SchaufensterkrankheitpAVK in den Armen oft schlecht versorgt

pAVK in den oberen Extremitäten verläuft meist asymptomatisch und wird oft nicht rechtzeitig diagnostiziert und behandelt. Folgen sind höhere Sterblichkeit und häufigere Amputationen.

Illustration: Körper mit Herz und Blutgefäßen
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pAVK in den Armen ist noch relativ unerforscht, aber behandelbar.

Schmerzen und Missempfindungen in den Armen können ein Zeichen für die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) sein. Die auch als Schaufensterkrankheit bezeichnete Gefäßerkrankung tritt v.a. in den Beinen auf. Eher selten – und daher noch relativ unerforscht und in der Breite schlecht versorgt – ist die Symptomatik im Bereich der oberen Extremitäten.

In der Angiologie des Uniklinikum Münster hat man sich in einer großen Studie mit den noch vielen offenen Fragen um diese Form der pAVK befasst.

Die Erkrankung verläuft zunächst asymptomatisch, v.a. bei Frauen. Auch deshalb wird sie oft nicht rechtzeitig diagnostiziert und behandelt. So werden im Uniklinikum Münster nur rund 15 Patient*innen pro Jahr wegen einer pAVK der oberen Extremitäten behandelt.

Ein Fall aus dem Uniklinikum Münster

Die 63-jährige Altenpflegerin bemerkte vor über 20 Jahren erste Beschwerden in den Beinen. Vor etwa 10 Jahren hatte sich die Symptomatik so weit verschlechtert, dass sie Stents bekam, die die Bein-Arterien dauerhaft weiten. Noch im selben Jahr erlitt sie einen Herzinfarkt und dann traten erste Beschwerden in ihrem linken Arm auf. Zunächst habe es nur ein bisschen weh getan und der Schmerz von der Schulter bis in die Finger ausgestrahlt. Dann seien Druckgefühl und Taubheit in den Fingern hinzugekommen und die Schmerzen stärker geworden. Irgendwann habe sie nicht mehr auf dem Arm liegen und auch kein Buch mehr halten können. 

Bei einem minimalinvasiven Kathetereingriff wurde zunächst versucht, ihre verengte Arterie in der Schulter mithilfe eines Ballons zu weiten (dieser ist mit Medikamenten beschichtet, die die Gefäße weiten und offenhalten sollen). Noch im Eingriff hat sich dann aber gezeigt, dass das Aufdehnen allein nicht ausreicht, um den normalen Blutfluss wiederherzustellen. Letztlich wurde ein Stent gesetzt. Weil die Arterienverkalkung im Grunde auf einen Entzündungsprozess zurückzuführen ist, setzen sich diese Stents häufig wieder zu, erläutert Prof. Nasser Malyar. „Hier ist der Stent aber nach 9 Jahren noch offen. Das ist eher selten, aber ein gutes Zeichen, dass er auch weiterhin offen bleibt.“

Die Patientin ist nach ihren Eingriffen inzwischen beschwerdefrei. Das Rauchen als Risikofaktor für Arteriosklerose hat sie aufgegeben. Zu den Risikofaktoren für pAVK zählen jedoch auch entzündlich-rheumatische Erkrankungen der Gefäße, Bluthochdruck, Übergewicht, familiäre Vorbelastungen oder Diabetes. „Bei derart Betroffenen sind dann häufig auch weitere Gefäßregionen betroffen und es handelt sich letztlich um Hochrisikopatienten“, sagt Dr. Lena Makowski.

Höhere Sterblichkeit und häufiger Amputationen

Dr. Lena Makowski von der Münsteraner Sektion Angiologie beschäftigt sich intensiv mit der pAVK der oberen Extremitäten. Im Rahmen einer groß angelegten Studie, die im European Heart Journal veröffenlicht wurde, versucht sie, die Diskrepanz in der Diagnostik und Versorgungen von unterer zu oberer pAVK zu ergründen. Die Studie soll helfen, mehr Licht ins Dunkel zu bringen und „hypothesegenerierende Daten“ zu finden, auf deren Basis dann die bestmöglichen Behandlungspfade für die seltene Ausprägung der pAVK gefunden werden können.

"Betroffene mit pAVK der oberen Extremitäten sind häufig unterversorgt. Das hat auch damit zu tun, dass eine entsprechende Leitlinie für die Behandlung fehlt", sagt Makowski. Die Folge: Eine höhere Sterblichkeitsrate und häufigere Amputationen. Diese würden vielerorts viel zu früh erfolgen, sagt Sektionsleiter Prof. Nasser Malyar. "Nicht alle Behandlungszentren verfügen wie das UKM über vielfältige Behandlungsmöglichkeiten oder die Expertise von mehreren notwendigen Fachdisziplinen." 

Umso wichtiger, dass auch einfache Hinweise auf eine mögliche Erkrankung frühzeitig erkannt werden. Dazu gehören z.B.:

  • der Puls ist an einer Seite des Arms schlechter tastbar,
  • der Blutdruck unterscheidet sich bei einer Messung an beiden Armen um mehr als 20 bis 30 mmHG.

So könnten auch weitgehend asymptomatische Patient*innen rechtzeitig versorgt werden. Häufig reichen dann Blutverdünner und cholesterinsenkende Medikamente für eine Behandlung aus; und auf einen interventionellen Eingriff kann verzichtet werden.

Quelle: wi/Universitätsklinikum Münster