizinische Fachangestellte, supervidierende Psychotherapeut*innen respektive Psychiater und auch Laien wie Familie und Freunde eines Patienten.

Studie: Welche Komponenten sind effektiv?

Um ein Disease-Management-Programm Depression attraktiver zu machen, stellt sich also die Frage: Welche der vielen Komponenten, die international solche Maßnahmen ausmachen, sind besonders effektiv?

Diese Frage haben die Münchner Forschenden mit ihren Kollegen in einer Meta-Analyse mit individuellen Patientendaten beleuchtet. Das Team nahm 35 Studien und mehr als 20.000 Patient*innen unter die Lupe. Sie verglichen die Wirkung von kooperativer Betreuung - mit unterschiedlichsten Komponenten - und gewöhnlicher Betreuung bei erwachsenen Patient*innen mit Depressionen in der Primärversorgung.

Dabei haben sie genau geschaut, wie das DMP gestaltet war: Wie viele Akteure teilnehmen? Welche Aufgaben die Akteure übernehmen? Ob die Familie mit einbezogen wird? Ob für Patientenkontakt auch Technologie genutzt wird? Welche psychotherapeutischen Interventionen in der Praxis angewendet wurden?

2 Komponenten besonders hilfreich

Das Forschungsteam fand 2 Komponenten, die sich in Studien als besonders effektiv erwiesen:

  • Erstens und für die Experten überraschend: die Einbindung von Freunden und Familie. Das bedeutet: Aufklärung der Menschen, die dem depressiven Patienten nahestehen. Ziel: Sie sollen besser mit ihm umgehen können, ihn außerhalb der Arztpraxis unterstützen und motivieren, weiter am DMP teilzunehmen. „Und das“, erklärt Schillok, „funktioniert oft sehr gut.“
  • Zweitens: psychologische Kurzinterventionen durch den Hausarzt selbst. Sie dauern in der Regel 20 bis 40 Minuten pro Sitzung. Zuvor wird der Hausarzt von einem Therapeuten angeleitet und bekommt verschiedene Toolkits und Manuals an die Hand und weiß, so Schillok, „bei jeder Sitzung ganz genau, welche Übungen und welche Schritte es in der jeweiligen Sitzung zu machen gilt.“

Gegenwärtig laufen in Deutschland Bestrebungen, ein neues DMP für Depression auf den Weg zu bringen. „Die Erkenntnisse unserer Studie“, sagt Hannah Schillok, „könnten bei der konkreten Gestaltung des Programms helfen.“

Quelle: Klinikum der Universität München