
Mit bundesweit nur 800 bis 1000 Neuerkrankungen pro Jahr ist das Aderhautmelanom eine seltene Erkrankung. Gleichwohl ist es die häufigste bösartige Tumorerkrankung des Auges im Erwachsenenalter. Da Aderhautmelanome dazu neigen, bereits früh Metastasen zu bilden, besteht nur ein kurzes Zeitfenster, in dem eine vollständige Heilung möglich ist. Je eher der Tumor erkannt wird, desto größer die Chance, eine Streuung zu verhindern.
Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft e.V. (DOG) und der Berufsverband der Augenärzt*innen Deutschlands e.V. (BVA) möchten daher über Risikofaktoren und Frühsymptome aufklären und zu regelmäßigen Augenuntersuchungen aufrufen. Eine neue Broschüre informiert über die Erkrankung.
Aderhautmelanom: Früherkennung entscheidend für Prognose
Das Aderhautmelanom entwickelt sich direkt im Auge aus entarteten pigmentierten Zellen der Aderhaut. Dieser Teil des Auges liegt zwischen der lichtempfindlichen Netzhaut und der Lederhaut, die das Auge umschließt.
“Dieser bösartige Tumor tritt fast immer einseitig auf und wächst in der Regel langsam” erläutert der Augenarzt Prof. Nikolaos E. Bechrakis. Gleichwohl gibt er bereits früh Krebszellen in den Blutkreiskauf ab und streut in andere Organe; die Leber ist am häufigsten betroffen, weil die Tumorzellen dort besonders gut wachsen können. „Da mit der Metastasierung die Heilungschancen rapide sinken, ist die Früherkennung des Aderhautmelanoms von entscheidender Bedeutung für den weiteren Krankheitsverlauf“, betont Bechrakis.
Risikofaktoren: Helle Augen und Aderhaut-Muttermale
Aufgrund seiner Seltenheit gibt es für das Aderhautmelanom kein allgemeines Screening. „Die meisten dieser Tumoren werden zufällig bei Routineuntersuchungen des Auges entdeckt“, sagt Prof. Vinodh Kakkassery vom Klinikum Chemnitz. „Vor diesem Hintergrund rufen wir zu regelmäßigen Untersuchungen des Augenhintergrundes ab dem 40. Lebensjahr auf.“
Dies gelte ganz besonders für Personen, die Risikofaktoren aufweisen. Dazu zählen:
- grüne, blaue oder graue Augen,
- angeborene Pigmentflecken in der Aderhaut,
- familiäre Vorbelastung mit einem Aderhautmelanom.
Frühsymptome: Lichtblitze, Schattensehen, Sehverschlechterung
Der Gang zum Augenarzt oder zur Augenärztin ist auch unabdingbar, wenn Frühwarnzeichen auftreten. Dazu zählen
- Gesichtsfeldausfälle,
- Lichtblitze,
- unscharfes Sehen,
- Schattensehen.
„Diese Warnsymptome treten in frühen Erkrankungsstadien längst nicht bei allen Betroffenen auf und sind zudem nicht spezifisch“, betont Daniel Pleger vom Berufsverband der Augenärzt*innen. Gerade weil sie auch auf eine Reihe anderer Augenerkrankungen hinweisen könnten, sollten sie jedoch immer ernst genommen werden und Anlass für eine zeitnahe Untersuchung des Auges sein. „Besteht ein Tumorverdacht am Auge, schicken die niedergelassenen Augenärzt*innen die Betroffenen weiter an ein spezialisiertes Zentrum“, so Pleger.
Interdisziplinäre Therapie in spezialisierten Zentren
Ist die Diagnose gesichert, kann eine maßgeschneiderte lokale, aber auch systemische stadiengerechte Behandlung erfolgen. Sie besteht aus verschiedenen Formen der Strahlentherapie, unter Umständen ergänzt durch Laserbehandlung, chirurgische Eingriffe und medikamentöse Therapien.
„Ein auf das Auge beschränktes Aderhautmelanom lässt sich meist gut durch Bestrahlung und augenerhaltende chirurgische Verfahren therapieren, wodurch in mehr als 50 Prozent der Fälle eine vollständige Heilung möglich ist“, betont Bechrakis. Nur in seltenen Fällen sei die operative Entfernung des betroffenen Auges notwendig, um den Tumor in den Griff zu bekommen. „Haben sich dagegen bereits Lebermetastasen gebildet, ist eine Heilung in der Regel nicht mehr möglich“, ergänzt Kakkassery.
Weiterführende Informationen zum Aderhautmelanom
Ein interdisziplinäres Team der Nationalen Versorgungskonferenz Hautkrebs informiert in einer neuen Broschüre zum Aderhautmelanom. Die Broschüre steht hier zum Download bereit.
Quelle: Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft


