
Die internationale, randomisierte klinische VICToRY-Studie (Vitamin C in Thermal injuRY) kommt jetzt zu einem klaren Ergebnis:
Hochdosiertes intravenöses Vitamin C verbessert bei Schwerbrandverletzten weder Überleben noch Organdysfunktion und könnte möglicherweise sogar schädlich sein.
Schwere Verbrennungen lösen eine massive Entzündungsreaktion sowie oxidativen Stress aus. Vitamin C gilt als starkes Antioxidans und wird seit Jahrzehnten in der Behandlung von Verbrennungsopfern diskutiert. Bisherige kleinere Studien hatten positive Effekte gezeigt, etwa einen geringeren Flüssigkeitsbedarf.
Aufgrund dieser vielversprechenden, aber unsicheren Datenlage empfehlen einige internationale Leitlinien die Gabe von hochdosiertem Vitamin C. Allerdings fehlt dafür eine belastbare Evidenz aus großen randomisierten Studien.
VICToRY-Studie: Vitamin C bei schweren Verbrennungen
Gemeinsam mit der Queen’s University in Kingston (Kanada) hat das Uniklinikum Würzburg in der VICToRY-Studie den Einsatz von hochdosiertem Vitamin C bei schweren Verbrennungen untersucht. Die Ergebnisse sind eindeutig: Hochdosiertes intravenöses Vitamin C verbessert das Überleben oder die Organdysfunktion bei schwerbrandverletzten Patientinnen und Patienten nicht – und könnte sogar schädlich sein.
Sterberisiko unter Vitamin C mehr als doppelt so hoch
Insgesamt nahmen 238 Erwachsene mit schweren Verbrennungen von mindestens einem Fünftel ihrer gesamten Hautoberfläche an der Studie teil. Die Patienten wurden in 24 Zentren in Nord-, Zentral- und Südamerika, Europa und Asien nach dem Zufallsprinzip behandelt. Sie erhielten entweder intravenös hochdosiertes Vitamin C (50 mg pro Kilogramm Körpergewicht), das über 96 Stunden hinweg alle 6 Stunden verabreicht wurde, oder Placebo.
Der wichtigste untersuchte Endpunkt war die 28-Tage-Sterblichkeit und anhaltende Organdysfunktion, beispielsweise Beatmung, Nierenersatztherapie oder Kreislaufunterstützung. Dieser trat sogar häufiger bei den Personen auf, die Vitamin C erhielten, als bei denen, die ein Placebo erhielten (40,8 % gegenüber 29,7 %).
In der Vitamin-C-Gruppe starben 15 Prozent der Patienten, in der Placebogruppe waren es nur 7,6 Prozent. Das Sterberisiko war damit unter Vitamin C mehr als doppelt so hoch. Auch die Sterblichkeit während des gesamten Krankenhausaufenthalts war in der Vitamin-C-Gruppe höher (23,3 % gegenüber 16,1 %). Zudem mussten Patienten, die Vitamin C erhielten, häufiger mit einer Nierenersatztherapie, beispielsweise einer Dialyse, behandelt werden (10,8 % gegenüber 5,9 %). Dieser Unterschied könnte allerdings auch zufällig zustande gekommen sein, da er statistisch nicht eindeutig abgesichert war.
Studie vorzeitig beendet
Nach einer geplanten Zwischenanalyse wurde die Studie vorzeitig beendet, da die Ergebnisse darauf hindeuteten, dass die Behandlung keinen Nutzen erwarten ließ und potenziell mit Schäden verbunden sein könnte. Ein unabhängiges Überwachungsgremium empfahl daraufhin, die Studie abzubrechen.
„Unsere Studie liefert erstmals hochwertige, randomisierte Evidenz zu hochdosiertem Vitamin C bei schweren Verbrennungen. Die Ergebnisse sind eindeutig: Die Therapie ist nicht wirksam und möglicherweise sogar schädlich. Sie sollte daher nicht routinemäßig eingesetzt werden“, erklärt Prof. Christian Stoppe von der Uni Würzburg.
Demnach passen die Ergebnisse zu der kürzlich publizierten LOVIT-Studie bei septischem Schock, die mit dem gleichen Vitamin-C-Schema ebenfalls einen Schadenshinweis zeigte. Damit liegen nun 2 große, randomisierte Studien aus unterschiedlichen intensivmedizinischen Bereichen vor, die den Einsatz von hochdosiertem Vitamin C infrage stellen.
Internationale Leitlinien sollten diese neuen Erkenntnisse dringend berücksichtigen, so Stoppe.
Quelle: Universitätsklinikum Würzburg


