ArthroseHagebutte bei Arthrose: Stark gegen Schmerz und Entzündung

Mit der Hagebutte Schmerzen, Entzündung und Knorpelabbau bei Arthrose reduzieren? Das legen Studien nahe. 

aufgeschnittene Hagebutten auf sonnigem Holzuntergrund
Madeleine Steinbach/stock.adobe.com
Die effektivste Anwendungsmöglichkeit scheint das aus Schalen und Kernen gewonnene Hagebuttenpulver zu sein.

Mit der Rosenfrucht gegen die Volkskrankheit

Fast 8 Millionen Menschen in Deutschland leiden an Arthrose. Diese Erkrankung der Gelenke zeigt sich durch Schmerzen und Bewegungseinschränkungen, auch Schwellungen am Gelenk sind möglich. Grund hierfür ist der Verschleiß des Knorpels, der an den Knochenenden im Gelenk sitzt.

Übergewicht und Fehlstellungen können den Verschleiß begünstigen, aber auch mangelnde Bewegung: Nur wenn das Gelenk bewegt wird, wird der Knorpel von der Gelenkflüssigkeit optimal versorgt. Der Verschleiß führt zu Entzündungen, diese wiederum zu Schmerzen und Bewegungseinschränkungen. Viele Gelenke können von der Arthrose betroffen sein, am häufigsten zeigt sie sich an Knie-, Hüft- oder Fingergelenken.

Die Naturheilkunde verfügt über diverse Therapien, die bei der Arthrose hilfreich sein können. Dazu zählt auch die Phytotherapie. Insbesondere die Hagebutten haben sich bei der Behandlung der Arthrose einen Namen gemacht. Hagebutten sind die Sammelnussfrüchte verschiedener Rosenarten, besonders der Hundsrose (Rosa canina) [1].

Kräftige Doppelwirkung

Zwei Wirkungen der Hagebutten sind bei der Arthrose von Belang: ihre entzündungshemmende und die antioxidative Wirkung. Bei der ersteren sind die Galaktolipide und Triterpene der Hagebutten von Bedeutung. Diese Stoffgruppen sind in der Lage, die Einwanderung von entzündungsfördernden weißen Blutkörperchen in das Gelenk zu hemmen. Dies kann die lokale Entzündungsreaktion und damit die Schmerzempfindlichkeit reduzieren [2]. Daneben hemmen die Stoffe der Hagebutten auch Enzyme wie die Cyclooxygenasen, die entzündungsfördernde Botenstoffe wie Zytokine bilden, und können das C-reaktiven Protein (CRP), einen wichtigen Entzündungsmarker im Blut, reduzieren [3].

Die entzündungsfördernde Wirkung kann zu einer Abnahme von Gelenkschmerzen führen, wie klinische Studien zeigen. Nehmen die Schmerzen ab, kann sich wiederum die Beweglichkeit des erkrankten Gelenks verbessern.

Die antioxidative Wirkung der Hagebutten bietet einen zusätzlichen Knorpelschutz: Antioxidantien neutralisieren freie Radikale, die im Gelenk unter anderem durch die Entzündungsprozesse gebildet werden. Diese freien Radikale können diverse Gewebe beeinträchtigen und schädigen, so auch den Knorpel. Aus diesem Grund wird bei Arthrose auch eine Ernährung empfohlen, die reich an Antioxidantien ist.

Neben Galaktolipiden sollen auch die Phenole, Terpenoide, Carotinoide, Fruchtsäuren und fette Öle der Hagebutten zu ihren positiven Wirkungen bei Arthrose beitragen [4].

Klinische Forschung

An einer 2005 publizierten dänischen Studie nahmen 94 Menschen mit Hüft- und Kniearthrose teil. Die Hälfte davon nahm täglich über 3 Monate 5 Gramm Hagebuttenextrakt ein, die andere Hälfte ein Placebo. Alle 3 Wochen erfolgte eine Auswertung, wobei die Probanden jeweils ermutigt wurden – sofern eine Besserung eintrat – ihre Schmerzmedikation zu reduzieren. Das Ergebnis der Studie: Hagebutten führten im Vergleich zum Placebo zu einer deutlichen Reduktion von Schmerzen und damit auch von Schmerzmitteln [5].

Ähnliche Ergebnisse lieferten 2 weitere klinische Studien, die Extrakte aus Hagebutten wurden gut vertragen und konnten Schmerzen reduzieren [6]. Die Probanden der diversen Studien konnten sich durch die Schmerzlinderung mehr bewegen, was zusätzliche positive Effekte bringt. Bei jeder Bewegung des Gelenks wird dieses von der Gelenkflüssigkeit durchspült, die den Knorpel ernährt und ihn „geschmeidig“ hält.

Hagebutte bei Arthrose richtig anwenden

Die effektivste Anwendungsmöglichkeit scheint Hagebuttenpulver (aus Schalen und Kernen) zu sein. Davon nimmst Du täglich 5 Gramm (ca. 1 Teelöffel) ein, nicht pur, sondern in Speisen wie Joghurt oder Müsli oder in Getränken wie Smoothies oder Wasser (leicht warm, nicht heiß) eingerührt. 

Bis erste Effekte der Hagebutten-Einnahme spürbar sind, kann etwas dauern. Studien zufolge zeigen sich diese oft erst nach 3 bis 4 Wochen.

Die Behandlung der Arthrose mit Hagebutten wird von der ESCOP-Monografie begrüßt. Neben- und Wechselwirkungen oder Gegenanzeigen, die zu beachten wären, sind nicht bekannt.

Wichtig: Die Hagebutte begleitet, ersetzt aber nicht andere medizinische Therapien oder Maßnahmen (z.B. Gewichtsabnahme und entzündungshemmende Ernährung), die bei der Arthrose angezeigt sein können.

Und zum Schluss

Medikamente wie Kortison und Schmerzmittel werden bei Arthrose zur Linderung von Schmerz und Entzündung eingesetzt. Aufgrund ihrer möglichen Nebenwirkungen soll ihr Einsatz aber möglichst kurzfristig während akuter Entzündungsphasen erfolgen.

Hagebutten können als Unterstützung jedoch über einen langen Zeitraum angewandt werden. Ihre Wirkstoffe können Studien zufolge Entzündung, Schmerz und Knorpelabbau hemmen.  

Wichtiger Hinweis

Wie jede Wissenschaft ist die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen unterworfen. Soweit in diesem Beitrag medizinische Sachverhalte, Anwendungen und Rezepturen beschrieben werden, handelt es sich naturgemäß um allgemeine Darstellungen, die eine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch eine Ärztin, einen Arzt oder eine/einen Apothekerin nicht ersetzen können. Jede/Jeder Nutzende ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich. Autoren und Autorinnen und Verlag haben große Sorgfalt darauf verwendet, dass diese Angaben bei ihrer Veröffentlichung dem aktuellen Wissensstand entsprechen. Eine Haftung für Schäden oder andere Nachteile ist jedoch ausgeschlossen.

Für die meisten Heilpflanzen fehlen Studien zu Unbedenklichkeit bei der Anwendung in der Schwangerschaft und während der Stillzeit, sowie bei Säuglingen, (Klein-)Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren. Alle beschriebenen Anwendungen sollten daher, sofern nicht ausdrücklich im Beitrag anders beschrieben, bei diesen Personen und in diesen Lebensphasen nicht ohne ärztliche Zustimmung angewendet werden.

  1. Blaschek W, Ebel S, Hackenthal E et al., Hrsg. Hagers Enzyklopädie der Arzneistoffe und Drogen. Stuttgart: WVG/Springer; 2014
  2. Larsen E, Kharazmi A, Iversen L et al. An anti-inflammatory galactolipid from the fruit of Rosa canina has a beneficial effect in the treatment of osteoarthritis. Journal of Natural Products 2003; 66(7): 994-995
  3. Jäger AK, Eldeen IM, van Staden J. COX-1 and -2 activity of rose hip. Phytother Res 2007; 21(12):1251-2
  4. Gruenwald J, Uebelhack R, Moré MI. Rosa canina - Rose hip pharmacological ingredients and molecular mechanics counteracting osteoarthritis - A systematic review. Phytomedicine 2019; 60:152958
  5. Winther K, Apel K, Thamsborg G. A powder made from seeds and shells of a rose-hip subspecies (Rosa canina) reduces symptoms of knee and hip osteoarthritis: a randomized, double-blind, placebo-controlled clinical trial. Scand J Rheumatol 2005; 34(4):302-8
  6. Christensen R, Bartels EM, Altman RD et al. Does the hip powder of Rosa canina (rosehip) reduce pain in osteoarthritis patients?--a meta-analysis of randomized controlled trials. Osteoarthritis Cartilage 2008; 16(9):965-72

Heilpraktiker mit dem Therapieschwerpunkt Phytotherapie

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