
Ebola- und Hantavirus: Risiko von Infektionsausbrüchen hat zugenommen
Die kurz aufeinanderfolgenden Ausbrüche des Andes-Hantavirus und des Bundibugyo-Ebolavirus zeigen: Das Risiko von Häufungen und Ausbrüchen gefährlicher Infektionskrankheiten ist hoch und hat in den vergangenen Jahren zugenommen.
Begünstigt wird diese Entwicklung durch den Klimawandel, Eingriffe in Ökosysteme, internationale Mobilität und fragile Gesundheitssysteme. Wir müssen davon ausgehen, dass solche Ereignisse künftig häufiger auftreten, berichtete der Tropenmediziner Prof. Torsten Feldt auf einer Pressekonferenz.
Feldt kritisiert: Die Forschung zu Erkrankungen durch hochpathogene Erreger und zur Pandemieprävention müsse intensiviert und stärker gefördert werden.
Gibt es spezifische Therapien?
Für beide Erkrankungen existieren trotz langjähriger Kenntnis der Erreger keine spezifischen Therapieoptionen oder Impfungen. Für das Bundibugyo-Virus war nach 2 Ausbrüchen in der Vergangenheit klar, dass wir mit weiteren Ausbrüchen rechnen müssen. Die Gelegenheit, Impfungen und Therapieoptionen zu entwickeln sei verpasst worden und damit im aktuellen Ausbruchsgeschehen wichtige Zeit verloren gegangen.
Sind Deutschland und Europa betroffen?
Die aktuellen Ausbrüche sind eine wichtige Erinnerung daran, dass wir künftig häufiger mit solchen Ereignissen rechnen müssen. Selbst Ausbrüche in entfernten oder entlegenen Regionen der Welt können Deutschland und Europa sehr schnell betreffen, so Feldt:
Es gibt heute kaum noch wirklich isolierte Ausbruchsgeschehen. Internationale Mobilität, medizinische Evakuierungen und globale Vernetzung können dazu führen, dass innerhalb weniger Tage auch hierzulande spezialisierte Strukturen benötigt werden.
Das hat der Hantavirus-Ausbruch gezeigt, bei dem deutsche Kontaktpersonen ausgeflogen und in Deutschland betreut werden mussten. Beim Ebola-Ausbruch wurde Deutschland um Unterstützung bei der Versorgung internationaler Patient*innen gebeten. In beiden Fällen mussten innerhalb kürzester Zeit nach Bekanntwerden der Ausbrüche Hochrisiko-Kontaktpersonen bzw. Patient*innen in spezialisierten Einheiten in Deutschland versorgt werden.
Wie gut ist Deutschland vorbereitet?
Deutschland ist auf die Versorgung einer begrenzten Zahl von Patient*innen mit hochansteckenden, lebensbedrohlichen Infektionskrankheiten sehr gut vorbereitet. Die 7 auf Deutschland verteilten Sonderisolierstationen genießen auch international eine hohe Reputation. Das wurde durch die Anfrage aus den USA zur Versorgung eines Ebola-Patienten unterstrichen.
Transport, Aufnahme und Versorgung haben in den aktuellen Fällen reibungslos funktioniert: Die spezialisierten Einrichtungen sind gut vorbereitet, haben klare Abläufe etabliert und trainieren diese regelmäßig. Diese gute Reaktionsfähigkeit auf solche Fälle müssen aufrechterhalten und wenn möglich noch ausgebaut werden, so Feldt. Das ist aufwendig, mit erheblichen Kosten verbunden, aber unverzichtbar. Im Zusammenhang mit den aktuellen Sparmaßnahmen im Gesundheitssystem stehen auch Aspekte der Pandemieprävention immer wieder zur Disposition.
FAQ: Ebolavirus - Was ist auf Reisen zu beachten?
- Wie hoch ist das Infektionsrisiko? Aufgrund der geringen Übertragbarkeit des Ebola-Virus ist das Risiko für Reisende generell gering. Das Risiko für eine Infektion besteht vor allem bei direktem Kontakt mit schwer Erkrankten oder Verstorbenen bzw. deren Körperflüssigkeiten, zum Beispiel innerhalb der Familien oder bei Beerdigungen. Ein hohes Risiko besteht vor allem bei der medizinischen Versorgung von Infizierten, zum Beispiel bei Hilfseinsätzen in Ausbruchsgebieten, wenn keine adäquate Schutzausrüstung getragen wird.
- Wo kann man sich informieren? Grundsätzlich sollten die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes berücksichtigt werden. Unter anderem ist Kontakt zu erkrankten Personen und Verstorbenen zu vermeiden, wann immer möglich sollte man sich auch von Gesundheitszentren fernhalten.
- Was sollte man vermeiden? In tropischen Regionen sollten Tierkontakte gemieden werden (auch wegen anderer Risiken wie zum Beispiel Tollwut), wie auch der Besuch von Fledermaushöhlen, der ein Risiko für Infektionen mit Filoviren (Marburg/Ebola) bedeuten kann.
- Was ist beim Impfschutz zu beachten? Ein vollständiger Impfschutz auf Reisen ist wichtig, wie auch eine Malariaprophylaxe, gemäß aktueller Empfehlungen. So können Vorstellungen in lokalen Gesundheitseinrichtungen, die gegebenenfalls ein Risiko bedeuten (unter anderem auch für Besiedelung und Infektionen mit multiresistenten Bakterien), vermieden werden. Auch kann bei möglicher Exposition vermieden werden, dass der Verdacht auf eine HCID überhaupt erst aufkommt.
Was zu tun ist
Prof. Torsten Feldt betont: Wir müssen bei solchen Ausbrüchen mit einzelnen Importen rechnen und uns möglichst gut vorbereiten. Die Deutsche Gesellschaft für Tropenmedizin, Reisemedizin und globale Gesundheit trägt dazu bei, z.B. durch:
- Erstellung und Unterstützung von Therapieempfehlungen und Leitlinien, zum Beispiel für Ebola- und Lassafieber
- Stärkung von internationalen Netzwerken und Forschungskooperationen
- Stärkung der Forschung zu vernachlässigten Erkrankungen und insbesondere von solchen mit Pandemiepotenzial
- Bereitstellung von aktuellen Informationen zur Epidemiologie von Ausbruchsgeschehen Stärkung der politischen Unterstützung für die Entwicklungszusammenarbeit
- Sicherstellung der tropenmedizinischen Expertise in Netzwerken, die an der Vorbeugung und Bekämpfung von Ausbrüchen beteiligt sind, z.B. durch Förderung der tropenmedizinischen Ausbildung
Quelle: Prof. Torsten Feldt/Pressekonferenz anlässlich des 17. Kongresses für Infektionskrankheiten und Tropenmedizin – KIT 2026


