
Das Wichtigste in Kürze
- Die über 12 Jahre währende Längsschnittuntersuchung hat untersucht, ob bei Menschen, die in der Nähe von Windrädern wohnen, gesundheitliche Beeinträchtigungen auftreten.
- Es wurden Daten von rund 120.000 US-Haushalten im Zeitraum 2011 bis 2023 genutzt. Die Haushalte wurden vor und nach der Installation nahegelegener Windräder verglichen.
- Ergebnisse: Weder selbst berichtete Gesundheitsprobleme noch das tatsächliche Kaufverhalten (Schlafmittel, Schmerzmittel) zeigen einen nachweisbaren negativen Effekt bei üblichen Abstandsdistanzen.
Methodik: Haushalte als ihre eigene Kontrollgruppe
Die Studie verknüpft Daten zu den Standorten von rund 75.000 Turbinen – mit dem NielsenIQ Ailments Survey. Damit werden jährlich Selbstauskünfte zu Gesundheitsbeschwerden wie Insomnie, Depression, Angst und Kopfschmerzen für rund 120.000 US-amerikanische Haushalte erfasst. Ergänzt werden die Gesundheitsdaten durch Kaufverhalten: Wer nach der Windrad-Installation mehr Schlaftabletten oder Schmerzmittel kauft, hinterlässt objektive Spuren, die auf Gesundheitsprobleme hinweisen – unabhängig von subjektiven Einschätzungen.
Das Herzstück der Methode ist ein sogenanntes Event-Study-Design: Jeder Haushalt wird mit sich selbst verglichen – in den Jahren vor und nach der Inbetriebnahme eines nahegelegenen Windrades. Störfaktoren wie Einkommen, Alter, Haushaltsgröße oder regionale Trends werden statistisch kontrolliert.
Die Studie wurde für die Veröffentlichung in der Fachzeitschrift PNAS einem Peer-Review unterzogen: Sie wurde anonym von anderen Wissenschaftler*innen geprüft und als valide eingeschätzt.
Ergebnisse: Keine messbaren Effekte von Windrädern auf Gesundheit und Verhalten
- Das Forschungsteam konnte keine statistisch nachweisbaren Zusammenhänge bezüglich der Gesundheitsangaben oder des Kaufverhaltens und des Baus neuer Windräder feststellen.
- Ebenso zeigen sich keine Veränderungen in der Zeitverwendung (Schlafstunden, Sport, Zeit im Freien) oder in Ausgaben für Alkohol, Tabak und allgemeine Medikamente.
- Das Ergebnis bleibt stabil für alle untersuchten Subgruppen: Alter, Geschlecht, Einkommen, Bildungsgrad und ethnische Zugehörigkeit.
„Windkraftanlagen stehen immer wieder im Fokus gesundheitlicher Bedenken. Die bisherige Evidenz dazu ist jedoch teils uneinheitlich und häufig durch kleine Stichproben oder rein korrelative Analysen begrenzt. Unsere Analysen unter Verwendung umfangreicher US-Haushaltsdaten zeigen keine messbaren negativen Gesundheitseffekte bei typischen Entfernungen zwischen Windrädern und Wohngebieten“, sagt Niklas Rott von der Uni Augsburg und Mitautor der Studie.
Die Autoren betonen zugleich, dass lokale Belastungen wie Lärm, Schattenwurf oder visuelle Beeinträchtigungen die Lebensqualität beeinflussen und die Akzeptanz von Windkraftprojekten verringern können – auch ohne nachweisbare gesundheitliche Folgen. Sie empfehlen, Debatten über Windkraft stärker auf evidenzbasierte Lärmgrenzwerte, faire Kostenverteilung und transparente Planungsverfahren zu fokussieren – anstatt auf nicht belegte Gesundheitsrisiken.
Quelle: Universität Augsburg


