HepatitisHepatitis: Früherkennung rettet Leben

Hepatitis B und C sind meist gut behandelbar - wenn sie frühzeitig entdeckt werden. Umso wichtiger ist die Früherkennung.

Illustration: entzündete Leber mit Hepatitisviren
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Das Hepatitis-Screening beim Check-up 35 deckt mögliche unerkannte Hepatitis-B- und -C-Infektionen auf.

Das Hepatitis-Screening in Deutschland etabliert sich als Erfolgsmodell. Dieses Fazit zieht die Fachgesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS).

Hepatitis-Screening beim Check-up 35

In Deutschland leben laut Schätzungen bis zu 500.000 Menschen mit einer chronischen Hepatitis-B- oder -C-Infektion. Viele ohne Kenntnis ihrer Erkrankung. Seit 2021 haben gesetzlich Versicherte ab 35 Jahren Anspruch auf ein einmaliges Screening bei der Gesundheitsuntersuchung Check-up 35. Die DGVS bewertet das Programm als großen Erfolg und gesundheitspolitischen Durchbruch.

"Durch die Testung konnten viele Tausende unerkannt Infizierte identifiziert und rechtzeitig behandelt werden – ein entscheidender Schritt zur Erreichung der WHO-Ziele zur Eliminierung der Virushepatitiden", sagt der Gastroenterologe Prof. Heiner Wedemeyer.

Warum das Screening so wichtig ist

Hepatitis C kann mit praktisch nebenwirkungsfreien Tabletten innerhalb von 2 bis 3 Monaten bei fast allen Patient*innen geheilt werden. Für die Hepatitis B stehen hocheffektive generische Medikamente zur Verfügung, die die Infektion kontrollieren. Damit werden Komplikationen der virusbedingten Lebererkrankung wie Leberzellkrebs oder Leberzirrhosen verhindert.

Studie zeigt deutlichen Anstieg neu erkannter Fälle

Laut einer Studie wurden allein im Zeitraum vom 4. Quartal 2021 bis zum 3. Quartal 2023 insgesamt rund 5,6 Millionen Versicherte beim Check-up 35 auf das Vorkommen einer Hepatitis B oder C gescreent.

Auf Basis der KBV-Abrechnungsdaten und Vergleichsdaten zur PCR-Positivität für Hepatitis B oder C in einer Vergleichsgruppe kommt die Studie zu dem Schluss: In diesem Zeitraum wurden mindestens 17.800 neue Hepatitis-B-Fälle und mehr als 6500 neue Hepatitis-C-Fälle mit aktiver Infektion entdeckt. Dazu kommen noch Personen, die außerhalb der Gesundheitsuntersuchung positiv getestet wurden.

Die Zahl der durch das Robert Koch-Institut erfassten Neudiagnosen stieg signifikant an:

  • Für Hepatitis B betrug der Anstieg zwischen 2023 verglichen mit 2021 160 % (von 8757 auf 22.795 Fälle).
  • Für Hepatitis C stiegen die gemeldeten Fälle 2023 vergleichen mit 2021 um 121 % (von 4762 auf 10.508).

"Diese Zahlen zeigen: Das Screening wirkt – und es wirkt dort, wo es ansetzen soll – bei Menschen ab 35 Jahren, die sonst lange unerkannt geblieben wären", so Wedemeyer.

Hepatitis A im Aufwind – Fachgesellschaft warnt vor Sommerwelle

Die Fachgesellschaft weist zudem auf eine aktuelle Entwicklung bei Hepatitis A hin. Hepatitis A ist – anders als Hepatitis B und C – nicht Bestandteil des Screenings. Doch gerade im Sommer habe sie Aufmerksamkeit verdient: Die Zahl der Hepatitis-A-Fälle ist im ersten Halbjahr 2025 in Deutschland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 15 % gestiegen (von 347 auf 397 gemeldete Fälle laut RKI).

Auch andere europäische Länder wie Österreich und Ungarn verzeichnen derzeit Ausbrüche – meist in vulnerablen Gruppen wie wohnungslosen Menschen, Menschen mit Drogengebrauch oder in Gemeinschaftsunterkünften.

"Die natürliche Immunität gegen Hepatitis A ist in Deutschland niedrig. Das Virus verbreitet sich besonders in hygienisch schwierigen Situationen und über kontaminierte Lebensmittel", erklärt Prof. Birgit Terjung von der DGVS.

"Wir raten, besonders im Sommer und bei Auslandsreisen auf Impfschutz und Lebensmittelhygiene zu achten."

Früherkennung und Prävention

Für die DGVS steht fest: Deutschland ist mit dem Hepatitis-Screening auf dem richtigen Weg – und sollte ihn weiter ausbauen. Neben dem Ausbau der Teilnahmequoten bedarf es auch gezielter Präventionsmaßnahmen – insbesondere für sozial benachteiligte Gruppen, die seltener an der Gesundheitsuntersuchung teilnehmen.

"Die Zahlen belegen: Das Screening wirkt – aber sein Erfolg hängt maßgeblich vom Engagement der Hausärztinnen und Hausärzte ab", so Wedemeyer. "Nur wenn alle Anspruchsberechtigten getestet werden, lässt sich die WHO-Vision einer Welt ohne Hepatitis Realität werden."

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten