
Die Möhre des Mittelalters
Die Pastinake, auch der Pastinak genannt, existiert in einer Wildform (Pastinaca sativa var pratensis) und in einer Kulturform als Gemüse-Pastinake (Pastinaca sativa var sativa). Letztere hat eine wesentlich dickere Wurzel.
Die stärkehaltige weiße Wurzel der Kulturform war bereits im Altertum bekannt. Sie galt schon bei den Römern als kulinarisches Gemüse, aber auch als wertvolles Viehfutter. Sie war wesentlich beliebter als die Möhre, die damals der Pastinake sehr ähnlich sah, denn es wurden nur weißliche und gelbliche Möhren-Sorten kultiviert.
In allen alten Kräuterbüchern wird die Pastinake wegen ihres “lieblichen und süßen” Geschmacks gelobt. Sie galt als nahrhaft und sättigend, weshalb sie gerne entkräfteten Menschen empfohlen wurde. Man nutzte sie damals vor allem angebraten als Gemüse und in Suppen. Karl der Große verordnete ihren Anbau auf seinen Reichsgütern. Als Grundnahrungsmittel wurde sie erst im 18. Jahrhundert durch die Kartoffel und die Möhre verdrängt.
In den letzten Jahrzehnten erlebte die Pastinake im Rahmen der Naturkost- und Vollwertbewegung eine Wiedergeburt. Der Name Pastinak kommt vermutlich vom lateinischen pastinare = umgraben.
Pastinaca sativa (Doldenblütengewächse)
Heilwirkung: appetitanregend, krampflösend, harntreibend, präbiotisch
Geschmack: junge Blätter möhren- und sellerieartig, Rüben süßlich aromatisch mit Selleriearomen
Gesundheits-Check
Die lange weiße Pastinakwurzel (20 cm) ist proteinreich und enthält sehr viel Kalium (520 mg/100 g) und Magnesium sowie zahlreiche B-Vitamine, wie Folsäure. Auch das wichtige Hautmineral Zink ist in sehr hoher Dosis enthalten. Der Kaliumgehalt ist fast doppelt so hoch wie bei der Möhre, und auch der Vitamin-C-Gehalt übertrifft den der Möhre um das Vierfache. Allerdings enthält sie weniger Provitamin A. Die inulinreiche Wurzel ist auch für Diabetiker sehr verträglich, da Inulin den Zuckerstoffwechsel unterstützt und den Blutzuckerspiegel reguliert. Das Präbiotikum Inulin gehört zu jenen Ballaststoffen, die für eine gesunde Darmflora wichtig sind.
In der mittelalterlichen Medizin nutzte man sowohl Wurzel und Blätter als auch Früchte. Der Arzt Leonhart Fuchs schrieb 1543 zur Heilwirkung: “Die Wurzel ist ganz lieblich zu essen/dem Magen nützlich/treibt den Harn/und macht Lust zu essen”. Den Samen verordnete er bei “Grimmen im Laib” und tatsächlich enthält der Samen krampflösende und verdauungsfördernde Komponenten.
Außerdem lobten mittelalterliche Autoren die Pastinake als Aphrodisiakum, denn sie “mache Lust zu den ehelichen Werken” und “wecke Begierde zum Beischlaf”. Außerdem sollte sie “unfruchtbaren Weibern zur Empfängnis verhelfen”.
Aus Sicht der heutigen Volkmedizin wirkt die Pastinake vor allem appetitanregend, krampflösend und harntreibend. Sie eignet sich vorzüglich als Schonkost bei Magen- und Darmbeschwerden, denn sie ist leicht verdaulich.
Neueste Untersuchungen belegen, dass der tägliche Konsum der Wurzeln die Krankheitsschübe bei Multipler Sklerose signifikant mildert. Außerdem ist es ein Gemüse, das außergewöhnlich wenig Nitrat aufnimmt, weshalb es sich sehr gut als Gemüsebrei für Babys eignet. Zudem wird der Brei wegen seines süßlichen Geschmacks sehr gerne von Kindern gegessen.
Zwischen süß und würzig
Der süßlich würzige Geschmack der Pastinake erinnert etwas an Möhren und auch ein wenig an Sellerie. Der Gehalt an ätherischen Ölen bestimmt den typischen Geruch und Geschmack. Das feine Gemüse harmoniert hervorragend mit Möhren und Kartoffeln. Es eignet sich vorzüglich für Püree, Suppen und Eintöpfe oder als Ofengemüse. Wird die Wurzel zu stark angebraten, kann sich der Geschmack der süßlichen Wurzel etwas ins Bittere wenden.
Auch die Blätter können als Würzkraut verwendet werden und die Früchte eignen sich als verdauungsfördernde Speisewürze.
Aus dem Mittelalter sind Rezepte überliefert, in denen die Wurzelscheiben in einen Pfannkuchenteig getunkt und dann ausgebacken wurden.
Probieren Sie die Wurzel als Chipsersatz: Hauchdünn hobeln und mit Öl bepinselt im Backofen ca. 60 Minuten bei 140 °C backen, dann nach Bedarf salzen.
Aufgrund des hohen Zuckergehaltes wurde die Wurzel in Irland und England früher auch dazu genutzt, Bier und Wein herzustellen.
2 Rezepte mit Pastinake
Pastinaken-Hirse-Gratin (vegetarisch)
Für 4 Personen, 70 Min (mit Backzeit)
- 160 g Hirse
- 400 ml Gemüsebrühe
- 1 große Zwiebel
- 2 EL Olivenöl
- 400 g Pastinaken
- 250 g Quark
- 4 Eier
- 1 TL gekörnte Brühe/Gemüsebrühe
- ½ TL Fenchel (frisch gemörsert)
- 80 g Bergkäse oder Parmesan
- Fett für die Auflaufform
Hirse in Gemüsebrühe aufkochen, 5 Minuten köcheln und 20 Minuten ausquellen lassen.
Zwiebel schälen, würfeln und im Öl anbraten. Pastinake schälen, grob raspeln und dazugeben. 5 Minuten dünsten.
Alle Zutaten außer dem Käse zusammenmischen und in eine gefettete Auflaufform geben. Mit Käse bestreuen und im vorgeheizten Backofen bei 180 °C ca. 40 Minuten backen.
Tipp: Statt Bergkäse oder Parmesan können Sie auch Blauschimmelkäse (z.B. Gorgonzola) verwenden.
Pastinake im Backofen (vegetarisch)
Für 4 Personen, 45 Min (mit Backzeit)
- 100 g Haselnüsse
- 800 g Pastinaken
- 5 EL Olivenöl
- Schale einer Zitrone
- 150 g Feta
- 1 Bund Petersilie
- Salz
- Pfeffer
Haselnüsse bei 100 °C 10 Minuten im Backofen rösten. Abkühlen lassen und im Mixer grob hacken.
Pastinaken schälen, längs achteln und auf ein mit Packpapier ausgelegtes Backblech legen. Mit 2 EL Öl bepinseln und salzen 20–25 Minuten bei 180 °C garen.
Nüsse mit zerbröckeltem Feta, abgeriebener Zitronenschale, kleingeschnittener Petersilie und 3 EL Öl vermischen. Mit Salz und Pfeffer würzen.
Nuss-Feta-Masse auf den Pastinaken verteilen und weitere 10 Minuten im Ofen lassen. Als Beilage servieren oder als Hauptgericht mit Salat.



