Arbeitsausfall durch KrankheitAutozulieferer unter Druck: Krankenstand auf Rekordniveau

In der Zulieferindustrie fallen täglich knapp 9 von 100 Beschäftigten aus. Während der Krankenstand in anderen Branchen zuletzt zurückging, zeigt sich hier ein gegenteiliger Trend.

Arbeitsunfähigkeitbescheinigung
K. Oborny/Thieme
Anders als in anderen Branchen steigt der Krankenstand in der Zulieferindustrie seit Jahren.

Strukturelle Veränderungen, Absatzprobleme, Diskussionen um die Benzinpreise und der Wandel hin zu mehr Elektromobilität setzen die Automobilindustrie unter Druck. Davon sind auch die Zulieferer betroffen – mit offenbar spürbaren Folgen für die Gesundheit der Beschäftigten, wie die AOK Rheinland/Hamburg ermittelt hat:

  • In vielen Branchen stagnierte zuletzt der Krankenstand oder ging sogar zurück.
  • In der Zulieferindustrie zeigt sich ein gegenteiliger Trend: Seit Jahren steigt hier der Krankenstand.
  • Im Jahr 2025 erreichte er mit 8,94 % einen Höchstwert.

Ein Krankenstand von 8,94 % bedeutet, dass an jedem Tag knapp 9 von 100 Beschäftigten an ihrem Arbeitsplatz ausfallen. Die tatsächliche Zahl dürfte noch höher liegen, denn in die Statistik fließen ausschließlich ärztlich bescheinigte Fehlzeiten ein. Kurzfristige Ausfälle ohne Attest bleiben unberücksichtigt.

Zum Vergleich: 2024 lag der Krankenstand bei 8,61 %, 2023 bei 8,36 % und vor 10 Jahren (2016) noch bei 6,82 %. Für diesen Vergleich hat das Institut für betriebliche Gesundheitsförderung (BGFI) der AOK Rheinland/Hamburg die Daten von rund 10.000 Versicherten ausgewertet, die in der Autozulieferbranche beschäftigt sind.

Deutlicher Anstieg psychisch bedingter Fehlzeiten

„Besonders auffällig ist in dieser Branche die Zunahme psychisch bedingter Fehlzeiten. Sie ist vor dem Hintergrund der strukturellen Transformation, von Restrukturierungsmaßnahmen sowie eines hohen Wettbewerbs- und Kostendrucks zu sehen“, sagt Merit Kirch vom BGF-Institut. Im Durchschnitt fällt inzwischen jede beziehungsweise jeder Beschäftigte der Zulieferbranche rund 6,6 Kalendertage pro Jahr aufgrund psychischer Erkrankungen aus. 2017 lag dieser Wert mit etwa 3,2 Tagen noch bei etwa der Hälfte.

„Es ist davon auszugehen“, so Kirch weiter, „dass Maßnahmen wie Standortschließungen oder Personalabbau Zukunftsängste verstärken und die psychische Belastung weiter erhöhen.“

Branchenübergreifend rückläufiger Krankenstand

Branchenübergreifend ist der Krankenstand im Jahr 2025 erstmals seit mehreren Jahren wieder gesunken. Auch das geht aus den Zahlen der AOK Rheinland/Hamburg hervor. Insgesamt lag der Krankenstand der Versicherten bei 7,01 Prozent – und damit fast 2 Prozentpunkte unter dem Wert der Autozulieferbranche.

Mit Angeboten rund um die Themen Gesundheit und Führung, Stressmanagement, Resilienz oder positive Psychologie unterstützt das BGF-Institut Unternehmen dabei, psychische Belastungen zu reduzieren und die seelische Gesundheit ihrer Beschäftigten nachhaltig zu stärken. Weitere Informationen dazu finden sich unter www.bgf-institut.de

Quelle: AOK Rheinland/Hamburg

Wenn Sie Nachrichten aus Natürlich Medizin! als bevorzugte Quelle für Meldungen in der Schlagzeilen-Box der Google Suche festlegen möchten, dann klicken Sie bitte hier.