
Warum juckt die Haut überhaupt? Die häufigsten Ursachen für Juckreiz
Juckende Haut kann viele verschiedene Ursachen haben. Manchmal tritt der Juckreiz nur vorübergehend auf, manchmal begleitet er einen über Wochen oder sogar Monate. Umso wichtiger ist es, die möglichen Auslöser zu kennen. Denn nur wer die Ursache versteht, kann gezielt gegensteuern und die Haut bestmöglich unterstützen.
Eine der häufigsten Ursachen für Juckreiz ist trockene Haut. Fehlt ihr ausreichend Feuchtigkeit und Fett, gerät die natürliche Schutzbarriere aus dem Gleichgewicht. Die Haut wird empfindlicher gegenüber äußeren Einflüssen, spannt, schuppt und beginnt zu jucken. Besonders im Winter macht sich das bemerkbar: Kalte Luft draußen und trockene Heizungsluft drinnen entziehen der Haut zusätzlich Feuchtigkeit und können die Beschwerden verstärken.
Auch ein abheilender Sonnenbrand oder Insektenstiche können unangenehmen Juckreiz verursachen. Während sich die Haut nach einem Sonnenbrand regeneriert, werden Entzündungsprozesse aktiviert, die häufig mit Juckreiz einhergehen. Bei Insektenstichen reagiert der Körper auf Stoffe, die beim Stich in die Haut gelangen. Typisch sind dann Juckreiz, Rötungen und leichte Schwellungen.
Daneben gibt es verschiedene Hauterkrankungen, die häufig mit Juckreiz verbunden sind. Dazu zählen beispielsweise Neurodermitis, Schuppenflechte oder Ekzeme. Die Haut ist dann gerötet, gereizt oder entzündet. Auch Allergien können Beschwerden auslösen. Manche Menschen reagieren zum Beispiel empfindlich auf Inhaltsstoffe in Kosmetika, Waschmitteln oder Lebensmitteln. Das Immunsystem stuft diese Stoffe als fremd ein und löst eine Abwehrreaktion aus, die sich unter anderem durch Juckreiz bemerkbar macht.
Doch nicht immer liegt die Ursache direkt in der Haut selbst. Stress, Schlafmangel oder seelische Belastungen können auch Juckbeschwerden auslösen. Viele Betroffene beobachten dann, dass der Juckreiz gerade in besonders anstrengenden Lebensphasen zunimmt. Darüber hinaus können Medikamente oder Erkrankungen der inneren Organe dahinterstecken. So kann anhaltender Juckreiz beispielsweise mit Erkrankungen der Leber oder Gallenwege zusammenhängen. In diesem Fall können sich Gallensäuren im Körper anreichern und unangenehmen Juckreiz auslösen.
Da die Ursachen so vielfältig sind, gibt es keine allgemeingültige Lösung. Doch wer den Auslöser kennt, kann gezielter handeln und den Juckreiz schneller und besser in den Griff bekommen.
Welche Kräuter helfen gegen juckende Haut? 5 Heilpflanzen im Überblick
Es gibt etliche Heilpflanzen, die seit Jahrhunderten bei Juckreiz eingesetzt werden. 5 davon möchte ich Dir vorstellen. Sie können dabei helfen, Juckbeschwerden zu lindern, die Haut zu beruhigen und die Hautzellregeneration zu fördern. Wichtig ist zu wissen, dass diese Kräuter in erster Linie die Beschwerden lindern. Um den Juckreiz langfristig in den Griff zu bekommen, sollte möglichst auch die Ursache erkannt und behandelt werden.
Spitzwegerich (Plantago lanceolata)
Spitzwegerich gehört zu den klassischen Erste-Hilfe-Pflanzen der Naturheilkunde. Besonders bei Insektenstichen, kleineren Hautreizungen oder juckenden Hautstellen setze ich ihn gerne ein. Seine Blätter enthalten Schleimstoffe, Gerbstoffe und das Iridoidglykosid Aucubin. Diese Inhaltsstoffe wirken hautberuhigend und können die Regeneration gereizter Haut unterstützen. Spitzwegerich hat zudem eine kühlende Wirkung, wodurch der Juckreiz zusätzlich gelindert wird.
Beim nächsten Mückenstich im Wanderurlaub kannst Du Dich direkt selbst von seiner Heilkraft überzeugen: Einfach frischen Spitzwegerich sammeln, zerkauen und den Brei auf den Mückenstich legen.
Die äußerliche Anwendung von Spitzwegerich bei entzündlichen Hautbeschwerden wird unter anderem von der Kommission E, dem HMPC sowie von der ESCOP als positiv bewertet.
Hamamelis (Hamamelis virginiana)
Wenn die Haut schnell mit Rötungen, Brennen oder Juckreiz auf äußere Reize reagiert, kann Hamamelis eine interessante Heilpflanze sein. Sie enthält Gerbstoffe und Flavonoide, die die Hautbarriere unterstützen und gereizigte Haut beruhigen können. Deshalb wird Hamamelis häufig bei empfindlicher Haut eingesetzt, die auf Kälte, trockene Luft oder ungeeignete Pflegeprodukte reagiert, oder auch bei Ausschlägen und Ekzemen.
Die äußerliche Anwendung von Hamamelisblättern und Hamamelisrinde bei leichten Hautentzündungen wird sowohl von der ESCOP, als auch vom HMPC und der Kommission E anerkannt.
Eichenrinde (Quercus robur, Quercus petraea, Quercus pubescens)
Eichenrinde eignet sich besonders bei nässenden Ekzemen und juckenden Hautausschlägen. Ihre Gerbstoffe wirken zusammenziehend und können dazu beitragen, nässende Hautstellen auszutrocknen und zu beruhigen. Gleichzeitig unterstützen sie die natürliche Schutzfunktion der Haut. Die Anwendung von Eichenrinde bei leichten Hautentzündungen wird von HMPC und ESCOP anerkannt.
Kamille (Matricaria chamomilla)
Kamille ist vor allem dann interessant, wenn der Juckreiz mit entzündeten, geröteten oder gereizten Hautstellen einhergeht. Das kann beispielsweise bei leichten Hautreizungen, Ausschlägen oder auch während der Heilungsphase eines Sonnenbrands der Fall sein. Zu ihren wichtigsten Inhaltsstoffen zählen ätherisches Öl, Flavonoide und Schleimstoffe. Sie wirken hautberuhigend, kühlend und entzündungshemmend.
Die äußerliche Anwendung von Kamillenblüten bei entzündlichen Hautbeschwerden wird unter anderem von der Kommission E, dem HMPC sowie von der ESCOP positiv bewertet.
Aloe Vera (Aloe barbadensis Miller)
Aloe Vera kommt vor allem bei trockener, juckender, gespannter und feuchtigkeitsarmer Haut zum Einsatz. Das Gel enthält Polysaccharide, Schleimstoffe, Aminosäuren, Vitamine und Mineralstoffe. Besonders die feuchtigkeitsbindenden Schleimstoffe helfen dabei, Wasser in der Haut zu speichern und ihre natürliche Barrierefunktion zu unterstützen. Ihr kühlendender Effekt ist sofort spürbar und angenehm, insbesondere wenn die Haut stark gereizt oder überhitzt ist.
Aloe Vera nutze sich daher vor allem bei Juckreiz, der mit Trockenheit oder Sonnenbrand verbunden ist.
Wie werden Kräuter gegen Juckreiz richtig angewendet?
Die Heilpflanzen können auf verschiedene Weise angewendet werden, um juckende Haut zu beruhigen. Welche Anwendungsform am besten geeignet ist, hängt unter anderem davon ab, wodurch der Juckreiz ausgelöst wird:
- Während Waschungen und Umschläge vor allem bei geröteter, gereizter oder nässender Haut sinnvoll sind,
- eignen sich Salben eher bei trockener und strapazierter Haut.
- Kühlende Gele kommen insbesondere bei trockener Haut, Insektenstichen oder einem abheilenden Sonnenbrand zum Einsatz.
Waschungen und Umschläge bei gereizter Haut
Waschungen und Umschläge eignen sich besonders dann, wenn die Haut großflächig juckt und zusätzlich gerötet, gereizt oder entzündet ist. Für solche Anwendungen verwende ich meist einen Aufguss aus Kamillenblüten. Ist die betroffene Hautstelle nässend, nutze ich stattdessen Eichenrinde.
- Für einen Kamillenaufguss werden etwa 5 g Kamillenblüten mit 1 Liter heißem Wasser übergossen und anschließend 15 Minuten lang abgedeckt ziehen gelassen.
- Für einen Sud aus Eichenrinde benötigt man etwa 20 g Rinde auf 1 Liter Wasser. Die Rinde wird circa 15 Minuten lang geköchelt.
- Anschließend wird die Flüssigkeit abgeseiht und auf eine angenehme Temperatur abgekühlt.
- Für eine Waschung wird ein sauberes Tuch in den Aufguss oder Sud getaucht und die betroffene Hautstelle mehrmals vorsichtig damit benetzt. Bei einem Umschlag wird das Tuch in die Flüssigkeit getränkt, leicht ausgewrungen und direkt auf die juckende Haut gelegt. Darüber kann ein trockenes Handtuch gelegt werden, damit die Feuchtigkeit länger erhalten bleibt.
- Der Umschlag bleibt etwa 10-20 Minuten auf der Haut und kann bei Bedarf mehrmals täglich angewendet werden.
Wichtig zu wissen: Eichenrinde sollte nicht länger als eine Woche am Stück angewendet werden. Kamillenblüten sind bei einer bekannten Allergie gegen Korbblütler hingegen nicht geeignet, da sie allergische Reaktionen auslösen können. In diesem Fall können Hamamelis oder Spitzwegerich eine gute Alternative sein.
Salben zur Unterstützung der Hautbarriere
Wenn trockene oder strapazierte Haut den Juckreiz auslösen, können Salben eine sinnvolle Wahl sein. Sie helfen dabei, die Hautbarriere zu stärken, Feuchtigkeit in der Haut zu halten und die Haut geschmeidiger zu machen, sodass der Juckreiz gelindert wird. Salben kann man selbst herstellen oder in der Apotheke anmischen lassen. Die betroffenen Stellen werden mindestens 1-mal am Tag, besser jedoch mehrmals am Tag, eingerieben. Wenn die Salbe auf feuchte Haut aufgetragen wird, zieht sie schneller ein. Ich sprühe sie dazu einfach mit einem kühlenden Rosenhydrolat ein oder mache vorher eine kurze Waschung mit Kamillenaufguss.
Gele für trockene und erhitzte Haut
Bei trockener, juckender, gespannter oder durch Sonne gereizter Haut, kann ich Aloe-Vera-Gel empfehlen. Es wird mehrmals täglich direkt auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen und sorgt für einen kühlenden Effekt. Es zieht sehr schnell ein und hinterlässt keinen fettigen Film.
Wann sollte Juckreiz ärztlich abgeklärt werden?
Hält der Juckreiz über mehrere Wochen an, tritt er immer wieder auf oder wird er zunehmend stärker, sollte die Ursache ärztlich abgeklärt werden. Das gilt insbesondere dann, wenn zusätzlich Hautveränderungen wie starke Rötungen, Schwellungen, nässende Stellen oder auffällige Ausschläge auftreten. Auch Juckreiz, der den Schlaf beeinträchtigt, am ganzen Körper auftritt oder die Lebensqualität deutlich einschränkt, sollte abgeklärt werden. In manchen Fällen liegt die Ursache nicht direkt in der Haut und es sollten beispielsweise Allergien, Stoffwechselerkrankungen, Leber- oder Gallenerkrankungen, Nierenerkrankungen oder die Nebenwirkung von Medikamenten ausgeschlossen werden.
Heilpflanzen und Hausmittel können dabei helfen, die Beschwerden zu lindern und die Haut zu beruhigen. Sie ersetzen jedoch keine Diagnose. Wenn man die Ursache des Juckreizes kennt, kann man sie ihn gezielter behandeln und die Beschwerden langfristig deutlich besser in den Griff bekommen.
Wichtiger Hinweis!
Wie jede Wissenschaft ist die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen unterworfen. Soweit in diesem Beitrag medizinische Sachverhalte, Anwendungen und Rezepturen beschrieben werden, handelt es sich naturgemäß um allgemeine Darstellungen, die eine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine/einen Apothekerin nicht ersetzen können. Jede/Jeder Nutzende ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich. Autoren und Autorinnen und Verlag haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass diese Angaben bei ihrer Veröffentlichung dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung für Schäden oder andere Nachteile ist jedoch ausgeschlossen.
Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.
Ruby Nagel
Heilpraktikerin mit dem Schwerpunkt Pflanzenheilkunde


