
Mit nackten Füßen über warmen Sand laufen oder durchs Gras spazieren: Menschen mit Diabetes sollten darauf verzichten, rät Prof. Farzin Adili von der Deutschen Gesellschaft für Gefäßmedizin.
„Wer an Diabetes leidet, sollte seine Füße im Sommer schützen und keinesfalls barfuß laufen“, sagt Adili. Bereits kleine Verletzungen an den Füßen können demnach bei Diabetiker*innen schwerwiegende Folgen haben. Die Gefahr ist im Sommer besonders groß. Warum und welche Rolle Durchblutungsstörungen spielen, erläuterte der Gefäßchirurg auf der Pressekonferenz der Fachgesellschaft.
Diabetische Neuropathie vermindert Empfindungen an den Füßen
Bis zu 50 Prozent aller Menschen mit Diabetes entwickeln im Verlauf ihrer Erkrankung eine diabetische Neuropathie. Durch die Nervenschädigung werden Schmerz-, Druck- oder Temperaturempfindungen an den Füßen vermindert wahrgenommen oder gehen ganz verloren.
„So können Blasen, Druckstellen, kleine Verletzungen oder Verbrennungen entstehen, ohne dass Betroffene dies sofort registrieren“, sagt Adili. Hinzu kommt, dass Menschen mit Diabetes ein 2- bis 4-fach erhöhtes Risiko tragen, eine periphere arterielle Verschlusskrankheit zu entwickeln – eine Durchblutungsstörung, die die Wundheilung beeinträchtigt.
„Treffen Nervenschädigung und Durchblutungsstörung aufeinander, kann sich am Fuß aus einer kleinen Verletzung schnell eine chronische Wunde entwickeln, ein Ulkus“, erklärt Adili.
Wenn das Warnsignal Schmerz fehlt
Diese Gefahr besteht verstärkt im Sommer, wenn die Menschen gerne barfuß laufen. Denn an heißen Sommertagen heizen sich Asphalt, Steinplatten, Terrassenböden, Sand oder Metallflächen so stark auf, dass sie die Sohlen an den Füßen schädigen können. „Doch während gesunde Personen reflexartig reagieren und den Fuß zurückziehen, fehlt bei vielen Menschen mit diabetischer Nervenschädigung dieses Warnsignal“, betont Adili. Die Folge können thermische Verletzungen sein, die häufig erst entdeckt werden, wenn bereits eine Wunde entstanden ist. „Auch Muscheln, Dornen, Glassplitter oder Steinchen können unbemerkt kleine Verletzungen herbeiführen.“
Hohe Sterblichkeit beim diabetischen Fußgeschwür
Entstehen aus den Blessuren chronische Wunden, sprechen Expert*innen vom diabetischen Fußsyndrom – häufig der Beginn einer bedrohlichen Entwicklung. „Der diabetische Fuß ist eine schwere, potenziell lebensbedrohliche Komplikation des Diabetes mellitus“, betont Adili. Zahlen verdeutlichen dies: 30 Prozent der Betroffenen mit einem diabetischen Fußulkus sterben innerhalb von 5 Jahren. Auch gehen Fußulzera etwa 80 Prozent der Amputationen der unteren Extremität bei Menschen mit Diabetes voraus – nach einer Amputation oberhalb des Sprunggelenks („Majoramputation“) versterben wiederum 70 Prozent der Patient*innen innerhalb von 5 Jahren.
Pro Jahr finden rund 40.000 diabetesbedingte Amputationen in Deutschland statt.
Internationale Leitlinie rät vom Barfußlaufen ab
Die aktuelle internationale Leitlinie der International Working Group on the Diabetic Foot (IWGDF) Menschen mit Diabetes und erhöhtem Risiko für Fußulzera ausdrücklich, weder im Haus noch im Freien barfuß zu laufen. Auch vom Gehen in Socken oder dünnsohligen Hausschuhen wird abgeraten.
Prof. Farzin Adili empfiehlt “geeignetes Schuhwerk mit fester Sohle und genügend Platz, aus weichem Material und ohne Innennähte”. Das schützt vor mechanischen Verletzungen, Fremdkörpern und Hitzeschäden und gehören zu den wichtigsten Maßnahmen der Vorbeugung.
Füße täglich inspizieren und Durchblutung prüfen
Darüber hinaus rät die IWGDF-Leitlinie zur täglichen Kontrolle der Füße sowie zur konsequenten Hautpflege. Bei Auffälligkeiten muss früh gehandelt werden. Dazu gehört:
„Rötungen, Blasen, Druckstellen, Einrisse oder Schwellungen, Geruch und Sekrete sollten immer ernst genommen und rasch ärztlich abgeklärt werden“, sagt Adili. Bei schlecht heilenden Wunden sollte stets auch die Durchblutung überprüft werden.
„Wundheilung beginnt nicht erst beim Verband – sie beginnt mit der Frage, ob ausreichend Blut im Gewebe ankommt“, betont Adili. Eine frühzeitige gefäßmedizinische Diagnostik könne helfen, Komplikationen zu vermeiden und die Heilungschancen deutlich zu verbessern
Quelle: Pressekonferenz der Deutschen Gesellschaft für für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin/8.6.2026


