NierenerkrankungenViele Nierenerkrankungen bleiben unentdeckt

Das zeigt die große NAKO-Gesundheitsstudie: Demnach hat jeder 6. auffällige Werte. Eine frühe Therapie könnte schwere Verläufe vermeiden oder verzögern.

Illustration: Nieren
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Werden Auffälligkeiten der Nieren früh erkannt, könnten sie gut behandelt werden.

Chronische Nierenerkrankungen beginnen meist ohne erkennbare Symptome. Eine aktuelle Analyse der NAKO-Studie deutet auf eine mögliche Dunkelziffer in der Bevölkerung in Deutschland hin.

Urinproben von 35.000 Personen ausgewertet

Forschende des Universitätsklinikums Freiburg werteten Urinproben von rund 35.000 Personen aus:

  • Demnach hatte jede*r Sechste auffällige Nierenwerte.
  • Aber nur rund 4 Prozent der Teilnehmenden mit auffälligen Befunden berichteten eine passende Diagnose.

Außerdem wurden Blutproben von rund 195.000 Erwachsenen ausgewertet. Auch hier zeigte sich, dass bei vielen Menschen eine eingeschränkte Nierenfunktion vorliegen könnte.

„Wir mussten feststellen, dass bei einem erheblichen Teil der Proband*innen Hinweise auf Nierenerkrankungen vorhanden waren; oft ohne, dass die Betroffenen sich dem bewusst waren“, sagt Prof. Anna Köttgen vom Uniklinikum Freiburg. „Das könnte auf Defizite bei der Früherkennung oder in der Kommunikation zwischen Patient*innen und Ärzt*innen hinweisen.“

Großteil berichtete keine Diagnose trotz auffälliger Nierenwerte

Bei Blutuntersuchungen innerhalb der NAKO-Studie zeigten sich bei rund 5000 der 195.000 Teilnehmer*innen Auffälligkeiten der Nierenfunktion. Nur 875 dieser Personen berichteten, dass ihnen eine entsprechende ärztlichen Diagnose bekannt sei.

In einer Teilgruppe, bei der Urinuntersuchungen gemacht worden war, zeigte sich die Lücke noch deutlicher: 6213 von 35.461 Teilnehmenden hatten einen oder mehrere auffällige Werte für Nierenfunktion oder Nierenschädigung. Das entspricht 17,5 Prozent aller Teilnehmer*innen, etwa jede*m Sechste*n. Nur etwa 4 Prozent dieser Personen berichteten eine entsprechende Diagnose.

„Die Blut- und Urinwerte erfassen unterschiedliche Seiten der Nierengesundheit. Deshalb ergänzen sie sich gut, um die Nierengesundheit zu bewerten“, so Erstautorin PD Dr. Peggy Sekula.

Gesundheitsrisiken für Patient*innen

Unentdeckte Nierenerkrankungen können fortschreiten und schwere, zum Teil lebensgefährliche Verläufe verursachen. Eine frühzeitige Diagnose und moderne Therapien könnten solche Verläufe verhindern oder hinauszögern.

Langfristig könnte eine bessere Früherkennung auch den Bedarf an Nierenersatztherapien wie Dialyse oder Transplantation beeinflussen. Dies hat die aktuelle Analyse jedoch nicht untersucht.

„Die Studie wirft ein wichtiges Licht auf eine mangelhafte Situation im Bereich der Nierengesundheit“, sagt Nephrologe Prof. Jan Halbritter. „Wir sehen jeden Tag in der Klinik, welche Schäden spät entdeckte Nierenkrankheiten haben. Dabei kommt es darauf an, die jeweilige Ursache möglichst frühzeitig aufzudecken, um spezifisch behandeln und Nierenfunktionsverlust aufhalten zu können.“

Warum die Lücke entsteht

Die Analyse bietet verschiedene Erklärungen für die Lücke zwischen auffälligen Nierenwerten und diagnostizierter Nierenerkrankungen. Klar ist: Eine einmalige Messung reicht nicht für eine Diagnose. Auffällige Werte müssen mit weiteren Tests bestätigt werden.

Manchmal werden Erstbefunde aber nicht konsequent genug nachverfolgt oder verständlich kommuniziert. „Die Ergebnisse sprechen nicht gegen die Diagnostik an sich, sondern dafür, dass es in der Diagnose-Sicherung, Nachverfolgung und Kommunikation bei Nierenerkrankungen noch Verbesserungspotenzial gibt“, sagt Köttgen.

Daten aus der NAKO-Gesundheitsstudie

Die Untersuchungen basieren auf der NAKO Gesundheitsstudie, der größten bevölkerungsbasierten Untersuchung in Deutschland. Bewertet wurden Blutwerte zur Nierenfunktion (Glomeruläre Filtrationsrate) sowie Urinwerte zur Nierenschädigung (Albuminurie).

Methodisch handelt es sich um eine Querschnittsanalyse ohne Wiederholungsmessungen. Eine endgültige Diagnose lässt sich daraus nicht ableiten. Frühere Studien zeigen jedoch, dass sich auffällige Befunde häufig bestätigen.

Quelle: Universitätsklinikum Freiburg

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