NeurodermitisKann bestimmte Säuglingsnahrung Neurodermitis vorbeugen?

Studie ergab: Bei der Fütterung von Flaschenmilch zeigten sich Unterschiede zwischen Kuhmilch- und Ziegenmilchprodukten in Bezug auf das Neurodermitis-Risiko.

Babyhände halten eine Trinkflasche
fotoduets/stock.adobe.com
Neurodermitis bei Säuglingen kann möglicherweise mit Babynahrung aus Ziegenvollmilch anstelle von Kuhmilch vorgebeugt werden.

Die GIraFFE-Studie [1] untersuchte die Hypothese, ob Säuglingsmilchnahrung auf Basis von Ziegenvollmilch anstelle von Kuhmilch dazu beitragen kann, vor der Entwicklung einer atopischen Dermatitis (Neurodermitis, Ekzem) zu schützen. Die Studie mit Säuglingen zeigte:

  • Die Ernährung mit Säuglingsmilchnahrung auf Basis von Ziegenvollmilch kann das Auftreten einer ärztlich diagnostizierten atopischen Dermatitis um 34 Prozent senken.
  • Bei atopischer Dermatitis in der Familienanamnese senkte die Fütterung mit Ziegenmilch-Säuglingsnahrung das Risiko einer atopischen Dermatitis bis zum Alter von einem Jahr um 64 Prozent. Verglichen wurde mit Standard-Kuhmilchnahrung.

Ziegenvollmilch zeigt präventive Effekte

Die optimale Ernährungsform für Säuglinge ist das Stillen. Die überwiegende Anzahl von Säuglingen erhält jedoch im Laufe des ersten Lebensjahres zusätzlich zum Stillen oder stattdessen Flaschennahrung. Die Studie kommt zu dem Schluss:

  • Säuglingsnahrung auf Basis von Ziegenvollmilch kann einen präventiven Effekt auf die Entwicklung von Ekzemen bei Säuglingen mit einer familiären Disposition für diese Erkrankung aufweisen.
  • Bei atopischer Dermatitis in der Familienanamnese senkte die Fütterung mit Ziegenmilch-Säuglingsnahrung das Risiko einer ärztlich diagnostizierten atopischen Dermatitis bis zum Alter von einem Jahr um 64 Prozent. Verglichen wurde mit Standard-Kuhmilchnahrung.
  • Die Anzahl der Diagnosen einer atopischen Dermatitis, die bei 3 Studienbesuchen im Säuglingsalter gestellt wurden, war geringer und wurde durch die Wahl der Säuglingsnahrung nicht beeinflusst.

Die große, doppelblinde, randomisierte klinische Studie wurde mit mehr als 2100 Säuglingen wurde von Forschenden des LMU-Klinikums koordiniert. Sie entstand in Zusammenarbeit mit 11 Zentren in Spanien, Polen und Deutschland. Geleitet wurde die Studie von Prof. Berthold Koletzko am Dr. von Haunerschen Kinderspital des LMU Klinikums.

Koletzko resümiert: „Die vorliegenden Ergebnisse sind praktisch wichtig, denn Ekzeme sind eine chronische Erkrankung, die für die betroffenen Kinder und ihre Familien eine erhebliche Belastung darstellt. Eine atopische Dermatitis mit chronischem Juckreiz kann die Entwicklung des Kindes, den Schlaf und die Lebensqualität des Kindes und der ganzen Familie stark beeinträchtigen."

Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Clinical Nutrition publiziert. 

Fazit

Die GIraFFE-Studie zeigt, dass es eine wissenschaftlich gesicherte Möglichkeit gibt, Ekzemen bei mit Säuglingsnahrung ernährten Säuglingen vorzubeugen. Die Studie wird die teilnehmenden Kinder bis zum Alter von 5 Jahren weiter begleiten. Die Forschenden wollen herausfinden, ob Kinder, die in der Studie mitmachen, später seltener Allergien bekommen und ob sie gesünder sind.

FAQ: Atopische Dermatitis

  • Wie viele Kinder erkranken an atopischer Dermatitis? Die Erkrankung betrifft global etwa 15 Prozent der Kinder. Sie tritt in den meisten Fällen im ersten Lebensjahr auf [2].
  • Welche Symptome hat die atopische Dermatitis? Die Symptome umfassen trockene, juckende und entzündete Haut.
  • Welche Folgen kann die atopische Dermatitis haben? Koletzko erläutert: "Häufig markiert sie den Beginn des sogenannten atopischen Marsches, mit nachfolgendem Auftreten von Nahrungsmittelallergien, Asthma und Heuschnupfen im späteren Kindes- und Erwachsenenalter."

Quelle: LMU Klinikum

  1. Grote V, Schlosser L, Campoy C et al. Whole Goat Milk versus Cow Milk Formula and Atopic Dermatitis in Infants: A Randomized Clinical Trial. Clinical Nutrition 2026; https://www.clinicalnutritionjournal.com/article/S0261-5614(26)00134-2/abstract
  2. Bieber T. Mechanisms of disease: Atopic dermatitis. Review Article. N Engl J Med 2008; https://www.nejm.org/doi/10.1056/NEJMra074081
  3. Augustin M, Misery L, von Kobyletzki L et al. Unveiling the true costs and societal impacts of moderate-to-severe atopic dermatitis in Europe. J Eur Acad Dermatol Venereol 2022; https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/jdv.18168
  4. Zhou SJ, Sullivan T, Gibson RA et al. Nutritional adequacy of goat milk infant formulas for term infants: a double-blind randomised controlled trial. The British journal of nutrition 2014; https://doi.org/10.1017/S0007114513004212

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