
Sogenannte Functional Drinks sind auf Social Media und im Getränkeregal zu finden. Diese "funktionellen Getränke" sollen durch bestimmte Inhaltsstoffe nicht nur gut schmecken, sondern auch einen gesundheitlichen Mehrwert haben. Auf Tiktok und Instagram werden sie als große Innovation präsentiert. Laut Herstellern enthalten sie "smarte Zutaten" oder sind "gut für den Bauch".
Halten die bunten Flaschen und Dosen, was die Influencer*innen versprechen? Je nach Anbieter handelt es sich bei den besonderen Zutaten um
- Apfelessig(-pulver),
- Milchsäurebakterien oder
- Ballaststoffe wie Inulin und Dextrin.
Bleibt die Frage, was die einzelnen Inhaltsstoffe wirklich bewirken können.
Apfelessig
Apfelessig eilt der Ruf voraus, er könne den Blutzucker stabilisieren, beim Abnehmen helfen und das Hautbild verbessern. Allerdings lässt sich keine dieser Wirkungen wissenschaftlich nachweisen. Eine viel beachtete Studie musste vor Kurzem wegen fachlicher Mängel zurückgezogen werden.
Apfelessig ist also ein Lebensmittel wie jedes andere, das im Salatdressing schmeckt oder in einem Glas Wasser verdünnt getrunken werden kann. Besondere Effekte sind dabei nicht zu erwarten, schon gar keine Wunder. Pur sollte Essig nicht getrunken werden, da die Säure den Zahnschmelz angreifen und auch den Magen reizen kann.
Milchsäurebakterien
Milchsäurebakterien sind lebende sogenannte Probiotika, die sich im Darm ansiedeln können. Allerdings ist die Zusammensetzung der Bakterienkultur im Darm (Mikrobiota) bei jedem Menschen individuell und wird vor allem von der täglichen Ernährung beeinflusst. Um sie dauerhaft positiv zu beeinflussen, müssen jeden Tag größere Mengen aufgenommen werden, als eine Dose Limo enthält. Welche Bakterienstämme dabei wirklich eine positive Wirkung entfalten, ist noch Teil aktueller Forschung.
In einigen Limonaden stecken die Bakterien auch in inaktiver Form, dann heißen sie Postbiotika.
Dass funktionelle Limonaden auf die Mikrobiota einen dauerhaften positiven Effekt haben, ist nicht nachgewiesen. Wer seiner Darmgesundheit etwas Gutes tun möchte, isst am besten mediterran und ballaststoffreich mit reichlich Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Vollkorn, Fisch, Oliven- oder Rapsöl und Nüssen. Auch fermentierte Milchprodukte mit natürlichen Milchsäurebakterien gehören dazu, wie Joghurt, Kefir oder Buttermilch.
Ballaststoffe
Bei den Ballaststoffen in den Getränken handelt es sich oft um Inulin oder Dextrin aus verschiedenen Pflanzen wie Mais oder Tapioka. Ballaststoffe sind Präbiotika, die den Darmbakterien als Nahrung dienen. Bei ihrer Verwertung entstehen Stoffe, die sich positiv auf den Darm, das Immunsystem und den Stoffwechsel auswirken können. Ballaststoffe sind gesund und tun dem Darm gut. Empfehlenswert ist eine Menge von mindestens 30 g pro Tag.
Mit rund 6 Gramm pro Dose enthalten funktionelle Limonaden also etwa ein Fünftel des Tagesbedarfs von Erwachsenen. Zum Vergleich: Schon zwei Scheiben Vollkornbrot enthalten 7,5 g Ballaststoffe genauso wie eine Portion Rosenkohl (ca. 170 g) oder eine ganze Paprika.
Zuckergehalt
Die funktionellen Limonaden kommen mit weniger Zucker aus als herkömmliche Softdrinks. Manche sind ausschließlich mit kalorienfreien Süßstoffen gesüßt, wobei oft Steviaprodukte genutzt werden, was gerne als besonders "natürlich" beworben wird. Sie nehmen jedoch keine Sonderrolle unter den Süßstoffen ein und gelten genau wie Aspartam oder Cyclamat als Zusatzstoff.
Andere Limonadensorten enthalten zusätzlich Zucker oder Agavendicksaft, also letztlich auch Zucker. Zuckergesüßte Getränke begünstigen Übergewicht, wenn sie in größeren Mengen konsumiert werden. Im Vergleich zu herkömmlicher Limo mit Zucker oder fertig gemischter Saftschorle liefern die funktionellen Getränke deutlich weniger Zucker und Kalorien.
Fazit
Funktionelle Limonaden reihen sich je nach Zusammensetzung in die Reihe anderer Softdrinks mit oder ohne Zuckeranteil ein. Mit Ausnahme der enthaltenen Ballaststoffe bieten sie keinen Vorteil, da weder die Milchsäurebakterien noch Apfelessig einen nachweislichen Nutzen entfalten. Wer hin und wieder eine Dose trinkt, muss keinen Schaden befürchten. Eine Gesundheitswirkung wie sie in Social Media beschrieben wird, ist allerdings auch nicht zu erwarten.
Julia Icking/www.bzfe.de


